Ein Blog nackt – Die Bilanz 2012 von „Wissenschaft kommuniziert“

Posted on 8. Januar 2013

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Wordle_Bilanz2012_klein

Wordle aus den Überschriften des Jahres 2012

Reiner_Blog_miniGute Traditionen soll man fortsetzen, ganz besonders wenn sie einen Sinn haben. „Wissenschaft kommuniziert“ ist zwar erst 13 Monate online, doch wir setzten den guten Brauch fort, zum Jahresanfang „die Hosen herunterzulassen“, wie man so sagt, also offen über die Statistik des Vorjahres zu reden. Dies soll Ausdruck unserer Offenheit sein, zum Nutzen der Leser und der Wissenschaftskommunikation – und als Vorbild für andere Blogs.

Beginnen wir mit den Zahlen: Im Jahr 2012 hat „Wissenschaft kommuniziert 57 Blogposts veröffentlicht, also mehr als jede Woche einen, und exakt 25.430 Seitenaufrufe wurden registriert, über 2.000 pro Monat. Wir sind ein kleiner Blog – wie vor kurzem ein Kommentator bei einem der Kandidaten zum Wissenschaftsblog des Jahres schrieb. Zweifellos, aber wir haben uns auch ein Nischenthema vorgenommen: Wissenschaftskommunikation – das in der breiten Öffentlichkeit niemanden und selbst in der Wissenschaft (außer in Festreden) kaum jemanden interessiert. Warum ich dieses Thema dennoch für das Funktionieren der Wissenschaft in dieser Gesellschaft für überlebenswichtig halte, habe ich in meinem Grundlagenpapier „Kommunikation tut Not“ dargelegt.

Auf der anderen Seite bin ich als Journalist, der sich viele Jahre mit dem Riesenaufwand auseinandergesetzt hat, der notwendig ist um eine Zeitung oder auch nur eine Fachzeitschrift mit wenigen hundert Exemplaren Auflage zu veröffentlichen (Verlag, Anzeigen, Vertrieb, Druckerei, Grossisten usw.), immer wieder überrascht, wie leicht es heute ist, selbst mit einem Nischenthema eine ansehnliche Leserschaft zu erreichen. Blogs sind die wahre Medienrevolution des Internets, oder zumindest die ersten Boten dieser Revolution, die wir jetzt und in Zukunft erleben.

Wo sind die Dinosaurier der Medien-Neuzeit? - Podiumsdiskussion im Senckenberg-Museum. Foto: Korbmann

Wo sind die Dinosaurier der Medien-Neuzeit? – Podiumsdiskussion im Senckenberg-Museum.

Über 2.000 Seitenaufrufe im Durchschnitt, trotz zweier Blogpausen von insgesamt drei Monaten (aus persönlichen Gründen). Doch was interessierte die Leser von „Wissenschaft kommuniziert“? Den größten Zuspruch fand die Wahl zum „Wissenschaftsblog des Jahres 2012“: exakt 2.817 Leser. An zweiter Stelle folgte „Ein Wort an die Damen“ mit 1.899 Zugriffen (Warum? – Offensichtlich der Link eines populären Blogs, denn innerhalb weniger Tage im Sommer gab es einen Boom – ich habe nicht herausgefunden, woher die Zugriffe kamen). Eher Schadenfreude über Journalisten kennzeichnete den nächsten in der Rangfolge: „Die Fehler der anderen“ mit 1.533 Aufrufen, ein Bericht im April über haarsträubende Fehler in einer Lokalreportage der Süddeutschen Zeitung, der vom sehr populären medienkritischen Bildblog aufgegriffen wurde. An vierter Stelle lag mit 1.333 aufrufen ein Beitrag aus dem Jahr 2011: „Nachtrag – Was hat Wissenschaft mit Coca-Cola zu tun?“, ein Stück über die Notwendigkeit, Marketingtechniken auch in der Wissenschaftskommunikation zu nutzen. Nützlich, sicher, aber warum gerade dieser? Ich weiß es nicht, vielleicht wissen es die Markenwächter von Coca-Cola, die möglicherweise das Web eifrig nach potenziellen Schädigern durchforsten.

