Vorsicht Falle: Selbstverständnis der Wissenschaftsjornalisten

Posted on 22. November 2011

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BMBF-Staatsekretär Thomas Rachel

Eigentlich hat die deutsche Sprache klare Regeln: Ein Fußball ist kein Fuß, sondern ein Ball. Und folglich ist ein Wissenschaftsjournalist kein Wissenschaftler mit besonderen Aufgaben, sondern ein Journalist, der sich in der Medienwelt bewähren muss, indem er nach besten journalistischen Kriterien unabhängig und kritisch berichtet. Das sollte jeder verinnerlichen, bevor er mit Wissenschaftsjournalisten spricht: jeder Forschungssprecher, jeder Wissenschaftler und jeder Politiker, ja ganz besonders ein Forschungspolitiker.

Umso peinlicher war es, als der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium Thomas Rachel gestern in Bremen der Wissenschaftspressekonferenz zu ihrem 25. Geburtstag gratulierte und dabei definierte: „Wissenschaftsjournalisten haben eine Übersetzerfunktion“. Sonst nannte er nichts. Sieht er darin wirklich die Rolle von Journalisten? Er müsste in Berlin mit Journalisten ganz seltsame Erfahrungen gemacht haben, wo doch jeder Wimpernschlag der Politiker kritisch beobachtet und ausgedeutet wird.

Noch sensibler trifft solch eine Feststellung Wissenschaftsjournalisten, die – zumindest die ernstzunehmenden Vertreter –  doch gerade dabei sind, sich aus der traditionellen Vereinnahmung als Dolmetscher für die Wissenschaftler zu lösen. Sie suchen vielmehr ihr Profil als kundige, kritische und unabhängige Beobachter des Forschungsbetriebs. Weiß der für Forschung zuständige Staatssekretär tatsächlich so wenig über die für seinen Bereich wichtigen Journalisten? Seine Beamten zumindest hatten ihm den Satz nicht ins Manuskript geschrieben. Wie auch immer, es spricht nicht gerade dafür, dass man im Raumschiff Hannoversche Straße zu Berlin die Realität der Wissenschaftswelt gut kennt.

Ein Forschungssprecher (er bleibt wegen der BMBF-Förderung seiner Organisation hier ungenannt) rückte die Dinge am nächsten Morgen wieder gerade: „Der Herr Staatssekretär soll seine Uhr einmal um zwanzig Jahre vorstellen.“

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