Witzig? Wichtig? Zukunft? – Wissenschaft im Web 2.0

Geschrieben am 30. Juli 2012

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Flott in die Zukunft – Das Scicamp-Logo.

Um das Fazit vorwegzunehmen: Der Titel ist wirklich super, voller Witz und scheinbarer Widersprüche! “Die Relativitätstheorie in 140 Zeichen”. Wer das liest, muss einfach weiterlesen.

Doch was soll man davon halten: “Die Konferenz, die keine ist!”. So kündigt sich das Scicamp im Ideenpark in Essen an. Thema: Wissenschaft im Web 2.0. Drei Reaktionen spontan meinerseits: Endlich einmal etwas zur Wissenschaftskommunikation außerhalb der großen Zentren, im Westen der Republik. Zweitens: Gehört das auch zum PR-Konzept von ThyssenKrupp, die jedes Jahr mit großem Aufwand (und vorwiegend lediglich  lokaler Ausstrahlung) diese Technikshow auf Zeit “Ideenpark” betreibt. Drittens: Schon wieder Web 2.0 – ein Modethema, das zwar wichtig für die Zukunft ist, aber derzeit totgeritten wird in Diskussionen und Vorträgen (siehe dazu auch: Wer sind die wahren Saurier?). Doch dann beruhigte sich meine Skepsis wieder etwas, beteiligen sich doch Institutionen daran, wie “Wissenschaft im Dialog“, und ernstzunehmende Blog-Kollegen, wie Andreas Schepers oder Henning Krause. Also mal ansehen.

Die Website des Scicamps hat mich dann überzeugt: Hier wird gespielt, nicht nur mit Worten, sondern auch mit den Möglichkeiten des Web 2.0. Tatsächlich gibt es noch keine Tagesordnung, tatsächlich kann jeder auf der Website Themenvorschläge zur Konferenz machen, sich selbst als Moderator von Sitzungen einbringen oder Probleme der Wissenschaft im Web 2.0 auf den Tisch legen, die bei der Konferenz behandelt werden sollen. Ich hoffe, dass die Veranstalter selbst ein starkes Konzept haben, um das daraus entstehende Chaos von Ideen, Interessen und Eitelkeiten dann auch wieder zu einer interessanten Tagung aufzulösen. Selbst an die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten nach Essen und an preiswerte Unterkünfte – nach Wunsch in Hotels oder Privatzimmern –  ist gedacht. Denn die Un-Konferenz soll immerhin fast zwei Tage dauern: vom 11. August 13.00 Uhr bis 12. August 17.00 Uhr. Rund 115 Mitglieder hat die Community,  deren Austausch allerdings zu wünschen übrig lässt (auch Web 2.0 muss erst gelernt und in die Lebensgewohnheiten integriert werden). 29 Anmeldungen zur Tagung, die keine ist, liegen im Moment vor da ich dies schreibe.

Ich schildere dies, um am selbst erlebten Beispiel zu berichten, wie Empfänger von Einladungen auf diese reagieren, wie unterschiedlichste Reaktionen – emotional! – gegeneinanderspielen, bis sich durch zusätzliche Informationen oder Anreize eine klare Tendenz herausschält.

So stellt sich ThyssenKrupp den Ideenpark in Essen vor.

Und die Konsequenz? Werde ich nun nach Essen fahren und am Scicamp teilnehmen? Eigentlich würde ich gern, aber ich weiß es noch nicht. Der Vorschlag von Henning Krause, wie deutsche Wissenschaftsorganisationen im Web 2.0 agieren (wäre nicht auch ein gründlicher Blick in die USA oder andere Länder angebracht?) gefällt mir zwar sehr gut, aber zu oft bin ich schon von interessanten Themen enttäuscht worden. Zumal ich nicht weiß, wer denn sprechen wird, wie lange und intensiv die Diskussion sein wird, noch nicht einmal der Zeitpunkt der Diskussion lässt sich feststellen. Natürlich: Eine Konferenz, die keine ist, kann auch noch kein Programm haben. So ist nun einmal Web 2.0 – für mich aber auch ein Nachteil, denn für meine Entscheidung will ich das schon wissen. Denn teilnehmen bedeutet für mich: Zwei Tage nach Essen und zurück – Lebenszeit, in der man so viel anderes erledigen und erleben kann. Ob sich das für die Informationen und Anregungen lohnt, die ich dort bekomme? Ich weiß es noch nicht. Ich werde die Diskussionen in der Community weiter beobachten und kurzfristig entscheiden – ein Vorteil vom Web 2.0. Und wenn ich dann doch nicht fahre? Dann hoffe ich, dass Veranstalter und Teilnehmer das Web 2.0 nicht nur zum Marketing ihrer Veranstaltung nutzen, sondern auch als Informationsmedium. Dann hoffe ich, dass ich im Web  das Wichtigste von der Un-Konferenz auch mitbekomme, ohne in Essen dabei zu sein –  ein Nachteil des Web 2.0 für die Veranstalter, ein Vorteil für mich.

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