Genial für die Wissenschaftskommunikation – Die spannendsten Forscher-Blogs

Posted on 23. April 2014

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Ideen und Informationen aus der eigenen Forschung weltweit verbreiten - Instituts-Blogs als geniales Instrument der Wissenschaftkommunikation. (Bild: S.Hofschläger/Pixelio)

Ideen und Informationen aus der eigenen Forschung weltweit verbreiten – Forscher-Blogs als geniales Instrument der Wissenschaftkommunikation. (Bild: S.Hofschläger/Pixelio)

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Neue Reihe:

Die spannendsten Forscher-Blogs für die Wissenschaftskommunikation

Blogs sind die ideale Selbstdarstellung im Internet – und das heißt, für immer mehr Zielgruppen, von den neugierigen jungen bis zu den gebildeten Senioren. Genau die Zielgruppen, die ein Forschungssprecher bedienen will. Blogs sind einfach, preiswert, erlauben alle Darstellungsformen – passend für den Informationstransfer wie auch für mitreißende Emotionen. Sie erreichen die ganze Welt – oder auch allein die engsten Freunde oder Kollegen. Kurzum, Blogs sind das ideale Medium für Institutsblog_Aufruf02die Darstellung von Forschungsprojekten, Forschungsinstituten, Organisationen, Stiftungen, Hochschulen oder auch von einzelnen Forschern (was wir hier mit dem Begriff „Forscher-Blogs“ zusammenfassen). Immer mehr Wissenschaftler und Forschungssprecher entdecken diese Möglichkeiten. Wir wollen in einer losen Reihe in den nächsten Monaten die spannendsten deutschsprachigen Forscher-Blogs präsentieren, als Anregung, als Vorbilder, als Mutmacher. In jeder Folge werden wir einen Forscher-Blog vorstellen, Stärken und Schwächen kritisch analysieren und bei einem Kurzinterview mit den Blog-Verantwortlichen einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Der erste Blog – die Helmholtz Blogs

Helmholtz_Blogs_02Gleich zu Beginn eine Ausnahme! Kein Blog, sondern ein Blog-Portal, also eine Website, die Zugang zu mehreren unabhängigen Blogs anbietet, die zumindest in einem Thema zusammengehören. Hier ist es das Helmholtz-Blog-Portal von Deutschlands größter Wissenschaftsorganisation. Ein Blog-Portal (bekanntere sind Scienceblogs oder Scilogs) bietet den Vorteil, dass die Vermarktung, also das Bekanntmachen des Blogs, durch die Bekanntheit des Portals deutlich unterstützt wird. Nachteil ist, dass die Möglichkeiten und die Flexibilität der Gestaltung wie auch der Inhalte, und damit der eigenen Profilbildung, beschränkt sind.

Forscher-Blog für die Wissenschaftskommunikation

Das Blog-Portal: Wir haben das Helmholtz-Blog-Portal nicht wegen der Größe der Helmholtz-Gemeinschaft ausgewählt, sondern weil es eine schöne Mischung bietet von ganz unterschiedlichen Blogs, wie wir sie unter „Forscher-Blogs“ verstehen wollen:

  • Eine Pi-Torte als Blog-Echo - Aus dem Blog "Augenspiegel"

    Eine Pi-Torte als Echo – Aus dem Blog „Augenspiegel“

    der „Augenspiegel“ als Tagebuch – vom wissenschaftlichen Kuchenbacken, über den Wochenrückblick bis zu Terminankündigungen, alles aus der Helmholtz-Gemeinschaft;

  • oder der gerade gestartete (und noch ziemlich inhaltsleere) „HZI-Nachwuchsblog“, wo Jungforscher aus dem Helmholtzzentrum für Infektionsforschung per Video über ihre Forschungsergebnisse, Erlebnisse und Probleme berichten.
  • Spannend sind zwei Blogs aus der Forschung, die Blicke in ferne Welten vermitteln: „Kohnen-Antarktis-Expedition 2013/2014“, ein Tagebuch der Feldforschung in einem menschlich und wissenschaftlich aufregenden Umfeld;
  • sowie der „Methan-Blog“, wo die Doktorandin Kathrin Kohnert über die Helmholtz Young Investigators Group TEAM vom Geoforschunszentrum Potsdam auch aus Sibirien über die Erforschung des Methanaustausches zwischen Erdoberfläche und Atmosphäre berichtet.
  • Jüngst hinzugekommen: Der Blog „Revolution“, eher ein PR-Instrument (durchaus legitim, auch für einen Forscher-Blog) für die Wissensshow Revolution, mit der Helmholtz in diesem Jahr der Wissenschaft durch die Lande zieht. Hier bemerkenswert: Livestreams zu den Veranstaltungen der Tournee, mit kleiner Verzögerung danach auch als Webvideo abrufbar.

