Das Live-Projekt, Teil 5 – Das erste Missverständnis

Posted on 22. Mai 2012

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Christian Reinboth, Mitgründer von HarzOptics

Christian Reinboth, Mitgründer von HarzOptics

LEDs in Rot, Grün, Blau. Identische Farben sind die Spezialität von HarzOptics. Foto: Wikipedia.

Sehr geehrter Herr Korbmann,
mit großem Interesse und einigem Erkenntnisgewinn habe ich Ihre Ausführungen zur Bedeutung der Innen- und Außensicht gelesen – dafür vielen Dank. „Hängengeblieben“ bin ich dann allerdings beim Punkt „Produktion von LEDs“ in Ihrem Entwurf der Profildefinition. Hier habe ich mich über mich selbst geärgert, da es mir offenbar nicht richtig gelungen ist, Ihnen ein klares Bild von dem zu vermitteln, was wir im Bereich der LED-Selektion eigentlich tun. Für mich ein deutliches Zeichen dafür, dass wir genau das an anderer Stelle vermutlich auch nicht richtig – oder zumindest nicht optimal – kommunizieren. Ich versuche mich daher mal – wo, wenn nicht hier? – an einer etwas unorthodoxen Darstellung und hoffe, damit diesmal besser auf den Punkt zu kommen.

Seitenlichtfasern bei HarzOptics.

Nehmen wir einmal an, Sie wären für ein Unternehmen tätig, welches LED-Leisten für die indirekte Beleuchtung etwa von Treppenstufen in Hotels herstellt. Die LEDs produzieren Sie dabei natürlich nicht selbst, sondern kaufen sie günstig auf dem asiatischen Markt ein. Einer Ihrer Hotelkunden wünscht sich nun – vielleicht passend zur Corporate Identity – eine dezente lindgrüne Ambiente-Beleuchtung mittels LED-Leisten im Treppenhaus. Nun entsteht für Sie folgendes Problem: Zwar können Sie hellgrüne LEDs günstig in rauen Mengen kaufen, allerdings kommt es bei diesen leider produktionsbedingt zu Schwankungen im Hinblick auf ihre Intensität/Helligkeit sowie auch im Hinblick auf ihren Farbort, d.h. die exakte Farbe des abgegebenen Lichts.

In der Praxis führt dies nun dazu, dass Sie immer wieder Beleuchtungselemente herstellen, in denen der Durchschnittsbeobachter visuelle Abweichungen, d.h. wechselnde Grüntöne und/oder sich verändernde Helligkeiten wahrnehmen kann, wodurch das schöne Beleuchtungselement deutlich weniger ästhetisch und auch professionell wirkt. Was Sie nun also benötigen, ist ein Dienstleister, welcher die von Ihnen eingekauften LEDs vermessen und so sortieren kann, dass sie abgepackte Gruppen von LEDs zurückbekommen, die Sie ohne Bedenken in Beleuchtungselementen verbauen können, weil Sie sich sicher sein dürfen, dass Farborte und Intensitäten innerhalb dieser Gruppen so dicht beieinander liegen, dass das menschliche Auge keine störenden Unterschiede mehr erkennen kann. Im konkreten Beispiel würde dies etwa so ablaufen, dass wir von Ihnen 10.000 LEDs geschickt bekommen und Ihnen dann einige Tage später beispielsweise vier Chargen mit je 1.000 LEDs sowie drei Chargen mit je 2.000 LEDs zurücksenden würden (minus ein paar LEDs, die gänzlich außerhalb des benötigten Spektralbereiches liegen oder anderweitig defekt waren). Die LEDs innerhalb einer solchen Charge könnten Sie dann getrost „in Serie“ verbauen, ohne dass Sie mit wahrnehmbaren visuellen Schwankungen rechnen müssten.

Alleinstellungsmerkmal automatisiertes Messsystem.

