Alles Wichtige? – Ein Handbuch für das Nachtkästchen

Posted on 28. Januar 2013

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Beispiel „Haus der Wissenschaft – Erfolgskontrolle Fehlanzeige? Foto: Haus der Wissenschaft, Bremen

Reiner_Blog_miniWow – was für ein Anspruch: „Alles zu sammeln, aufzubereiten, zu diskutieren, zu reflektieren und einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, was zum Thema Wissenschaftskommunikation wichtig ist.“ Dies versprechen die Herausgeber des 2012 erschienenen „Handbuch Wissenschaftskommunikation“ gleich zu Beginn. Doch was dann kommt, ist doch ziemlich weit von diesem Versprechen entfernt – muss ja sein, wie könnte ein einziges Buch auch „alles“ enthalten, worum es bei der Wissenschaftskommunikation geht. Da braucht es mindestens die Erfahrung eines ganzen Lebens, wenn das reicht.

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Beispiel Kinderuniversität – Langzeiterfolg in der Zielgruppe? Grafik: Uni Saarbrücken

Bleiben wir also bescheiden, tragen wir den Herausgebern ihren Hochmut nicht nach. Immerhin haben sie es geschafft, 57 Autoren in diesem rund 400-seitigen Werk zu versammeln, von denen einzelne in der Welt der Wissenschaft und einige mehr in der Welt der Wissenschaftskommunikation einen guten Namen haben. Der Themenstrauß ist bunt, und systematisch ganz gut gegliedert in „Makro-, Meso- und Mikroebene der Betrachtung“, aber dann im Detail doch so zusammengewürfelt, dass nur an wenigen Stellen ein zusammenhängendes Bild entsteht. Das ist eben das Risiko bei sehr vielen Autoren. Schließlich arbeiten in der Wissenschaft viele hoch engagierte Menschen, folglich entstehen viele reizvolle Ideen – auch zur Wissenschaftskommunikation – ob sie dann aber auch effizient und zielführend sind, ob sie überhaupt in einem zielgerichteten Konzept stehen, das geht meistens unter. Das ist eines der großen Probleme der Wissenschaftskommunikation in Deutschland.

Handbuch_WissenschaftskommunikationTatsächlich handelt es sich bei den Autoren dieses Handbuchs vorwiegend um Referenten der ersten beiden Foren Wissenschaftskomunikation von „Wissenschaft im Dialog“ – inzwischen ist das fünfte Forum vorbei, also ein Handbuch mit gehöriger Zeitverzögerung. Und auch die Foren Wissenschaftskommunikation haben sich inzwischen deutlich weiterentwickelt: Mehr Konzeptionelles, weniger „Best Practice“, also Selbstdarstellung. Und darunter leidet dieses Buch. Zwar gibt es einige hervorragende Beiträge, etwa der über Wissenschaftsblogs von Lars Fischer, meist aber sind die Beiträge Lesestoff zu schönen Ideen, aber kein Arbeitsmaterial, wie ich es mir von einem Handbuch aus einem Fachverlag erwarten dürfte.

Viele schöne Ideen, zum Teil mit gewaltigem Aufwand verwirklicht. Ob sich die Mühenund Kosten allerdings gelohnt haben, ob es wert ist, die Projekte als Vorbilder zu nehmen, sich selbst daran zu machen, etwas Ähnlichers zu verwirklichen – das bleibt durchweg im Dunkeln. Wenn etwa die Evaluierung von Online-Projekten zu dem Fazit führt, dass die Betreiber der Websites mit dem Erfolg zufrieden waren. Wenn etwa über den weltweiten Siegeszug der Kinder-Universitäten berichtet wird, der von Tübingen ausging, ohne die Langzeitreaktionen der Zielgruppe zu beleuchten. Wenn über das Bremer Haus der Wissenschaft berichtet wird, ohne Zahlen zu den Kosten oder zu den Besuchern zu nennen – dann fehlt die aussagekräftige Erfolgskontrolle. An Ideen mangelt es nicht zur Wissenschaftskommunikation in unserem Lande – und in diesem Handbuch – wohl aber an Konzepten und Erfolgskontrolle, oder der Überlegung, wie die knappen Ressourcen am sinnvollsten eingesetzt sind. So ist das „Handbuch“ eine bunte Lektüre, eher für den Nacht- als für den Schreibtisch geeignet – Praxisrelevantes, wie man es eigentlich erwartet, findet sich selten. Und schon gar nicht alles, was zum Thema Wissenschaftskommunikation wichtig wäre.

Handbuch Wissenschaftskommunikation; Dernbach, Beatrice; Kleinert, Christian; Münder, Herbert (Hrsg.), 2012, XVIII, 392 S. 10 Abb., Springer-Verlag, Heidelberg;  ISBN 978-3-531-17632-1, Hardcover € 49,25, E-Book € 44.99.

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