Mein Gott – Es ist Freitag

Posted on 4. November 2011

0


Der Freitag ist in unserer Gleitzeitgesellschaft bekannt als Tag, an dem eigentlich nur halb gearbeitet wird, weil viele möglichst frühzeitig ins verdiente Wochenende starten wollen. In Pressestellen von Forschungsinstitutionen aber ist dies offensichtlich der Tag, an dem jeder Doppelschichten fährt. Glaubt man wenigstens, wenn man den Output anschaut.

An keinem anderen Wochentag gehen gefühlt so viele Pressemitteilungen durch das Internet. Gefühlt? Ich habe einmal eine zufällige Stichprobe nachgezählt: IDW veröffentlichte am Freitag, 4. November 2011, insgesamt 95 Pressemitteilungen , am Mittwoch, dem in dieser Woche (wegen zwei Feiertagen am Montag und Dienstag) günstigsten Tag für Pressemitteilungen, waren es nur 57 Pressemitteilungen.

Ein wenig verdichtet sich der Eindruck, da wird gearbeitet nach dem Prinzip „Das muss diese Woche noch raus“ . Und wer denkt an die armen Empfänger, die Journalisten? Die gehören nämlich auch zur Gleitzeitgesellschaft oder sie arbeiten bei einer Tageszeitung (dann ist der Freitag besonders hart, denn Samstagszeitungen haben den größten Umfang und den frühesten Redaktionsschluss). In jedem Fall: kaum Zeit für neue Pressemitteilungen. Die bleiben bis Montag – und dann ist die Meldung nicht nur von gestern, sondern sogar aus der letzten Woche.

Erfolg oder Misserfolg einer Pressemitteilung hängen auch davon ab, wann sie an die Empfänger geht. Kaum eine Information aus der Wissenschaft ist so aktuell, dass sie unbedingt am gleichen Tag an die Medien muss, kaum ein Ereignis so überraschend, dass man die Meldung nicht vorab mit Sperrfrist verbreiten könnte.

An die Zielgruppe denken, hier an die Arbeitssituation der Journalisten, heißt das Fazit. Aber wenn ich mein Mail-Postfach am Freitagabend betrachte, dann wird das auch von den großen Forschungsorganisationen oft vergessen.

Advertisements