Doch, doch um Wissenschaftskommunikation ging es auch: Auf Rang fünf der Hitliste landete der Gastbeitrag von Volker Meyer-Guckel „Marketing oder Kommunikation? –  Wie Wissenschaft kommunizieren sollte“ mit 1.074 Aufrufen für den ersten Teil und 375 Aufrufen für den (eigentlich noch interessanteren) zweiten Teil. Meines Erachtens (neben „Kommunikation tut Not“) der wichtigste Text, den „Wissenschaft kommuniziert“ im Jahr 2012 veröffentlicht hat. Er hat auch heftige Diskussionen in der Branche ausgelöst.

Weitere inhaltliche Highlights, in dieser Reihenfolge: Das Live-Projekt, dessen 17. Folge gerade vorbereitet wird; „Die große Frage – Wo lernt man Wissenschaftskommunikation?“; „Das NaWik ist eröffnet – Beatrice bleib stark!“; „Drei Identifikationsfiguren – Die Forschungssprecher des Jahres 2012“. Natürlich gab es auch Enttäuschungen in der Pubikumsgunst: zum Beispiel das Stück über eine besondere Blogform, von der ehrwürdigen GDNÄ zu ihrer Jahrestagung praktiziert, die ein Vorbild für manche Tagungsberichterstattung werden könnte: „Der Ereignisblog – das Zweitbeste nach dem Selbstdabeisein“: nur 45 Aufrufe. Oder „Auf Augenhöhe – Was Wissenschaft von Wirtschaft lernen kann“ mit 49 Zugriffen.

Insgesamt aber ein sehr positives Fazit: „Wissenschaft kommuniziert“ hat sich in diesem ersten Jahr zweifellos in der Szene der Wissenschaftskommunikation etabliert. Das merkt man nicht nur an den Zugriffszahlen. Viel wichtiger noch ist die Zahl der Reaktionen, Kommentare, Zitierungen, Retweets und Facebook-Likes, oft genug auch von Leuten, die dazu gehören, seien es Wissenschaftler, die sich für Wissenschaftskommunikation engagieren, seien es die führenden Köpfe aus der Kollegenschaft, seien es ganz normale Leser oder eben Forschungssprecher. Die Hochschule Luzern etwa hat unsere „Wissenschaftsblogs des Jahres 2012“ beim Thema „Rechercheinstrument Blog“ als Top-Einstieg zu den Wissenschaftsblogs aufgenommen.

Ebuzzing-Ranking

Der Verlauf des Ebuzzing-Rankings für „Wissenschaft kommuniziert“

Belegt wird das schließlich auch durch eine Nachricht, die gestern ins Haus flatterte: Im angesehenen Ebuzzing-Ranking der einflussreichsten Wissenschaftsblogs, der weniger die Zugriffszahlen bewertet, sondern die Links auf den Blog – wie viele und wer verlinkt – sind wir auf Platz 24 aufgestiegen. Vor einem Jahr hatten wir noch Rang 100, selbst vor einem Monat waren wir noch auf Platz 48.

Wir sind trotz dieses Aufstiegs ein kleiner Blog zu einem Nischenthema. Ziel von „Wissenschaft kommuniziert“ ist es, die Wissenschaftskommunikation aus der Nische herauszuführen und sie zu einem wichtigen Anliegen der Wissenschaft zu machen, die Kommunikatoren zu professionalisieren und sie zu Partnern der Forscher auf Augenhöhe werden zu lassen. Wir müssen nicht von möglichst vielen gelesen werden – wenn uns die richtigen Leute lesen und wahrnehmen, ist uns das wichtig und Erfolg genug.

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