„Wissenschaft kommuniziert“ in Englisch – Danke Paolo!

Posted on 10. November 2013

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Wissenschaft kommuniziert: Jetzt auch auf Englisch (und in bis zu 70 weiteren Sprachen von Google Translate).

Zugegeben, ein Großteil der Probleme, die wir in der Wissenschaftskommunikation haben, sind rein deutsche Probleme: keine Ausbildungsmöglichkeiten, mangelndes Bewusstsein der Wissenschaftler, kaum Bereitschaft zum echten Dialog – um nur einige zu nennen. Und dennoch findet das, was sich in Deutschland tut, zunehmend auch Interesse im Ausland. Nicht nur in den USA und in England, wo die Situation deutlich besser ist als bei uns, sondern vor allem auch in anderen Ländern, wo die Situation ebenso traurig ist, wie bei uns – oder sogar noch schlechter. Man nehme nur einmal Frankreich, Italien oder aber andere Kontinente. Deshalb soll mit Hilfe von Google Translate dieser Blog jetzt auch in Englisch und wahlweise in 70 anderen Sprachen verfügbar sein.

Paolo_PalazziEin Glück, dass ich vor kurzem Paolo Palazzi in Frankfurt getroffen habe. Er hielt einen Vortrag beim Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) über die Kindertage des World Wide Web – diese epochale Erfindung, die inzwischen die Welt verändert hat, ohne die es keine Blogs wie diesen gäbe und die Wissenschaftskommunikation ganz sicher anders aussehen würde.

Tim Berners-Lee at a Podcast Interview

Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web (Photo:Wikipedia)

Wer ist Paolo Palazzi? – ein Physiker, der lange Jahre am CERN gearbeitet hat und –  inzwischen pensioniert –

immer noch als freiberuflicher Theoretiker tätig ist. Er bekam im November 1989 von einem Software-Ingenieur

namens Tim Berners-Lee einen Projektvorschlag auf den Tisch: Fünf Zeilen Text und eine eher verwirrende Handskizze für ein „distributed hypertext system“. Was daraus wurde: Richtig! Das heute überall unverzichtbare WorldWideWeb.

Paolo Palazzi war nicht Erfinder des Web, sondern einer der ersten und wirkungsvollsten Förderer. Und das obwohl er – wie er heute selbst zugibt – zwei Jahre gebraucht hat, um wirklich zu verstehen, was Tim Berners-Lee da eigentlich vorhatte. Solche Förderer sind für umwälzende Neuerungen oft ebenso wichtig wie der Erfinder selbst.

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Das WorldWideWeb: Eine spätere – ordentliche Version der ursprünglichen Skizze von Tim Berners-Lee.

Paolo Palazzi glaubte an diesen jungen Mann Berners-Lee, stellte ihm am Rande des Üblichen 20.000 Dollar zur Verfügung, obwohl er nicht einmal zu seiner Abteilung gehörte, und ließ ihn, zusammen mit seinem direkten Mitarbeiter Robert Cailliau, einfach machen. Drei Jahre später kamen noch einmal 30.000 Dollar dazu – das waren die einzigen direkt zurechenbaren Kosten für das WorldWideWeb. Welche geringen Summen für eine wahrhaft weltverändernde Erfindung!

Ich lernte Paolo Palazzi vor etwa zwei Wochen kennen. Der Kontakt war sofort exzellent und zog sich bis zum Absacker an der Hotelbar hin. Gesprächsstoff gab es genug, zumal ich mit Tim Berners-Lee vor rund 12 Jahren selbst einmal einen Tag verbracht und ihn interviewt habe, ihn aufrichtig bewundere und ihn – historisch gesehen – für den bedeutendsten unter allen unseren Zeitgenossen halte. Natürlich erzählte ich Paolo von meinem Blog. Und ein paar Tage später bekam ich von ihm eine Mail, in der er mir schrieb „I had a look at your blog, through Google translate, and I found it very interesting“. Und um mir zu helfen,  dies auch anderen Wissenschaftlern und Wissenschaftskommunikatoren  zu öffnen, die nicht Deutsch verstehen, sandte er mir gleich auch den Link mit. Jetzt profitieren Sie von seinem Engagement, mit dem er auch einst das World Wide Web angeschoben hat. Probieren Sie es aus.

Paolo Palazzi ist eben ein Unterstützer mit Leib und Seele. Danke Paolo. Und Cheers bis zum nächsten Mal!