Stichwort „Marketing“ – Wissenschaftskommunikation spricht über Konzepte

Posted on 4. Dezember 2012

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Das Forum Wissenschaftskommunikation in Dresden - Erste Schritte zu Konzepten

Das Forum Wissenschaftskommunikation in Dresden – Erste Schritte zu Konzepten

Reiner_Blog_miniMan soll nicht nur meckern. Deshalb heute ein positiver (aber noch nicht euphorischer) Blog: Das Forum Wissenschaftskommunikation, jedes Jahr Pflichtveranstaltung für alle, die Wissenschaftskommunikation ernst nehmen, beginnt professionell zu werden. Schon der erste Nachmittag war vielversprechend, jedenfalls nach den Vortragstiteln (leider hinderte mich ein Schneesturm in Luxemburg, rechtzeitig mit dem Flieger von München nach Dresden zu kommen, um selbst zuzuhören). Doch der zweite Tag setzte den professionellen Trend fort.

Aber der Reihe nach: „Strategie und Marketing in der Wissenschaftskommunikation“, so lautete bereits der Titel des Einführungsvortrags für das 5. Forum Wissenschaftskommunikation von Wissenschaft im Dialog, das dieses Jahr in Dresden stattfindet. Mehr Provokation kann kaum sein, gilt doch für viele Wissenschaftler das Wort „Marketing“ als Unwort – genauso wie „Management“ – denn Wissenschaft braucht man nicht „verkaufen“, meinen sie, vielmehr beglücken sie die Welt mit ihren Erkenntnissen und Leistungen. Entsprechend groß war beispielsweise der Aufschrei, als Dr. Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband vor kurzem in einem Gastbeitrag in diesem Blog nach 13 Jahren PUSH-Initiative bilanzierte, im Grunde sei bisher alles Wissenschaftsmarketing gewesen. Und Vorschläge machte, wie man in Zukunft in Richtung Kommunikation weitergehen kann.

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Dr. Helga Huskamp

Und am zweiten Tag legte in Dresden gleich eine Profi nach (wie ist eigentlich die weibliche Form von Profi??): Dr. Helga Huskamp, Leiterin für Marketing der privaten Makromedia-Fachhochschule. Sie sprach davon, dass Marketing keineswegs gleichzusetzen sei mit Werbung, Verkaufen oder Geld – und was Wissenschaftler so gern mit dem berühmten „Machen Sie mal“ an Ihre Öffentlichkeitsarbeiter delegieren. Marketing, so Helga Huskamp, sei vielmehr ein ständiger Prozess und eine Haltung. Es geht darum, das eigene Tun aus der Sicht des Marktes zu betrachten, in dem man sich bewegt: „Marketing ist ein Denkprozess.“ Oder eine andere Provokation: „Eine Hochschule ist nicht Malboro, aber die Instrumente des Marketings sind identisch.“ Es fehlt hier der Raum, ihre hervorragende Erklärungen, weshalb Marketing und Wissenschaft zusammenpassen, ausführlich zu berichten. Wichtig war, den vielen Forschungssprechern im Saal konnte deutlich werden, dass dies keineswegs ein Thema fernab ihrer eigenen Tätigkeit ist, sondern ein Kernbereich der Kommunikation, bei dem es vor allem um Eines geht: Eine Botschaft auf den unterschiedlichsten Kanälen mit klarem Konzept zu kommunizieren, und zwar nach Innen wie nach Außen, zu Kollegen, Mitarbeitern und Forschungspartnern ebenso wie in die breite Öffentlichkeit oder zu anderen Zielgruppen. Das war wirklich eine Anregung, Konzepte zu entwickeln, mit Konzept zu arbeiten und gezielt die eine Botschaft durch eigenes Verhalten zu untermauern. Das war für mich die wichtigste Botschaft der Marketing-Frau.

Dresden - Tagungsort für die Forschungssprecher im Jahr 2012

Dresden – Tagungsort für die Forschungssprecher im Jahr 2012 (Foto: Anja Upmeier)

Und noch ein zweites Signal bestimmte den zweiten Tag des Forums Wissenschaftskommunikation: Da sprach doch tatsächlich eine Forschungspressesprecherin aus der Industrie, Julia Duwe von der Festo AG&Co KG, einem Spezialisten für Industrieautomatisierung. Deutet sich da ein vielversprechender Trend ab? Wissenschaftskommunikation lernt nicht mehr (nur) von der Wissenschaft, sondern von anderen gesellschaftlichen Bereichen, die intensiv kommunizieren. Dieser Weg wird wahrscheinlich sehr viel schneller sein sowie praxisorientierter und schneller funktionieren, als wenn man auf die Kommunikationswissenschaften wartet, dass sie Rezepte für eine gute und professionelle Wissenschaftskommunikation liefern. Auch Julia Duwe machte deutlich, dass Kommunikation für Forschung in erster Linie eine Managementaufgabe ist, nicht das

Sandra Duwe

Julia Duwe

Formulieren von Pressemitteilungen. Von Pressemeldungen sprach sie in ihrem Vortrag mit keinem Wort (erst auf Nachfrage gestand sie ein, dass sie die natürlich auch formuliert, wie früher, als sie noch bei öffentlichen Forschungsinstituten arbeitete) dies scheint eher Nebensache zu sein. Im Mittelpunkt des Denkens stehen bei ihr Konzepte für Projekte, Botschaften, Themen und die vielfältigen Instrumente, mit denen sie an die Zielgruppen gebracht werden. Da geht es darum, einen Bionik-Zirkel zu organisieren, mit Schülern und Forschungspartnern, oder einen Wettbewerb, der nach Ideen zur Nutzung eines neuen Transportprozesses sucht, oder Bewerbungen für Preise und Auszeichnungen Jury-gerecht gemeinsam mit den Forschern und externen Partnern zu formulieren. Ihr geht es vor allem darum, Zusammenarbeit zu organisieren, gerade auch mit der Forschung in Industrie und öffentlichen Institutionen. Wohl deshalb betont sie die Gemeinsamkeiten, obwohl in ihrem Vortrag – gerade im Unterschied zum danach folgenden – die Vorgehensweisen so ganz unterschiedlich dargestellt wurden.

Nach Julia Duwe sprach in Dresden Anne Glück, die das Netzwerk Teilchenwelt betreut. Sie organisiert an der TU Dresden Schülerworkshops für ein bundesweites Netzwerk der Elementarteilchenphysik. Statt um die Entwicklung von Botschaften und didaktischen Ideen, ging es bei ihr um Strukturen und Fortbildungspyramiden. Immerhin 4000 Schüler und 500 Lehrer werden so jedes Jahr erreicht, sicher viele davon für die pysikalische Grundlagenforschung fasziniert, am Ende aber geht es um Personalwerbung für Forschernachwuchs – eben Wissenschaftskommunikation wie gehabt. Schön dass es so etwas gibt, aber bedeutet es mehr als ein Best Practice-Beispiel?

Mal sehen, das 5. Forum Wissenschaftskommunikation hat gerade erst begonnen. Der Auftakt war vielversprechend, ein Rückfall in alte Zeiten mit endlosen, scheinbar zufällig hintereinandergereihten Beispiel-Präsentationen ist letztendlich zu verschmerzen: Der Fortschritt besteht schließlich aus vielen kleinen Schritten.

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