Stärken und Schwächen des Forscher-Blogs

Expeditionsblog live aus der Antarktis

Expeditionsblog live aus der Antarktis – Aus dem Blog „Kohnen-Antarktis-Expedition 2013/2014“

Stärken und Schwächen: Das Helmholtz-Blog-Portal ist noch recht jung, entsprechend ist das Informationsangebot noch nicht sehr umfangreich. Und dennoch, die Mischung machts. Der „Augenspiegel“ ist ein schönes Aushängeschild für Helmholtz, für Interessierte, die sehen können, dass Wissenschaft nicht nur Laborarbeit ist, für Eilige, die kurzgefasst die wichtigsten Entwicklungen der Woche mitbekommen, für Helmholtz-Mitarbeiter, für die der Blog das Gefühl vermitteln kann, dazu zu gehören. Wirklich Forschung aus erster Hand vermitteln der Antarktis- und der Methan-Blog, sowie hoffentlich bald auch der HZI-Nachwuchs, mit ganz unterschiedlichen Aspekten. Die Blogposts von direkt betroffenen und involvierten sind spannende Lektüre, manchmal aber hat man das Gefühl, dass den Autoren die Zielgruppe nicht ganz klar ist: Kollegen?, interessierte Außenstehende?, Freunde und Verwandte?, Journalisten, Medien, Öffentlichkeit? Auf jeden Fall zeigen die beiden Blogs zu Antarktis und Methan hervorragend, wieviel Menschliches Forschung zu bieten hat, dass Wissenschaft eben keine Veranstaltung von Rationalitäts-Monstern ist. Ich denke, dies ist eine große Chance von Forscher-Blogs. Zugleich zeigt das Helmholtz-Portal die Nachteile von Blog-Portalen: Alle Blogs sehen ziemlich gleich aus, schon rein optisch gelingt die

Abenteuer Wissenschaft: Der Methan-Blog.

Abenteuer Wissenschaft in Sibirien – Aus dem „Methan-Blog“.

Profilierung der einzelnen Blogs nicht. Eine weitere Schwäche dieser Blogs: Viel zu wenige Links zu weiterführenden Informationen, zu anderen Blogs, zu Kollegen und Veröffentlichungen. Das ist ja gerade eine der großen Stärken der Blogs: die Vernetzung, die Querverweise, die Möglichkeiten zu vergleichen und zu vertiefen. Hier sind sie nicht genutzt. Noch ein Schwachpunkt: das Marketing. Dabei geht es um das Bekanntmachen des oder der Blogs. Dies ist nach den Inhalten das Wichtigste bei Blogs überhaupt. Wie Blog-Portal-Manager Henning Krause unten im Interview selbst eingesteht, wurde da bislang nicht viel unternommen und auch in den einzelnen Blogbeiträgen (Insider sprechen von Blogposts) sind zwar die üblichen Facebook, Twitter und Google+-Buttons. Das war es dann. Die Möglichkeit, den Blog zu abonnieren – und damit automatisch auf dem Laufenden gehalten zu werden – ist auf der Seite „Über diesen Blog“ eher versteckt (beim PR-Blog „Revolution“ ausgerechnet fehlt sie gänzlich). Ansonsten wenig Links und Querverweise von anderen Webseiten, selbst von Helmholtz-Sites, und das bei der größten deutschen Wissenschaftsorganisation mit all ihren Webaktivitäten und Möglichkeiten.

Ansonsten habe ich bei meinen Besuchen lediglich kleinere professionelle Fehler entdeckt, wie sie wohl überall vorkommen. Eines aber würde ich vermeiden, einen Blog zu veröffentlichen, wie den HZI-Nachwuchsblog, bevor genügend Inhalte vorhanden sind. Ein inhaltliches Post allein, dazu das „Paper of the Month December“ im April, ist zu wenig, zu langsam und verspricht für die Zukunft nichts Spannendes. Wenn man schon auf junge Wissenschaftler setzt, was ich am Helmholtz-Portal wirklich toll finde, dann gehört vielleicht auch ein wenig Schulung und redaktionelle Unterstützung dazu.

Was will das Helmholtz Blog-Portal erreichen?

Helmholtz Online-Manager Henning Krause

Helmholtz Online-Manager Henning Krause

Hennig Krause, ein begeisterter Onliner, ist verantwortlich für das Helmholtz-Blog-Portal, wie für alle Social-Media-Aktivitäten der Helmholtz-Gemeinschaft. Er war vorher beim Helmholtz-Mitglied Deutsches Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für Online zuständig und beantwortet unsere Fragen zum Helmholtz-Blog-Portal:

Was ist die Zielsetzung des Helmholtz Blog-Portals? Die Helmholtz Blogs sind ein Blogportal, das Forscherinnen und Forschern aus der Helmholtz-Gemeinschaft die Möglichkeit bietet zu bloggen. Wie in anderen Blogportalen auch erscheinen die neuesten Einträge auf der Startseite der Helmholtz-Blogs. Blogs eröffnen einerseits die Chance, über Kommentare mit allen Interessierten in einen Austausch einzutreten. Andererseits ermöglichen Blogs, wie im Falle der Antarktisexpedition, eine direkte und schnelle Berichterstattung von Missionen und Projekten. Diese blogspezifischen Chancen sind gleichzeitig die Ziele, die wir mit dem Portal erreichen wollen. Seit wann gibt es das Helmholtz Blog-Portal? Seit Dezember 2013. Vorher gab es seit Mai 2012 einen Vorläufer dazu in unserem Social Media Newsroom, in dem wir alle Social Media-Inhalte der 18 Helmholtz-Zentren aggregieren.

