Nachtrag zu den Web-Videos – fast forward science

Posted on 13. November 2013

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Unvisible Clolours of the Univers - Preisträger unter den Web-Vieos

Unvisible Clolours of the Univers – Preisträger unter den Web-Vieos bei „fast forward science„.

Reiner_Blog_miniWebwideos spielten auf dem diesjährigen Forum Wissenschaftskommunikation eine besondere Rolle. Nicht nur als Gegenstand der Diskussionen, sondern auch als Gegenstand der Betrachtung. Am Dienstagabend wurden in Karlsruhe, als Rahmen des „gemeinsamen Abends“ des Forums zum ersten Mal Preise für die besten Wissenschafts-Webvideos vergeben: „fast forward science 2013“. Der Preis ist von WiD (Wissenschaft im Dialog) initiiert und soll weiter jährlich ausgeschrieben werden. Die Verleihung versucht, ein wenig Oscar-Glamour in die junge Landschaft der Wissenschafts-Videos zu bringen. Tusch und Fanfare: And the winner is …. Ganz gleich, auf jeden Fall ein guter Platz, um zu sehen, was heute mit Low budget möglich ist.

Wer es selbst anschauen mag: Die vier Preisträger (je 3.000 Euro und ein Regiestuhl als Trophäe, aber die Ehre dürfte da am meisten wert sein) und die Kommentare der Jury sind am besten auf der Website von fast forward science anzuschauen. Es lohnt sich unbedingt! Ich benutze Rufzeichen nur in Ausnahmefällen ;-). Ich will hier lieber das Vorgehen der Jury und  ihre Entscheidung kommentieren: Zunächst die Entscheidung.

Vorbilder für Wissenschafts-Videos im Web - die Website von "fast forward science".

Vorbilder für Wissenschafts-Videos im Web – die Website von „fast forward science„.

Es fällt mir auf, dass drei von den vier ausgezeichneten Videos eigentlich ganz normale Videos sind. Ich könnte nicht ausmachen, was sie von dem unterscheidet, was man im Fernsehen oder von teuren Videoproduktionen unterscheidet, wie man sie als Image- oder Themenfilm heute bekommt. Das spricht einerseits für die Qualität der Arbeit der zwei Preisträger aus der Wissenschaft: quasi professionell (Nur eine Kategorie ist offen für Video-Profis). Andererseits aber spricht es nicht für die Jury,denn es geht ja bei „fast forward science“ ausgesprochen um Web-Videos, und die – so habe ich die Sitzung gestern vormittag verstanden – und andernfalls wäre „fast forward science“ ja auch nur ein weiterer Wettbewerb für Wissenschaftsvideos. Das gibt es schon.

Das einzige Preisträger-Video, das 100-Prozent zum Web passt, ist der (mit 1.000 Euro weniger dotierte) Sonderpreis: Er ging – unter großer Geheimhaltung bis zur letzten Sekunde – an Johann Beurich, alias DorFuchs, den begnadeten Mathematikformeln-Rapper, den ich gerade zur Session Web-Videos des Forum Wissenschaft vorgestellt habe. Das ist das, was ich – nach allen Äußerungen der Experten und nach der Betrachtung der Zielgruppen – mir als Web-Videos vorstelle: originell, mit viel Pep, jung (Beurich ist erst 19 Jahre alt), mit simpelsten Mitteln gemacht (Musik und meist auch die Kamera macht er selbst) – und es kommt an.

Wenn man dann aber wieder hört, wie dieser Sonderpreis zustande kam, dann kann man nur den Veranstaltern zu ihrem Glück gratulieren: Eigentlich sah die Ausschreibung des Wettbewerbs neben den Kategorien „Next“ (für Nachwuchswissenschaftler), „Pro“ (gestandene Wissenschaftler) und „Kommunikation“ für Video-Profis noch die vierte Kategorie „Kontroverse“ für die Darstellung kontroverser Themen vor. Doch die Jury entschied, angesichts der Qualität der dabei eingereichten Videos, dafür keinen Preis zu vergeben. Ihr gutes Recht, entschied sich dann aber für die Einrichtung des Sonderpreises. Der Preisträger war in diesem Jahr zwar ein Volltreffer (er wäre es auch in der Kategorie „Next“ gewesen), dennoch meine ich, sollte die Jury die Kategorie „Kontroverse“ beibehalten. Sie ist zugegebenermaßen die schwierigste, aber angesichts der Entwicklungen zu Transparenz und Partizipation auch diejenige, die Wissenschaftskommunkation am dringendsten braucht. Vor allem braucht sie in diesem Feld gute Vorbilder, die so ein Preis bringen könnte. Mit purer Selbst- und/oder Faktendarstellung wird sich die Wissenschaft generell (und auch dieser Web-Video-Preis) bald ein Glaubwürdigkeitsproblem einhandeln.

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