Best Practice – Journalisten-Dossiers online

Posted on 5. Dezember 2011

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Wer hat es noch nicht erlebt: Da ruft ein Journalist an und möchte etwas ganz spezielles wissen, was eventuell sogar politisch heikel ist. Oder ein Forscher hat ein Interview mit einem Journalisten verabredet, obwohl er ihn gar nicht kennt. Und möchte nun gern wissen „Was ist denn das für einer, kann ich ihm alles erzählen?“. Was tun? Im Internet sind Journalisten sehr zurückhaltend mit Informationen über sich selbst, vielleicht ein kurzer Lebenslauf, aber daraus lässt sich meist nicht schließen, wie kompetent er ist, ob er fair, wohlwollend schreibt oder kritisch, ob er die sensationelle Schlagzeile sucht oder den tatsächlichen Hintergrund. Man müsste Beiträge von ihm lesen, um einen Eindruck zu bekommen. Doch wer hat schon so ein Archiv?

Jetzt gibt es diese Sammlung, online natürlich, dafür kostenlos und umfassend, bis hin zu den aktuellsten Artikeln: The Newsroom List. Eine Sammlung von online-Beiträgen deutschsprachiger Journalisten (trotz des Namens), automatisch generiert und handgeprüft. Der Online-Nachrichtendienst „Newsroom“ des Salzburger Oberauer Verlags (Medium-Magazin, Wirtschaftsjournalist, Österreichischer Journalist) berichtete darüber. Leider wurde nicht ganz klar, ob die Namensgleichheit auch eine wirtschaftliche Verwandtschaft bedeutet. Die Newsroom-Liste enthält derzeit Beiträge von rund 5.000 Journalisten aus allen Feldern. Wissenschaftsjournalisten sind noch nicht groß vertreten, aber die kennen Forschungssprecher ja oft ohnehin.

Geschaffen hat das nützliche Werkzeug der 24-jährige Journalistikstudent (TU Dortmund) Nils Glück, der dank seiner Programmierkenntnisse einen Nachrichtenaggregator schuf und ihn alle gefundenen Artikel nach Autoren auswerten lässt. Zusätzlich können sich Journalisten akkreditieren und ihr Profil einstellen. Das Design ist äußerst nüchtern, aber funktionell. Nils Glück rechtfertigt sein Projekt mit den Worten: „Journalisten haben eine verantwortungsvolle öffentliche Aufgabe. Deshalb sollten sie sich in der Öffentlichkeit für das verantworten, was sie veröffentlichen. Wir stellen dafür den Lesestoff zusammen, sorgen für mehr Transparenz in der Öffentlichkeit und in den Redaktionen.“

Und mehr Transparenz für Kommunikationsabteilungen, für die dies ein wertvoller Fundus ist. Übrigens: Nils Glück hat auch einen lesenswerten Blog zu Online-Medien. Wussten Sie etwa, dass im Internet vor allem Männer als Autoren unterwegs sind?

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