Wissenschaft! Wissenschaft? – Die Diskussion ist eröffnet

Posted on 15. Januar 2014

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Reiner_Blog_miniBlog-DiskussionOft kommt es anders, als man denkt. Wer erwartet hatte, dass die „Wahl zum Wissenschafts-Blog des Jahres“ wie üblich endet – der Sieger freut sich, die Unterlegenen sind schlecht gelaunt, aber am Ende finden sich alle damit ab – konnte sich dieses Mal gehörig täuschen. Nun gut, schon während der Wahl ging es heiß her in den Kommentarspalten, so dass ich sogar zur Ordnung rufen musste. Aber das war bestensfalls ein Vorzeichen für das, was kommen sollte.

Alexander Gerber

Alexander Gerber

Auf dem Blog „[sic] science & information communication“ des Kollegen Alexander Gerber entbrannte eine heftige Diskussion: Nicht über das Ergebnis der Wahl, sondern über die Kandidaten. Auslöser war ein Kommentar des Siegers, Florian Freistetter, der meinte: „Auch wenn ich diese Wahl netterweise gewonnen habe, bin ich doch ein wenig verblüfft über die zur Wahl stehenden Blogs. Wenn da schon ein “Wissenschaftsblog” gewählt wird, dann erscheint es seltsam, wenn da pseudo- und antiwissenschaftliche Blogs zur Wahl stehen… Das ist irgendwie so, als wäre ich in einer Wahl zum “Astronomen des Jahres” gemeinsam mit Erich von Däniken und Elizabeth Tessier nominiert.“

Florian Freistetter, Autor von "Astrodicticum simplex"

Florian Freistetter

Und dann ging es los: Viele kritische Stimmen, sowohl zu Freistetter als auch zur Kandidatenliste. Ich will die Diskussion nicht nacherzählen, jeder kann sie bei Alexander Gerber nachlesen. Natürlich habe ich die Kandidatenliste verteidigt, natürlich bekam Florian Freistetter Unterstützung, natürlich nutzten andere die Diskussion, um ihre ganz speziellen Interessen zu vertreten, obwohl sie oft gar nichts mit dem Thema zu tun hatten. Ich will hier lieber versuchen, einige Schlussfolgerungen daraus zu ziehen:

Darum geht es, für 2014: Der "goldene Wissenschafts-Block" für den "Wissenschafts-Blog des Jahres".

Darum geht es, für 2014: Der „goldene Wissenschafts-Block“ für den „Wissenschafts-Blog des Jahres“.

Das Wichtigste zuerst: Gern folge ich der Anregung von Gerber und eröffne eine Diskussion um Auswahlkriterien und um die Bezeichnung der Wissenschafts-Blogs als „Wissenschafts-Blogs“. Wer eine Meinung hat, was Blogs zur Wissenschaft können, sollen, dürfen und nicht dürfen, der soll sie hier kundtun. Alle Meinungen, die hier in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten gesammelt werden,  werden am Jahresende, bei der neuen Aufstellung der Kandidatenliste, mit eingebracht, ernst genommen und sorgfältig abgewogen. Jeder kann mitwirken. Ich verspreche aber auch heute schon, dass am Ende die Entscheidungen nicht leicht sein werden. Und natürlich wird nicht jeder mit allen Entscheidungen einverstanden sein.

Es soll hier nicht darum gehen, dass sich Blogs bewerben oder vorgeschlagen werden. Es soll um die grundlegenden Kriterien gehen, nach denen die Auswahl der Kandidaten erfolgt. Doch da tauchen ganz schnell große und schwer zu beantwortende Fragen auf. Zum Beispiel:

  • Was ist Wissenschaft?
  • Was ist ein Wissenschafts-Blog?
  • Darf ein Wissenschafts-Blog nur die wissenschaftliche Perspektive darstellen?
  • Kann er auch Kritik an Wissenschaft enthalten oder gar das, was einige Menschen als Wissenschaft verstehen, aber Wissenschaftler oft nicht?
  • Gehört ein Wissenschafts-Blog zum System Wissenschaft oder zum System Kommunikation (hier: Wissenschaftskommunikation)?
  • Wozu dient ein Wissenschafts-Blog?
  • Soll es Mindeststandards für die Wissenschafts-Blogs auf der Kandidatenliste geben? Wenn ja, welche?
  • Und wer entscheidet darüber, ob sie eingehalten sind?
  • Sollen Wissenschafts-Blogs in Kategorien eingeteilt werden, und ja in welche?
  • Und wer entscheidet über all dies?

Die Frage der Deutungshoheit stellt sich als zentrale Frage. In der Wissenschaft haben die Deutungshoheit zweifellos Wissenschaftler. Blogs aber gehören nicht zur Welt der Wissenschaft, sondern zur Welt der Kommunikation.

Wir werden genug zu diskutieren haben. Ich freue mich darauf.

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