Kann es sein? – Die letzte „Wissenswerte“?

Posted on 22. November 2011

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Beredes Schweigen der Politik: Das WPK-Jubiläum im ehrwürdigen Bremer Rathaussaal

Eigentlich wollten hier die Wissenschaftsjournalisten unter sich sein, miteinander austauschen, Probleme diskutieren, aber auch neue Chancen suchen. So begann vor sieben Jahren der Kongress der Wissenschaftsjournalisten „Wissenswerte“ in Bremen. Das „Klassentreffen“ ist inzwischen ordentlich gewachsen, durch professionelles Management der Messe Bremen und inhaltliche Konzeption der Initiative Wissenschaftsjournalismus wurde die „Wissenswerte“ zum absoluten Branchentreff – hier treffen sich über 500 Wissenschaftsjournalisten mit Wissenschafts-Kommunikatoren, hier finden E-Mail-Texte und Telefonstimmen zu den Gesichtern, die dahinter stecken: Ein Besuch der „Wissenswerte“ im November gehört zum Pflichtprogramm für Wissenschaftsjournalisten und Forschungssprecher.

Unverzichtbar? Es könnte sein, dass die Szene in Zukunft ohne die „Wissenswerte“ auskommen muss. Denn der Kongress mit Ausstellung kämpft ums Überleben. Es geht ums Geld. Wie dramatisch die Situation ist, zeigte sich gestern Abend beim Festakt zum 25jährigen Bestehen der Wissenschafts-Pressekonferenz. Bremens Wissenschaftssenatorin Renate Jürgens-Pieper erwähnte bei der Aufzählung der Wissenschaftshighlights in der Hansestadt die „Wissenswerte“ nicht, dabei ist sie ein wirkliches Bremer Highlight. Erst WPK-Vorsitzender Martin Schneider musste sie daran erinnern. Doch wie dann alle Festredner herausstrichen, dass es mit der „Wissenswerte“ unbedingt weitergehen müsse und werde – da hörten Zuhörer mit Erfahrung im Politiker-Sprech im Hintergrund schon das Totenglöcklein.

Szenetreff "Wissenswerte": Kontakte mit Liegestuhl-Arena und Twitter-Live.

Es wäre ein Verlust. Wirklich. Nicht nur für die Wissenschaftsjournalisten, sondern auch für die Wissenschaftskommunikation. Gefühlt die Hälfte der Besucher dieser Tagung sind Forschungssprecher von großen Organisationen, aber auch von kleinen Instituten. Für viele ist dies die einzige Chance im Jahr, die wichtigen Wissenschaftsjournalisten persönlich zu sprechen, Kontakte zu knüpfen oder aufzufrischen. Wer kann sich schon Rundreisen bei Redaktionen und freien Wissenschaftsjournalisten leisten?

Natürlich gibt es Möglichkeiten, die „Wissenswerte“ weiter zu entwickeln, etwa durch eine Öffnung zur Wissenschaftskommunikation, über das Themenfeld Presse und Journalisten hinaus. Man könnte den Kommunikatoren ein programmliches Zuhause zu bieten, vielleicht sogar eine Zusammenarbeit mit dem Forum Wissenschaftskommunikation von Wissenschaft im Dialog (WiD) eingehen.

Erste Schritte zur Öffnung wurden in diesem Jahr bereits getan: Mit Podiumsdiskussionen und Workshops zu Fragen wie „Was wünschen sich Journalisten von der Wissenschafts-PR“, „Wer spricht, wenn Wissenschafts spricht“, „Die Rolle der Reputation in der Wissenschaft“ oder „Wie bringe ich mein Thema in Wissenschaftsmagazine“ kamen Themen ins Programm aufgenommen, die auch für Forschungssprecher wichtig sind.

Ich denke, der beste Weg, die „Wissenswerte“ zu retten wäre es, wenn Veranstalter, Journalisten und etwa die Kommunikatoren der großen, wohlhabenden Wissenschaftsorganisationen sich einmal an einen Tisch setzen. Doch wer ergreift die Initiative? Freiwillige voran!

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