Das Live-Projekt, Teil 14 – Die ersten Projekte

Posted on 9. Oktober 2012

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Christian Reinboth, Mitgründer von HarzOptics

Geschäftsfeld Beratung – Computersimulation der Straßenbeleuchtung mit LED-Lampen.

Lieber Herr Korbmann, Sie haben aufgrund des Ausbleibens neuer Artikel für unser Projekt sowie auch der relativen Funkstille in unserem Instituts-Blog sicher bereits vermutet, dass das Sommerloch auch meine Kollegen und mich voll erwischt hat, wobei in meinem Fall Urlaub und Umzug ein Übriges dazu taten. Nachdem nun aber Urlaub sowie auch Umzug überwunden sind und ich mich endlich wieder voll und ganz der Arbeit widmen kann, möchte ich im Nachgang zu unserem Treffen in Wernigerode den Faden unseres Live-Projektes sehr gerne wieder aufgreifen.

Seitenlichtfasern

Lichtfasern als Beleuchtung der Zukunft – Forschung für die Anwendung: HarzOptics will dies professionell kommunizieren.

In Ihrer letzten E-Mail an mich hatten Sie sich erkundigt, ob bei HarzOptics in naher Zukunft neue Projekte bzw. Produkteinführungen geplant sind, die man quasi als Beispiel für die „Öffentlichkeitsarbeit am offenen Herzen“ aufgreifen könnte. Hier fallen mit insbesondere zwei Projekte ein, die sich langsam aber sicher der Marktreife annähern und um deren Darstellung in der Presse bzw. deren Bewerbung meine Kollegen und ich uns in den kommenden Monaten zu kümmern haben werden.

Das weniger erklärungsbedürftige dieser beiden Projekte ist unser Fernlehrgang „Technische Optik“. Da die Kollegen und ich aufgrund des An-Instituts-Status unserer GmbH aktiv in die Lehre an der Hochschule Harz eingebunden sind, kam uns schon 2009 der Gedanke, das HarzOptics-Leistungsportfolio um diverse Fernlehrangebote zu erweitern. Dabei wollten wir mit der Umsetzung der Vorlesungen in technischer Optik unseres Institutsleiters Prof. Ulrich Fischer-Hirchert in Fernlehrgangs-Form beginnen – und waren in unserer (in der Rückschau erheblichen) Naivität tatsächlich der Ansicht, etwa einen anspruchsvollen Lehrgang pro Jahr quasi „nebenbei“ umsetzen zu können.

Spiritus Rector: Prof. Ulrich Fischer-Hirchert

Tatsächlich hat die Fertigstellung allein dieses ersten Lehrgangs nun gute zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen – dafür sind wir uns jetzt aber auch sehr sicher, ein qualitativ hochwertiges Angebot in der Hand zu haben, das sich insbesondere an Vertriebsleute wenden wird, die sich mit den Grundlagen der optischen Nachrichtentechnik befassen wollen, aber auch an Ingenieure anderer Fachrichtungen, die einen wissenschaftlich fundierten Einstieg in neue Aufgabengebiete suchen. Derzeit werden unsere Lehrmaterialien durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht geprüft und – hoffentlich – in den kommenden Wochen offiziell zugelassen, so dass wir dann einen staatlich geprüften Abschluss anbieten können. Neben der bereits existierenden Lehrgangswebseite, die wir in unseren bisherigen Überlegungen als Hauptinstrument für die Ansprache von Lehrgangsinteressenten ausgemacht haben, planen wir darüber hinaus auch, diesen ersten deutschsprachigen Fernlehrgang für das Thema technische Optik über Pressearbeit (Pressemitteilungen, ggf. Inserate in der Fachpresse der Zielgruppe) zu vermarkten.

Neben dem Optik-Fernlehrgang wird meine Kollegen und mich in den kommenden Monaten noch eine weitere Markteinführung beschäftigen. Gemeinsam mit mehreren anderen Partnern waren wir von Ende 2010 bis Anfang 2012 an einem ZIM-KOOP-Forschungsprojekt unter dem Namen AUBELE (ein Akronym für „Autarke Beleuchtung“) beteiligt. Ziel dieses Projektes war es, ein besonders energieeffizientes LED-Außenbeleuchtungssystem zu entwickeln, welches autark über eine Wasserstoff-Brennstoffzelle mit optional zuschaltbarer Solarzelle versorgt werden kann. Ein solches Beleuchtungssystem könnte überall dort zum Einsatz kommen, wo keine kabelgebundene Stromversorgung verfügbar ist, wie etwa an abgelegenen Bushaltestellen oder an Wanderbaustellen.

Mit Abschluss des Projektes konnte ein voll funktionsfähiger Prototyp fertiggestellt werden, bei dem jedoch aufgrund unerwarteter Mehrkosten bei der Wasserstoff-Brennstoffversorgung derzeit noch offen ist, ob die gemeinsame Markteinführung durch alle Partner gelingt. Unabhängig von diesem speziellen Nischenprojekt planen wir bei HarzOptics, die von uns im Rahmen von AUBELE entwickelte Leuchte als Standalone-LED-Straßenlampe zur Marktreife weiterzuentwickeln. Die ersten Prototypen funktionieren bereits sehr gut, so dass die Markteinführung wohl Anfang 2013 stattfinden kann.

