Es geht doch auch besser! – Web-Videos und Evaluation

Posted on 13. November 2013

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Das Messe-Kongresszentrum in Karlsruhe - Ort des Forums Wissenschaftskommunikation.

Das Messe-Kongresszentrum in Karlsruhe – Ort des Forums Wissenschaftskommunikation.

Reiner_Blog_miniEs begann wie eine Katastrophe – doch dann kamen doch noch Highlights. Das 6. Forum Wissenschaftskommunikation ist doch nicht nur verlorene Zeit, wie man nach der Eröffnung befürchten konnte. Ganz abgesehen vom Networking, mindestens ebenso wichtig wie die Präsentationen – am zweiten Tag gab es endlich Sitzungen, denen man mit Freude zuhörte, oder wo wenigstens interessante und anregende Inhalte geboten wurden.

Fangen wir mit den Webvideos an: So umständlich der Titel der Session „RapBattle. Live Experiment oder Erklärvideo: Das Kommunikationspotential von Wissenschaftsvideos im Netz. (Man beachte die Vor-Reform-Rechtschreibung.) Die gute Botschaft als Summary: Webvideos sind bei weitem nicht so aufwändig, wie Videomaterial für das Fernsehen, ja die Kosten kommen in Größenordnungen, dass es sich lohnt, dieses Medium ernsthaft in die Kommunikationsstrategien mit einzubeziehen.

Image representing YouTube as depicted in Crun...

Image via CrunchBase

Doch nun im Einzelnen: Der Hintergrund ist klar: Kommunikation findet immer häufiger in Form von Videos statt, Youtube wächst rasant. Für junge Leute ganz besonders sind Videos auf Youtube ein gängiger Kanal, Texte – gar Texte die etwas erklären und belehren – sind ihnen eher ein Graus. Dazu kommt das virale System Internet: Was gefällt oder beeindruckt, wird schnell getwittert, geliked oder sonstwie mit Freunden und deren Freunden geteilt. Keine hohe Redaktionsschwelle der Fernsehanstalten hält da ein populäres Wissenschaftsvideos auf. Die Filme müssen nur ankommen und kurz sein.

Dr. Joachim Knaf

Dr. Joachim Knaf

Dr. Joachim Knaf von der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsam, empfiehlt für Lowbudget-Produktionen besonders Baukästen von Intros, Musik, Schnitt, wie sie heute schon als Software verkauft werden, etwa Adobes After Effects. Für ein Drei-Minuten-Video rechnet er mit Kosten von etwa 2.000 Euro. Die Einarbeitung geht schnell, das Entscheidende aber sind die guten Ideen für die Erzählung. Und da sind kreative Menschen gefragt. Gleichgültig ob es Wissenschaftler sind, oder Journalisten oder prominente Web-Personalities. Aber auch da gibt es Wochenendseminare für das Video-Storytelling, etwa in Potsdam. Ergänzt: Hier noch ein Link zu seiner Präsentation auf Slideshare mit hilfreichen Links .

Pia Grzesiak

Pia Grzesiak

Fernsehjournalistin Pia Grzesiak nannte die Vorteile der Webpräsenz von Videos: keine Redaktion oder Sendeplatzprobleme als Einsteigshürde, die Videos stehen dauerhaft zur Verfügung, gerade jüngere Zuschauer wandern vom traditionellen Fernsehen ab zu Youtube, das Web ist unabhängig von einer kurzfristigen Quote, kann über die Zeit hohe Zugriffszahlen erreichen. Auf Youtube bildet sich neuer Raum für Special Interest Sendungen, den die TV-Anstalten selbst mit ihren Spartenkanälen nicht bieten können. Und außerdem eröffnet sich die Möglichkeit zur Community, zur direkten Interaktion mit den Zuschauern, ohne Zwischenschaltung einer Redaktion, ja man kann diesen Dialog sogar noch durch Verbindung des Videos mit Skype, Twitter oder Facebook fördern. Wie gesagt, entscheidend ist nur, das Youtube-Publikum zu faszinieren, und das ist vor allem die jüngere Webgemeinde. Wie das geht? Pia Grzesiak  empfiehlt: Klicken Sie doch einmal auf DorFuchs und Sie werden mathematische Formeln auf ganz neue Weise erleben:

