Der Ereignisblog – das Zweitbeste nach dem Selbstdabeisein

Posted on 19. September 2012

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Musik, Gehirn und Geist – Blick auf den Tisch eines Referenten der GDNÄ-Tagung. (Bild: Christoph von Mohl)

Wie oft habe ich schon das Dilemma erlebt: Da gibt es eine wichtige Pressekonferenz, eine interessante Tagung oder auch nur einen vom Thema aufregenden Vortrag auf einer Konferenz, aber leider überschneidet sich der Termin – mit irgendetwas Unaufschiebbarem, oder aber der Aufwand, dorthin zu fahren, die ganze Zeit nicht am Platz zu sein, die Arbeit, die liegen bleibt, der Stress danach um alles wieder aufzuholen, die Reise, die Kosten und … und … und… –  und am Ende weiß man nicht, ob sich die Erwartungen auch wirklich erfüllen. Das bringt es oft einfach nicht.

Jeder Kommunikator kennt auch den Effekt, dass etwa 90 Prozent von denen, die zu einer hochkarätigen Tagung oder zu einem Presseseminar eingeladen werden, nicht kommen. Sollen sie ganz ohne Information bleiben? Sollen sie abgeschnitten sein von den inhaltsreichen Vorträgen, von der Atmosphäre außenherum, von den Persönlichkeiten und was sonst den Reiz einer Tagung noch ausmacht? Vielleicht überzeugt das Reinschnuppern im Netz sie davon, dass sie beim nächsten Mal unbedingt dabei sein müssen.

Das Internet wäre die Lösung – ein Livestream von der Konferenz, von den Vorträgen. Doch Livestreams sind oft tödlich langweilig, bestenfalls etwas für Spezialisten, und dann verpasst man im Gewühle zu Hause auch noch den richtigen Zeitpunkt, sich einzuloggen. Und hinterher kommt das entnervte „Ach verflixt noch mal, wäre ich doch hingegangen“.

Ich vermute, vielen anderen geht es auch oft so. Ein Blog kann da ein gutes Mittel sein, das habe ich jetzt erfahren, bei der großen Tagung der GDNÄ – Die Wissensgesellschaft (Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte). Zugegeben, ich mache – noch – die Pressearbeit für die GDNÄ und bin daher wohl nicht ganz unparteiisch, aber der Tagungsblog der GDNÄ  zur Tagung „Gesellschaft braucht Wissenschaft – Wissenschaft braucht Gesellschaft“ in Göttingen ist – durch spezielle Umstände – nicht unter meiner Verantwortung entstanden. Daher kann ich unabhänngig und kritisch dazu Stellung nehmen. Zum Beispiel würde ich das grafische Design, das mangelhafte Marketing für den Blog, die seltene Verlinkung vom Twitter-Auftritt der GDNÄ, aber auch die unnötig komplexe URL und die mangelnde Sichtbarkeit in Göttingen deutlich kritisieren.

Für mich ist dieser Blog aber dennoch ein Musterbeispiel, wie man mit einfachen Mitteln eine Tagung für all die Daheimgebliebenen zu einer abwechslungsreichen Lese- und Mithörreise im Internet gestalten kann. Vor allem aber ist so ein Blog auch für die Teilnehmer, die vor Ort waren, ein spannender Platz zum Nachlesen, zum sich erinnern, zum kommentieren und diskutieren, auch dann, wenn sie wieder zu Hause sind. Man braucht dazu nicht mehr als zwei engagierte Leute, bei der GDNÄ waren dies Jens Bemme und als Fotograf/Kameramann Marco Dzillas aus Dresden. Vom Programm der Tagung angefangen über Restauranttipps für die Teilnehmer bis hin zu Video-Statements der wichtigsten Sitzungsleiter, Video-Interviews mit Teilnehmern und Schülern, die bei der Tagung dabei sein konnten. Dazwischen inhaltliche Meldungen aus den Vorträgen und Diskussionen, Vortragsfolien der wichtigsten Referenten (eingebunden über Slideshare). Entscheidend dafür, dass dies alles so klappt ist die Vorbereitung. Und das vorab Durchdenken der Möglichkeitehn, die sich zur unterhaltsamen und informativen Darstellung einer solchen Tagung bieten. Aber dafür braucht es vor allem das Engagement der Beteiligten.

Wenn man nach neuen Werkzeugen zur Kommunikation sucht, dann ist dies ein Weg. Vor allem eben um Tagungen oder auch kürzere Symposien zu transportieren. Noch frecher wird es vielleicht, wenn man junge Nachwuchsjournalisten ranlässt und ihnen die nötige Freiheit gibt. Ein Beispiel dazu habe ich im Web gefunden. Es geht um die letzte Funkausstellung in Berlin. Die Fraunhofer Lehrredaktion in Erlangen hat da einen – höchst erfolgreichen – Vorstoß gemacht: Der TecWatch-Blog zur IFA 2012. Allein der Abschiedsfilm (gleich oben auf der Seite) zeigt, wie frech man an Technik und Wissenschaft rangehen kann. Das mag manchen Professoren wehtun, der Kommunikation tut es gut.

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