Hier beschäftigt uns derzeit noch die Frage, welches Alleinstellungsmerkmal diese Standalone-Lampe auszeichnen könnte. Im Verbund mit der AUBELE-Wasserstoff-Anbindung ist dies – ganz klar – die autarke Energieversorgung. Als Standalone-Produkt fällt dieses Merkmal jedoch weg, übrig bleibt eine sehr sparsame und insektenfreundliche LED-Lampe, die allerdings weder im Hinblick auf ihre technischen Parameter noch auf den Preis signifikant besser (aber auch nicht signifikant schlechter) als das sein dürfte, was andere Unternehmen bereits am Markt vertreiben. Was wir allerdings ergänzend anbieten können, ist unser fachliches Know-How in Sachen Lichtökologie und Lichtverschmutzung.

Ohne an dieser Stelle zu tief in die Thematik einsteigen zu wollen, versteht man unter Lichtsmog oder Lichtverschmutzung die übermäßige nächtliche Beleuchtung mit allen sich daraus ergebenden negativen Folgen: Überflüssiger Energieverbrauch (der sowohl Steuergelder kostet als auch zum Klimawandel beiträgt), millionenfach in Lampen getötete Insekten, verwirrte Zugvögel und andere geschädigte nachtaktive Lebewesen sowie natürlich die schwindende Sicht auf den nächtlichen Sternenhimmel. All diese Probleme werden maßgeblich durch übermäßige und technisch ineffiziente Beleuchtung (man denke etwa an Bodenleuchten oder Kugelleuchten) hervorgerufen, wobei sich durch die LED-Technik erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten ergeben, da LEDs nicht nur energieffizienter sind, sondern auch deutlich weniger anziehend auf Insekten wirken und sich zudem besser fokussieren sowie auch stufenlos dimmen lassen, wodurch neue und situativ angepasste Beleuchtungskonzepte möglich werden.

An der Hochschule Harz sowie bei der HarzOptics GmbH befassen wir uns bereits seit mehreren Jahren mit dem Thema Lichtverschmutzung (das kürzlich durch die Einrichtung des Forschungsverbands „Verlust der Nacht“ durch das BMBF deutlich an Attraktivität gewonnen hat), wobei wir uns unter anderem mit der quantitativen Messung von Lichtverschmutzung sowie der Konstruktion von lichtverschmutzungsarmen Leuchten beschäftigt haben und in dieser Richtung auch einige Veröffentlichungen vorweisen können. Darüber hinaus bieten wir die Erstellung professioneller 3D-Beleuchtungssimulationen auf Basis der frei erhältlichen Software DIALux an. Mit Hilfe derartiger Simulationen können Städte und Kommunen Beleuchtung bedarfsgerecht, energieeffizient und ökologisch verträglich planen.

Sinnvoll erscheint uns nun eine Kombination dieses Know-Hows mit dem sich in der Endentwicklung befindlichen LED-Lampensystem zu einem Gesamtpaket, wobei uns noch nicht klar ist, ob wir den zukünftigen Schwerpunkt eher auf die Hardware (Bau und Verkauf von LED-Straßenlampen) oder auf die Dienstleistung (Erarbeitung intelligenter und lichtverschmutzungsarmer Beleuchtungskonzepte) legen wollen. Ich persönlich tendiere eher zum Dienstleistungsbereich, wobei es auch hier sicher nicht schaden kann, eigene Expertise in der Lampenfertigung sowie entsprechende Hardware in der Hinterhand zu haben…

Soweit erst mal die Übersicht unserer anstehenden Markteinführungen. Sowohl der Fernlehrgang als auch die LED-Straßenlampe bzw. die Kombination von LED-Straßenlampe und entsprechenden lichtplanerischen Dienstleistungen werden aller Voraussicht nach in den kommenden Monaten von uns am Markt eingeführt werden – und für beide Projekte ist unsererseits noch eine Menge an Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vorzubereiten – von Webseiten über Pressemitteilungen bis hin zu einer Presse- und Werbestrategie. Grundsätzlich wäre es also möglich, sich im Rahmen des Live-Projektes mit der Einführung eines (oder beider ?) Produkte näher zu befassen – unter Umständen ist so eine aktuelle Herausforderung für den geneigten Leser ja eher von Interesse als eine rein theoretische Betrachtung von Fragen der Öffentlichkeitsarbeit in An- und In-Instituten. Außerdem – und hier spreche ich mal aus gesundem Selbstinteresse – sind dies natürlich die beiden Projekte, die auch mich und meine Kollegen derzeit am meisten beschäftigen und bei denen uns jeder versierte Rat herzlich willkommen wäre…

Mit freundlichen Grüßen

Christian Reinboth

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