Die Forschungssprecher des Jahres 2013

Posted on 7. November 2013

2


Paul-Ehrlich-InstitutReiner_Blog_miniDie Leser des „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ haben gewählt: Die besten Vermittler von Forschung und Technik – die Forschungssprecher 2013. Zeitgleich mit dem „Medizin&Wissenschaftsjournalist“, der einzigen deutschen Zeitschrift von und für Medizin- und Wissenschaftsjournalisten, präsentieren wir hier die Sieger der Wahl – rechtzeitig zum „Forum Wissenschaftskommunikation“ in Karlsruhe.

Vor fünf Jahren wurden zum ersten Mal die Forschungssprecher des Jahres gewählt. Es hat sich viel verändert seitdem: Inzwischen ist „Wissenschaftskommunikation“ kein Fremdwort mehr, Forschungssprecher reden allenthalben von Zielgruppen, von Strategien und Rahmenbedingungen. Mit der Effizienzkontrolle scheint es dagegen noch nicht so weit her zu sein. Immerhin: Wissenschaftskommunikation ist professioneller geworden, ganz anders als vor fünf Jahren, als die Zeitschrift „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ zum ersten Mal rund 700 Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufforderte, die Forschungssprecher des Jahres zu wählen.

Der größte Wandel aber kam durch das Internet, das nicht nur alle Lebensbereiche erobert hat, sondern mehr und mehr auch gesellschaftliche Bedeutung gewinnt. Bloggs, Twitter, Facebook, Webinare und wie sie alle heißen, die interaktiven Medien, in denen sich immer häufiger Bürgerwillen formuliert, und in denen diese Bürger immer heftiger Mitsprache fordern. Das schafft neue Herausforderungen für die Wissenschaft in ihrem Verhältnis zur Gesellschaf. Bisher ist sie meist gewohnt, vom Katheder aus die Ergebnisse ihrer Forschung zu verkünden, verständlich zu machen und damit Akzeptanz einzufordern. Jetzt geht es mehr und mehr auch umgekehrt: Wissenschaft muss zuhören, mitgestalten lassen, auf Befindlichkeiten und Vorurteile eingehen, um ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft wahrzunehmen. Eine gewaltige Herausforderung für die Wissenschaftskommunikation.

Nur bedauerlich, dass es angesichts dieser großen Herausforderungen in Deutschland noch immer keine Ausbildungsstätte für Forschungssprecher gibt. Ein Riesendefizit. Immerhin gibt es einige Forschungssprecher, die es dennoch schaffen, professionell den Dialog zwischen Forschern und Öffentlichkeit zu managen, sei es als Naturtalente der Kommunikation, sei es weil sie ihr Rüstzeug in anderen Kommunikationsfeldern gewonnen haben, etwa im Journalismus.

Die Leser des „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ haben gesprochen und drei dieser Profis zu den Forschungssprechern 2013 gewählt: Zum ersten Mal wurde ein Kollege zum zweiten Mal gewählt, deshalb wird er hier als Erster genannt: Franz Miller, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Fraunhofer Gesellschaft ist Forschungssprecher des Jahres 2013 in der Kategorie Forschungsorganisationen und Stiftungen (war er 2008 bereits). Er schaffte es vor allem mit seinem großen Engagement, seiner Offenheit für Neues und seiner Geradlinigkeit, in 25 Jahren bei Fraunhofer zur Institution zu werden. Hervorzuheben vor allem: Er ist immer noch und immer wieder Vorbild dafür, wie ein Forschungssprecher erfolgreich arbeitet, aber auch dafür, wie er sich selbst und seine Tätigkeit einordnet: als Ratgeber und Sparringspartner der Wissenschaftler auf Augenhöhe. Wer mehr zu Franz Miller erfahren will, zu seiner Motivation und seinem Werdegang, der findet dies hier.

Herzlichen Glückwunsch zum Forschungssprecher des Jahres, nur schade dass Franz Miller zum letzten Mal als Forschungssprecher des Jahres im Rampenlicht steht – er ist vor ein paar Tagen in den verdienten Ruhestand gegangen.

Forschungssprecher2012_klein

Männerrunde: Die Forschungssprecher des vergangenen Jahres 2012. V.l. Marco Finetti (DFG), ich selbst als MWJ-Chefredakteur, Christian Böhme (BASF) und Rudolf Dreier (Uni Freiburg).

Doch auch junge Forschungssprecher zeigten bei dieser Wahl, dass sie mit Professionalität die Kollegen beeindrucken können: Leuchtendes Beispiel ist Susanne Stöcker, Pressesprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen bei Frankfurt. Sie ist Forschungssprecherin des Jahres 2013 in der Kategorie Forschungsinstitute und Universitäten. Seit Jahren taucht sie bei unseren Wahlen in der Spitzengruppe auf, wurde oft nur knapp von Kollegen anderer Institute geschlagen, jetzt hat sie sich durchgesetzt. 1988, als Franz Miller zu Fraunhofer kam, da studierte sie noch. Doch schon 1995 bekam sie eine verantwortungsvolle Aufgabe: den Aufbau der Pressestelle am Paul-Ehrlich-Institut, das immerhin für die Arzneimittelsicherheit in Deutschland verantwortlich ist. Und inzwischen ist es weit mehr als Presse – auch für Verbraucheraufklärung, Internetauftritt und Soziale Netze, Veranstaltungen und sogar für die wissenschaftliche Bibliothek ist sie zuständig. Herzlichen Glückwunsch auch nach Langen an Susanne Stöcker. (Mehr zu Susanne Stöcker hier.)

