Lasst Euch nicht verführen – Deutsch als Fremdsprache?

Posted on 13. November 2011

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Es gibt Leute, die halten sich für den Nabel der Welt. Vielleicht nicht sich selbst persönlich, dann aber doch das Land, in dem sie leben, oder zumindest die Sprache, die sie sprechen. Und das im Zeitalter der globalisierten Kommunikation, von Internet, G20-Gipfeln, Champions League und Satellitenfernsehen. Das muss man wenigsten befürchten, wenn DAAD und Goethe-Institut zu einer Tagung „Deutsch als Wissenschaftssprache“ einladen http://www.daad.de/portrait/presse/pressemitteilungen/2011/18935.de.html.

Der Bundespräsident ist eben doch ein gewiefterPolitiker und redet sich geschickt mit der historischen Bedeutung des Deutschen in den Wissenschaften heraus, das in vielen Feldern das Lateinische ablöste. Doch die Zeiten sind vorbei, spätestens nach dem Darben der deutschen Wissenschaft unter Naziregime und Nachkriegszeit, spätestens mit dem Boom der Naturwissenschaften in den USA, dem weltweiten Austausch junger Talente und der globalisierten Wissenschaftskommunikation, ganz besonders der Fachpublikationen. In den Labors wird heute normalerweise Englisch gesprochen (mag sein in einigen Disziplinen eine andere Sprache) – auch in Deutschland. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir in Fremdsprachen kommunizieren müssen.

Hier entscheidet die Zielgruppe: Ist sie die internationale Community der Forscherkollegen, sollte der Fachartikel natürlich auf Englisch sein; ist sie die internationale Presse, dann ebenso; aber wer eine Pressemitteilung für deutsche Medien in Englisch versendet, darf sich nicht wundern, wenn er keine Rückmeldung bekommt. Natürlich sprechen und lesen die meisten Journalisten Englisch. Von ausländischen Institutionen und Forschern akzeptieren sie auch englische Texte. Doch innerhalb unserer Sprachgrenzen wäre dies eine Zumutung. Das hat etwas mit Service zu tun, aber auch mit sozialer Integration der Forschung. Schließlich wird von ausländischen Forschern und Studenten deswegen auch zu Recht gefordert, dass sie Deutsch lernen. Auch wenn die Tagung „Deutsch als Wissenschaftssprache“ zeigte, dass da an unseren Universitäten noch manches im Argen liegt.

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