Der Höhepunkt der Session aber war der Auftritt einer Vertreterin der Zielgruppe, die es mit Youtube-Videos zu erreichen gilt: Yonish, alias Lisa Windpassinger, 20 Jahre, Studentin und „Youtuberin“, wie sie es nennt. Sie hat einen Youtube-Kanal mit Tausenden von Zugriffen, in eineinhalb Jahren über 100 Videos produziert und plaudert vor allem frisch, frei von der Seele. Inhalt und Tiefgang: Praktisch Null, einfach nur Feeling. Da wird die Zugreise zum Forum

Lisa Windpassinger, alias Yohnish

Lisa Windpassinger, alias Yohnish

Wissenschaftskommunikation auf ihrer Facebook-Seite zum Abenteuer, das eifrig den Freunden mitgeteilt und von ihnen kommentiert wird. Ganz ähnlich waren ihre Äußerungen auf dem Podium und enthielten dennoch nachdenkenswerte Weisheiten: „Mit Wissenschaftsvideos habe ich mich noch nicht befasst“; oder „Ich will in Youtube abschalten, entspannen“; oder „Wissenschaftsvideos können toll sein, aber sie machen eine schwierige Gratwanderung zwischen den trockenen Inhalten und dem Zeitgeist der Jugend, dem Internet als Entspannungsquelle“. So ist diese Zielgruppe eben.

Manche Teilnehmer äußerten sich danach beim Kaffee empört, wie man so jemanden auf das Podium einladen könne. Ich denke, sie liegen falsch: Hier wurde die Zielgruppe von Videos im Internet live vor Augen geführt. Das sind die jungen Leute, die man dort erreichen muss, denn diejenigen, die ohnehin schon „katholisch“ sind, die kriegt man auch mit anderem Material. Dass es geht, zeigt DorFuchs. Und für alle, die Yohnish selbst erleben wollen, hier das Intro ihrer Youtube-Site:

Videos, ein Thema, mit dem sich jeder Forschungssprecher eingehend beschäftigen muss, vielleicht nicht heute, aber morgen. Doch genug damit. Ganz kurz noch zum wichtigen Thema Evaluation. So fehl am Platz der Plenarvortrag des Karlsruher Technology Assessment-Experten Prof. Michael Decker dazu nach der Eröffnung war, so aufschlussreich war die Präsentation seines KIT-Kollegen Simon Scheuerle keine 24 Stunden später, allerdings in einer Parallelsitzung, also vor kleinerem Publikum. Scheuerle arbeitet in der Pressestelle des KIT (Karlsruhe Institute of Technology) als Kommunikations-Controller. Er schilderte, das es wirklich möglich ist, den Erfolg von Kommunikationsmaßnahmen zu evaluieren. Am KIT tun sie das sogar regelmäßig mit ihren Aktivitäten. Und Scheuerle gab Tipps, wie man relativ einfach selbst damit beginnen kann, nannte Websites, wo man Hilfen bekommt. Leider waren vieler seiner Folien so klein, dass man sie schon in der Mitte des Sales nicht mehr lesen konnte. Eine Website habe ich aber mit Augenzwinkern entziffert, die sehr empfehlenswert zu sein scheint: www.communicationscontrolling.de, eine Website der Konstanzer Kommunikationsagentur twocommit . Hier gibt es Hintergründe, Schemata, Bewertungskriterien, zwar vor allem für Unternehmen gedacht, aber pragmatisch auch an die Bedürfnisse eines Instituts oder einer Institution anzupassen, wie Scheuerle berichtete. Nur als er am Ende befragt wurde, ob die quartalsweise Evaluation am KIT nicht nur den Erfolg überprüft, sondern auch Aufwand und Ertrag in Relation setzt, da musste Scheuerle klein beigeben: „Da stehen wir noch ganz am Anfang.“ Auf diesem Feld bleibt ganz offensichtlich für alle noch viel zu tun.

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