Der Dritte Forschungssprecher des Jahres 2013, in der Kategorie Industrie und andere Unternehmen ist Rolf Ackermann von der Bayer AG. Er arbeitet vor allem im Hintergrund, umso schöner, dass auch diese wichtige Tätigkeit von den Kollegen wahrgenommen wird. Denn eigentlich ist sein Feld in der Bayer-Pressestelle gar nicht die Forschung, sondern es sind die gesellschaftlichen Entwicklungen. Dazu gehört natürlich für ein forschendes Unternehmen ganz vital auch die Entwicklung der Wissenschaft. Und hier engagiert sich Rolf Ackermann im Namen von Bayer für das Projekt eines „Science Media Center“ in Deutschland, das von Medien, Wissenschaft und Industrie vorangetrieben wird: ein unabhängiges Redaktionsbüro für die Wissenschaft. Als Kommunikationsprofi, der ursprünglich aus dem Journalismus kommt, tut er das so gut, dass er den Kollegen aufgefallen ist – so sehr, dass sie ihn jetzt zum Forschungssprecher des Jahres gewählt haben. Herzlichen Glückwunsch. (Mehr zu Rolf Ackermann hier.)

Nur am Rande: Gleichzeitig mit der Wahl durch 700 persönlich angeschriebene Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten alle im Internet ihre Forschungssprecher des Jahres wählen, und zwar über diesen Blog. (Zum Nachlesen hier bitte). Noch weichen die Ergebnisse von der persönlichen Befragung ab, auch weil das anonyme Internet offensichtlich zu Abstimmungskampagnen verführt. Viele Stimmen von den Servern der Technischen Universitäten Dresden und Chemnitz wurden registriert. Doch das lässt sich filtern, nicht absolut sicher, aber es geht. Wenn man dies tut, gibt es recht einleuchtende Resultate, oft nur wenige Plätze von der persönlichen Befragung entfernt, oder sogar identisch. So siegte auch online bei den Forschungspressesprechern des Jahres 2013 in seiner Kategorie: Franz Miller. Ihm folgten auf den Plätzen 2 und 3: Christian Walther von der Leibniz Gemeinschaft und Caroline Wichmann von der Nationalakademie Leopoldina (immerhin Forschungssprecherin des Jahres 2011). Bei Forschungsinstituten und Universitäten erzielte online Barbara Bachtler vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin-Buch das beste Ergebnis, gefolgt von Ulrich Marsch von der TU München und von Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (ebenfalls Forschungssprecher des Jahres 2011). Und bei Industrie und anderen Unternehmen fiel die Online-Wahl auf Ulrich Eberl von Siemens, seines Zeichens Forschungssprecher des Jahres 2009, gefolgt von Birgitt Sickenberger von Sanofi-Aventis und Peter Strunk von Wista-Management Berlin-Adlershof (Forschungssprecher 2011).

Wenn man diese Resultate einmal mit Abstand betrachtet: Es hat sich zwar viel getan in Deutschland in Sachen Wissenschaftskommunikation. Wenn man aber sieht, wie dicht die Spitze zusammenliegt, dass immer wieder die gleichen Namen und Gesichter auftauchen, dann sieht man auch, wie klein diese Spitze professioneller Kollegen ist. Das genügt für die Wissenschaft auf Dauer sicher nicht, wenn sie weiterhin ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft behaupten will. Die Möglichkeit für eine breite Ausbildung wäre wirklich notwendig.

So wurde gewählt
„Wer sind die besten Forschungs-Pressesprecher?“ So lautete die Frage, die der „Medizin& Wissenschaftsjournalist“ rund 700 Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz per Mail gestellt hat. Dabei sollten folgende vier Kriterien ausschlaggebend sein:

  • Professionalität
  • Journalistische Fähigkeiten
  • Verständnis für die journalistischen Notwendigkeiten
  • Niveau der vermittelten Informationen

Es sollten auch nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Daher wurde die Welt der Wissenschaftskommunikation in drei Kategorien eingeteilt:

  • Forschungsinstitute und Hochschulen
  • Forschungsorganisationen und Stiftungen
  • Industrie und andere Unternehmen

Rund 70 Forschungs-Pressesprecher und -sprecherinnen in diesen Kategorien wurden als mögliche Kandidaten genannt. Jeder dem jeweiligen Kollegen bekannte Pressesprecher sollte nach dem deutschen Schulnotensystem bewertet werden. Den Ausschlag gab die Durchschnittsnote – also unabhängig von der Häufigkeit der Nennung, allerdings mit Mindestquorum, damit nicht Einzelstimmen zu Ausreißern führen. In diesem Jahr wurde erneut auch online abgestimmt, allerdings getrennt ausgewertet.

Advertisements