Wissenschaftler: Freund oder Feind? – Ein Nachtrag zum „Forum FWK13“

Posted on 18. November 2013

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Vom Katheder herab, der Saal bleibt dunkel oder stumm: Normalsituation beim 6. Forum Wissenschaftskommunikation  (Foto: Korbmann)

Für die Wissenschaftskommunikation ist er die Zentralfigur (als Frau natürlich auch): Um ihn dreht sich alles, er muss gefragt werden, er gibt die Richtung vor, er weiß alles (manches besser!), ohne ihn geht nichts: Ales dreht sich um den Wissenschaftler (oder auch in weiblicher Form). Doch das Verhältnis von Wissenschaftler und Forschungssprecher scheint ausgesprochen schwierig zu sein.  Das zeigte sich beim 6. Forum Wissenschaftskommunikation in Karlsruhe am letzten Tag bei der Session „Engagiert kommunizierende Wissenschaftler – Geschenk oder Herausforderung für die Öffentlichkeitsarbeiter?“. So umständlich der Titel, so ertragreich war diese Sitzung.

Beatrice Lugger und Carsten Könneker vom NaWik hatten aber auch einiges auf  den Kopf gestellt, was sonst bei diesem Forum so üblich war. Die Teilnehmer saßen nicht in Sitzreihen vor dem Rednerpult, sondern im Stuhlkreis. Es wurden auch keine langen Referate geboten, sondern nach einem kurzen Impuls von Josef Zens gab es Dutzende von Fragen an jeden. Und jeder konnte sich äußern, viele nutzten dies frank und frei. Das hatte durchaus etwas von Selbsthilfegruppe, wie einer ironisch bemerkte. Und diente auch diesem Zweck: Viele klagten ihr Leid mit „den Wissenschaftlern“ und am Ende war deutlich, wie  sich beide Seiten – Forschungssprecher und Wissenschaftler – offensichtlich über die Rollen klar sind, die sie in ihrem Institut, ihrer Organisation und eben für die Wissenschaftskommunikation spielen. Das aber ist  die Basis: Was wird von mir als Komminikator oder Wissenschaftler erwartet, was darf ich erwarten?

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Prof. Carsten Könneker

Beatrice Lugger

Beatrice Lugger

Da hatten einige Kollegen tiefe Zweifel, ob sie die von Wissenschaftlern verfassten Pressemitteilungen redigieren durften, andere sprachen dagegen sogar davon, ihre Forscher zu steuern (hörte ich da das Wort „kontrollieren“?) . Ob Wissenschaftler nur über Einschaltung ihrer Öffentlichkeitsarbeiter mit Journalisten sprechen dürfen oder ob es reicht, wenn sie sie – auch nachträglich – informieren. Einzelne fordern von den Forschern „Respekt„, andere werben um ihr  „Vertrauen“. Es ging wirklich bunt zu, so bunt wie die Situation der Wissenschaftskommunikation in Deutschland ist – und das zeigte, was die Programmgestalter des Forums bisher versäumt haben: Die Teilnehmer zu Wort kommen zu lassen, sie bei ihren Problemen abzuholen, nach ihrer Situation zu fragen, um ihnen Lösungen für ihre Probleme anzubieten.

Das Verständnis der eigenen Rolle ist ein großes Problem der Forschungssprecher, Wissenschaftskommunikatoren oder wie sie sich nennen (manche sprachen sogar noch von „Pressestelle“), das zeigte diese vom NaWik hervorragend vorbereitete und geführte Runde (ein bißchen Abbitte für viel Kritik, die ich am großen Anspruch und dem Konzept dieses Instituts geübt habe – wenn die Leute so arbeiten, wie sie es hier gezeigt haben, dann können sie äußerst wertvoll sein). Was sind die Kommunikatoren für die Wissenschaftler und die Institutionen, für die sie arbeiten? Lakaien, Subalterne, Berater, Partner oder gar Herrscher über die Kommunikation?  Was darf, was soll, was muss? Dabei gibt es eigentlich nur eine sinnvolle Position, die in Wirtschaftsunternehmen längst für die Kommunikatoren selbstverständlich ist: Sie sind Dienstleister – und zwar im Sinne des Wortes.

Um sich diesen Begriff noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: Für den anderen oder besser für die gemeinsame Institution einen Dienst leisten, das bedeutet, das beste für sie zu wollen (auch wenn der Chef selbst vielleicht etwas anderes für das Beste hält), ihn beraten, sich auch einmal sperren, erklären, überzeugen und dann die notwendigen Dinge tun, aber nicht über seinen Kopf hinweg entscheiden, ihn bevormunden, denn er ist es, der am Ende mit dem Dienst zufrieden sein muss, er allein entscheidet und trägt letztendlich auch die Verantwortung. Wir leisten der Institution, für die wir arbeiten, einen Dienst (was nicht unbedingt gleichbedeutend ist mit einem Dienst für den Chef), weil wir auf diesem Gebiet mehr wissen, mehr Kapazität haben, besser vernetzt oder schlicht in diesem Feld zu Hause sind: In der Kommunikation. Genauso selbstverständlich, wie der Wissenschaftler einen Anwalt fragt, wenn er ein Rechtsproblem hat, oder einen Arzt, wenn es um seine Gesundheit geht, oder wie der Institutsleiter den Kaufmännischen Geschäftsführer fragt, wenn es um Geld oder Verwaltung geht, genauso selbstverständlich wird er sich der Hilfe des Kommunikators in Fragen der Kommunikation bedienen – wenn, ja wenn er zu ihm und in seine Kompetenz Vertrauen hat.

nawik-logo-117x88Vertrauen ist die Grundlage. Vertrauen aber kann man nicht verordnen, man muss es sich verdienen. In diesem Fall durch professionelle Kompetenz. Kommunikation ist ein äußerst komplexes Gebiet, weil es mit Menschen, ihrer Wahrnehmung und ihren Reaktionen zu tun hat. Da hat der Kommunikator eben – hoffentlich – eine höhere Kompetenz als der Wissenschaftler, der sicher in seinem Fachgebiet eine Koryphäe ist, aber sich nur nebenher mit Kommunikation und all ihren Facetten beschäftigen kann. Voraussetzung ist allerdings: Dass der Kommunikator sich diese Kompetenz erworben hat, durch Ausbildung, Einfühlungsvermögen oder Erfahrung. Das muss er immer wieder selbstkritisch prüfen, sich weiterentwickeln, auch fortbilden, damit er seinen Wissenschaftler nicht immer nur mit der Standardlösung abspeisen muss, die vielleicht vor zwanzig Jahren noch uptodate war: Dann machen wir eben eine Pressemitteilung. 

Als Dienstleister ist der Forschungssprecher nur vertrauenswürdig, wenn er professionell auf der Höhe ist. Leider blieb in Karlsruhe nicht die Zeit, dies auszudiskutieren. Immerhin das Problem Rollenverständnis Wissenschaftler – Kommunikator kam auf den Tisch und sollte bei künftigen Foren Wissenschaftskommunikation weiter verfolgt werden. Dass schon einmal darüber gesprochen wurde, dass die Teilnehmer zu ihren drückenden Problemen befragt und sich dazu äußern konnten, das machte diese Sitzung zu einer der besten dieses Forums in Karlsruhe. Dem NaWik sei Dank.

Die Messe Karlsruhe: Ein wenig zu groß und nicht flexibel genug für das Forum Wissenschaftskommunikation. (Foto: Korbmann)

Die Messe Karlsruhe: Ein wenig zu groß und nicht flexibel genug für das Forum Wissenschaftskommunikation. (Foto: Korbmann)

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