Versteckt Euch nicht! – Wissenschaft braucht Kommunikation

Geschrieben am 12. September 2012

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Wissenschaft kommunizieren – Das wird für die Wissenschaft in der Informationsgesellschaft zur Existenzfrage

Mehr Selbstbewusstsein, liebe Kollegen. Die Zeiten sind vorbei, da es dort die großen Wissenschaftler gab, die alles wussten, vieles sogar besser – und hie die kleinen Kommunikatoren, Pressesprecher, Forschungssprecher. (Ja nicht einmal ein zugkräftiger Namen hat sich für diesen Beruf bislang gefunden.) Denn wir leben jetzt in der Informationsgesellschaft. Die sich ausweitet zur Partizipationsgesellschaft – wo der Bürger mitreden will.

Und in der Informationsgesellschaft, so ein gerade veröffentlichtes Thesenpapier, kommt es mehr darauf an, was von jemandem wahrgenommen wird, als was er tatsächlich tut. Und wenn niemand die Wissenschaft wahrnimmt, weil sie in der Informationsflut neben Sport, Politik, Kultur und Unterhaltungsbusiness untergeht, dann wird die Wissenschaft auch viele ihrer Privilegien verlieren, die sie hat und die sie braucht um erfolgreich zu arbeiten. Große und kleine Privilegien, wichtige und eher nebensächliche – angefangen von der großzügigen öffentlichen Finanzierung bis hin zu Details in vielen Dingen, etwa im Beamtenrecht oder – heute noch – bei der selbstgesteuerten Vergabe von Transplantationsorganen. So die zehn Thesen. Es bröckelt tatsächlich schon.

Einzig sinnvoller Ausweg: Wissenschaft macht mit im professionellen Informieren. Erste Voraussetzung: Gute Ausbildungsmöglichkeiten in Wissenschaftskommunikation, gleichzeitig professionelle Fortbildungsangebote für diejenigen, die heute oft als Autodidakten diese Arbeit tun müssen, oder nebenher. Da trifft es sich gut, dass gerade heute der erste Leiter des „Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (NaWik)“ ernannt wurde, das am KIT in Karlsruhe als künftige Ausbildungsstätte (siehe auch hier im Blog) entsteht. Es ist der Chefredakteur von „Spektrum“, Dr. Carsten Könneker. Er hat viele gute Gedanken, hoffentlich setzt er sie besser um als in seinem Buch (siehe http://wp.me/p1XAlm-cJ).

Zweite Voraussetzung: Hierarchische Einordnung und Berufsbilder für die Kommunikatoren, um in der Wissenschaftskommunikation attraktive und wirkungsvolle Positionen zu bieten und Anerkennung der Kommunikatoren durch die Wissenschaftler zu erreichen als Berater, die – gut ausgebildet – mit Forschern auf Augenhöhe Strategien und Botschaften abstimmen, sie beraten, den Dialog mit der Gesellschaft konzipieren. Soweit das Thesenpapier.

Darüber und über andere Aspekte der Wissenschaftskommunikation wird am auch Samstag beim großen Kongress der GDNÄ – Die Wissensgesellschaft in Göttingen diskutiert im Symposium „Kommunikation tut Not – Bleibt Wissenschaft am Rand der Informationsgesellschaft?“ (13.00-15.00 Uhr, bereits hier angekündigt) diskutiert. Kollege Könneker ist übrigens ganz frisch in Göttingen mit dabei.

Das Thesenpapier „Kommunikation tut Not“ können sie im Internet hier herunterladen.

Diskussionen und Kommentare dazu sind hier im Blog hochwillkommen. Gerade von denen, die anderer Meinung sind.