Prosit 2012! – Der Wissenschafts-Blog des Jahres 2011

Geschrieben am 2. Januar 2012

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Die Leser haben gesprochen, die Sache ist entschieden: Der Wissenschafts-Blog des Jahres 2011 ist gewählt. Eindeutiger Sieger der Wahl ist der Sternweiser Astrodicticum Simplex“ – mit weitem Vorsprung. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Blogs „Meinung&Debatte“ des Stifterverbands und der Blog des Szene-Originals Lars Fischer „Fischblog“. Herzlichen Glückwunsch den drei Gewinnern von „Wissenschaft kommuniziert“, herzlichen Dank an alle, die sich an der Wahl beteiligt haben.

Was ist das Geheimnis des Erfolges? Lassen sich daraus Lehren ziehen für alle diejenigen, die sich in der Welt der Wissenschaft als Blogger tummeln? (Mindestens 100 Wissenschafts-Blogs sind es allein in deutscher Sprache.) Der Abstand von Astrodicticum Simplex war riesengroß. Zwischen dem Sieger und dem Zweitplatzierten lag ein Vorsprung von über 200 Stimmen, zwischen dem zweiten und vierten Platz dagegen ging es nur noch um 10 Stimmen, auch das Feld dahinter lag dicht beisammen.

Nun gut, Florian Freistetter, der Autor von „Astrodicticum Simplex“, hatte seine Leser aufgerufen, sich an der Wahl zu beteiligen. Florian Freistetter, Autor von "Astrodicticum simplex"Und das Echo war überwältigend, wie unsere Blog-Statistik zeigte. Florian Freistetter ist also populär. Warum aber? Das wichtigste Erfolgsgeheimnis scheint zu sein: Engagement. Florian Freiststetter nimmt alles ernst, was ihn interessiert, und lässt seine Blogleser daran teilhaben: vom Alkohol, der alles im Kopf drehen lässt, bis zum Zusammenhang von Medienpräsenz und den Karrierechancen junger Wissenschaftler, von missratenen Fernsehfilmen bis zu den Kastropen-Prophezeiungen für das neue Jahr. Er entspricht wohl am ehesten der Blog-Vorstellung eines Online-Tagebuchs. So bunt wie das Leben, das er wie jeder von uns erlebt, so bunt ist Freistetters Blog, weil er neugierig ist und alles hinterfragt, was ihm begegnet.

Das zweite Erfolgsgeheimnis – für alle drei Sieger: Inhalte. Niemals langweilig, niemals Blabla, niemals nichtssagend. Florian Freistetter bietet beispielsweise – kurzweilig aufbereitet – einen der besten Hintergründe zum Maya-Kalender. Das fällt ihm als Astronomen nicht schwer, aber er war auch einer der lautesten Rufer, als die Stadt Jena (wo er lebt) durch einen ZDF-Film in die rechtsradikale Ecke geschoben wurde. (Mit Erfolg: Über das Rock-Konzert gegen Rechts kurz danach in Jena, berichtete das ZDF dann in den Hauptnachrichten – vielleicht als Wiedergutmachung.)

Ein ungewöhnlich inhaltsreicher Blog ist „Meinung&Debatte“ des Stifterverbands. Hier erscheinen Meinungsbeiträge zur Wissenschaftspolitik von den Größen der Szene, aber auch von bislang unbekannten Persönlichkeiten. Es geht um die Fundamente des Verhältnisses von Wissenschaft und Gesellschaft, das Spektrum der Ansichten ist breit – viel breiter als es bei einzelnen Blog-Autoren sein könnte.

Lars Fischer, gelernter Chemiker, lässt in seinem Blog Wissenschaft subjektiv erleben: Er kommentiert aktuelle Ereignisse aus der Welt der Forschung – kritisch und mit Hintergrund –, ordnet ein, schafft Zusammenhänge und spiegelt sie zugleich an seinen ganz persönlichen Erfahrungen. Daneben verfolgt er auch die schönen Seiten der Forschung, etwa mit seinem Adventskalender der sehenswertesten Wissenschaftsfilme. Und legendär sind die lakonischen Kommentare, die er über Twitter verbreitet.

Blogs zum Thema Wissenschaft leben vor allem von einem: dem Engagement derjenigen, die sie führen. Das könnte die wichtigste Lehre sein. Einige Leser haben interessante Anregungen für weitere Blogs gemacht. Ende dieses Jahres werden sie zur Wahl stehen. Mal sehen, wie die Blog-Leser dann entscheiden.

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