Drei Identifikationsfiguren – Die Forschungssprecher des Jahres 2012

Posted on 17. Oktober 2012

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Die Leser der Zeitschrift „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ haben entschieden: Die Forschungssprecher des Jahres 2012 sind gewählt. Rudolf-Werner Dreier, Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Universität Freiburg (in der Kategorie Forschungsinstitute und Hochschulen), Marco Finetti, Leiter des Bereichs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) (Kategorie Forschungsorganisationen und Stiftungen), und Christian Böhme, Senior Manager Corporate Media Relations der BASF SE (Industrie und andere Unternehmen) werden als beste Forschungssprecher ausgezeichnet. Aufgerufen zu der Wahl waren rund 700 Medizin- und Wissenschaftsjournalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wer Genaueres wissen will, findet eine PDF-Ausgabe des heute erschienenen „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ hier. Gedruckt ist alles natürlich noch viel schöner, da muss man den „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ beim Oberauer-Medienfachverlag bestellen und warten bis die Post den Versandweg geschafft hat.

„Medizin&Wissenschaftsjournalist“ 2/2012.

Übrigens: In diesem Jahr wurden zum ersten Mal die Forschungssprecher auch online gewählt – und getrennt ausgewertet. Die Ergebnisse unterschieden sich meist nur in Nachkommastellen der Durchschnittsnote von denen der direkten E-Mail-Befragung. Und sind doch anders. Allerdings haben wir auch die Schwächen der Online-Wahl erlebt, etwa Kampagnen zugunsten einzelner Kandidaten. Die Sieger der inoffiziellen Online-Wahl: Jens Wucherpfennig, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt in Göttingen(Institute und Hochschulen), Michael Sonnabend vom Stifterverband  für die Deutsche Wissenschaft in Essen (Forschungsorganisationen und Stiftungen) sowie Tore Prang, Leiter der Unternehmenskommunikation Airbus Deutschland (Industrie und andere Unternehmen).

Antwort auf eine nie gestellte Frage

Wie Sie alle vielleicht wissen, bin ich Chefredakteur des „Medizin&Wissenschaftsjournalist“, der die Forschungssprecher des Jahres wählen lässt. Mir wurden schon viele Fragen zu der Wahl gestellt. (Am häufigsten übrigens: Wie habe ich denn abgeschnitten?– Sie bleibt unbeantwortet.) Eine allerdings noch nie: Warum wählt Ihr überhaupt die Forschungssprecher des Jahres?

Forschungssprecher: ein Berufsstand braucht Bewusstsein.

Nun, ich will diese nie gestellte Frage beantworten, denn sie ist sicher essentiell: Als wir vor fünf Jahren damit begannen, die Forschungssprecher des Jahres wählen zu lassen (es war eine ziemlich lange Vorbereitung), war dieser Berufsstand ein lose versprengter Haufen von Leuten, die sich meist mit Dingen herumschlagen mussten, die sie nie gelernt hatten. Niemand wusste sehr viel von den anderen, denen es genau so ging, die die gleichen Probleme hatten. Kaum jemand konnte von Erfahrungen anderer profitieren, wusste was gut oder weniger gut für die Wissenschaftskommunikation ist. Wir hatten erkannt, wichtig professionelle Wissenschaftskommunikation ist – nicht nur für die Journalisten, sondern vor allem für die Stellung der Wissenschaft in der Gesellschaft. Voraussetzung, um dafür etwas zu tun aber ist, dass sich der Berufsstand überhaupt als Berufsstand begreift, dass er Identifikationsfiguren bekommt, und dass er Anerkennung im eigenen Hause findet, dass sein Stellenwert bei den Kollegen und in der ganzen internen Hierarchie steigt. Was kann man als Zeitschrift ohne großes Budget da tun? Uns fiel ein: die Wahl zum Forschungssprecher des Jahres.

Die Forschungssprecher 2011- Auszeichnung in Bremen.

Da kann man nun viele Einwände haben, ob die Kriterien die richtigen sind, ob Journalisten die richtigen Wähler sind, wie die Stimmen ausgewertet werden, ob die Abstimmungen repräsentativ sind, ob … ob … ob… Wenn man aber sieht, welche Reaktionen die Wahl auslöst, wie sich die Gewählten jedes Jahr über die Nachricht freuen, wie sich Sprecher hochrenommierter Institutionen danach erkundigen, wie sie selbst denn abgeschnitten haben, wenn eine Preisträgerin aus einem riesigen Industriekonzern berichtet, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine persönliche E-Mail ihres Vorstandsvorsitzenden als Glückwunsch bekommen hat, wenn mir ein Institutsvorstand stolz erzählt, er persönlich hätte eine andere Forschungssprecherin des Jahres eingestellt – dann erkennt man doch, dass wir ein bisschen etwas in die richtige Richtung bewegen.

Bei der „Wissenswerte“ in Bremen (der Termin steht noch nicht fest, voraussichtlich am Vormittag des 27. November) werden den drei Forschungssprechern des Jahres 2012 ihre Auszeichnung feierlich überreicht. Wer in Bremen ist, ist herzlich dazu eingeladen.  Raum und genaue Uhrzeit werden durch Aushänge bekanntgegeben, sind vorher aber auch schon hier im Blog als Kommentar zu diesem Post zu finden.