So in etwa läuft diese spezifische Dienstleistung ab. Das Ganze ist weniger trivial, als es vielleicht zunächst klingt, da das Selektionskriterium (die Wahrnehmung des abgegebenen Lichts durch den Menschen) recht komplex ist – und man Elemente, in denen derartige Abweichungen auftreten, in vielen Bereichen wirklich nicht mehr einsetzen kann. Mit der eigentlichen Produktion von LEDs hat die Sache dennoch wenig zu tun – und allein dass dieser Eindruck entstehen konnte, zeigt schon, dass wir unsere Außenkommunikation in dieser Hinsicht noch verbessern müssen. Der Nutzen für die Kunden besteht in diesem Falle also nicht darin, dass wir die Produktion von farbidentischen LEDs unterstützen, sondern dass wir vielmehr für Unternehmen, die LEDs verbauen, diese in farblich homogene Gruppen aufteilen können, so dass sie von uns quasi das bekommen, was ihnen der Hersteller nicht liefern kann – nämlich garantiert farbidentische LEDs, die etwa in Reihe geschaltet werden können, ohne dass es zu Abweichungen in der visuellen Wahrnehmung kommt. Mit den beiden anderen Elementen der Profildefinition würde ich dagegen voll d’accord gehen…

Aber da war ja noch mehr – nämlich die Frage, inwieweit das Breitband-Thema  zu unserem sonstigen Portfolio passt sowie die ebenfalls berechtigte Frage, ob für uns der Unternehmensstatus oder der Status als An-Institut einer Hochschule in der Außendarstellung die größere Bedeutung hat.

Die erste dieser beiden Fragen kann kurz und knapp beantwortet werden: Das Thema Breitband passt dann in unser sonstiges Portfolio, wenn man berücksichtigt, dass einer unserer fachlichen Schwerpunkte die optische Nachrichten- und Kommunikationstechnik ist, worunter etwa auch die Breitband-Übertragung mittels Glasfasern oder die In-Haus-Vernetzung mit Lichtwellenleitern wie der POF (Polymeroptische Faser) gehören. Zudem haben wir mit Prof. Ulrich Fischer-Hirchert als unserem „Gründungsprofessor“ einen Experten für Kommunikationstechnik an der Spitze unseres An-Instituts, so dass die Breitband-Beratung durchaus auf unserer „fachlichen Wellenlänge“ liegt. Mit den darüber hinaus von uns angebotenen Dienstleistungen und Produkten haben diese Beratungsleistungen aber in der Tat eher wenig zu tun, so dass das Thema zumindest von außen betrachtet etwas fremd ist.

Im Hinblick auf unsere Außendarstellung ist uns – um auf die letzte Frage zu kommen – unser Status als An-Institut einer Hochschule wichtiger als unser Status als GmbH. Alle HarzOptics-Mitarbeiter sind – da traue ich mir mal eine Antwort auch für meine Kollegen zu – in erster Linie Wissenschaftler und erst in zweiter Linie Geschäftsleute. Wir bringen uns als Lehrbeauftragte aktiv in die Lehre an „unserer“ Hochschule ein, publizieren jedes Jahr auf wissenschaftlichen Konferenzen und in Journalen und sind stets auf der Suche nach spannenden Forschungsaufträgen. Unser Know-How stellen wir als Forschungsdienstleister Auftraggebern aus Wirtschaft und Verwaltung sehr gerne zur Verfügung – bleiben aber in erster Linie in der Wissenschaft verwurzelt. Die Frage, ob wir nicht statt von der HarzOptics GmbH besser öfter nur von HarzOptics sprechen sollten, stellt sich daher in der Tat – dass ich die GmbH so betone, ist eher den Vorgaben für Pflichtangaben auf Geschäftsbriefen und anderen Formen der geschäftlichen Kommunikation geschuldet; darüber hinaus würde sich mir als Leser stets die Frage stellen: „HarzOptics was?“. Eventuell sollten wir aber auch hier umdenken.

Soweit erst einmal von meiner Seite – Ihren weiteren Ausführungen zu Zielgruppen, Botschaften und kommunikativen Ressourcen sehe ich natürlich mit Spannung entgegen.

Mit Grüßen aus Wernigerode
Christian Reinboth

Die Antwort kommt am nächsten Dienstag im „Das Live-Projekt, Teil 6 – Von der Formulierung zur Entscheidung“