Aus "Ocean-Navigator"

Aus „Ocean-Navigator“

Sind auf dem Portal alle Helmholtz-Blogs vereint? Nein, einige unserer Mitglieder hatten schon mit dem Bloggen begonnen, bevor es die Helmholtz Blogs gab. Sie haben daher eigene Blogs aufgesetzt bzw. sind in anderen Blognetzwerken untergekommen. Dazu zählen etwa den Ocean-Navigator der Kieler Meeresforscher, die DLR Blogs, die es schon seit Januar 2010 gibt, und weitere Blogs von Helmholtz-Forscherinnen und –Forschern, die zum Beispiel auch bei den SciLogs bloggen. Eine Übersicht über Wissenschaftsblogs aus der Helmholtz-Gemeinschaft außerhalb unseres Portals bietet die Blogroll auf unserer Startseite.

Aus "DLR-Blogs"

Aus „DLR-Blogs“

Wie groß ist die Blog-Mannschaft? – Wieviele Blogposts pro Monat? Vollzeit-Blogger? Ach, das wäre toll! Für die bislang vier Subblogs in unserem Portal gibt es jeweils einen bis vier Autoren, die Inhalte einstellen. Das sind Forschende, die das aus Enthusiasmus und Überzeugung neben ihrer normalen Tätigkeit machen und Öffentlichkeitsarbeiter wie ich. Um die Administration des Blogportals kümmere ich mich zusammen mit einer Agentur und das nimmt vielleicht zehn Prozent meiner Zeit in Anspruch. In den vier Monaten ihrer Existenz gab es pro Monat zwischen zehn und knapp 60 Blogposts. Letzteres war während der Hochphase der Antarktisexpedition.

Die größten Probleme bei der Einrichtung des Portals? Es gab keine ernsthaften Probleme: Die Kosten für das Design und das technische Aufsetzen waren erträglich. Das größte Problem, das wir hatten, war ein Software-Problem, da zwei WordPress-Plugins in ihrem Zusammenspiel zunächst nicht gut harmonierten. Und es hat etwa sechs Wochen gedauert, bis wir den Fehler gefunden und korrigiert hatten. Solange mussten die Redakteure ein paar zusätzliche Klicks im Redaktionssystem machen, die nun entfallen. Aber nichts Weltbewegendes.

Die zugkräftigsten Argumente bei der Durchsetzung des Portals? Als Geschäftsstelle der Helmholtz-Gemeinschaft bieten wir den 18 Helmholtz-Zentren hier eine fertige, kostenlose und von uns gepflegte Blog-Lösung an. Nach einem Baukasten-System kann jedes Forscherteam in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Kommunikationsabteilung einen Blog aufsetzen und Inhalte online stellen. Wir machen eine Schulung und schon kann’s losgehen. Außerdem ist unsere Plattform garantiert werbefrei und wir sorgen dafür, dass die Inhalte dauerhaft im Netz bleiben und nicht auf das Funktionieren eines Online-Geschäftsmodells angewiesen sind.

Bemerkenswerte Reaktionen aus dem eigenen Haus? – Interessante Reaktionen von Außen? Wir haben uns sehr über das Feedback der Kommentatoren zum Antarktis-Expeditionsblog gefreut. Außerdem hatten wir tolle Abrufzahlen für den Wissenschaftscomic „Klar soweit?“, den wir im Februar in den Helmholtz Blogs gestartet haben. Und als wir zum Pi-Tag am 14. März im Blog zum Kuchen-Backen aufriefen, haben tatsächlich 10 Gruppen ein Foto ihrer Wissenschaftskuchen eingeschickt – darunter eine unglaublich aufwändige Torte einer achten Schulklasse. Solche Interaktionen zeigen aus meiner Sicht noch mehr als Klickzahlen, dass der Austausch auch in institutionellen Blogs gut funktionieren kann. Das Feedback aus der Helmholtz-Gemeinschaft war ebenfalls positiv.

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Wissenschaftscomic „Klar soweit?“

Wie viele Zugriffe gibt es im Monat auf das Portal? Wir hatten in den ersten vier Monaten zwischen 5.000 und 15.000 Seitenabrufe von 1.000 bis 3.500 Besuchern. Ich persönlich finde aber die Anzahl der Interaktionen viel wichtiger. Neben den etwa 60 Kommentaren pro Monat sind da auch Mitmach-Aktionen zu nennen, wie die eben genannten Wissenschaftskuchen. Wenn da Menschen in Ihrer Freizeit ein Kuchen mit Wissenschaftsdekoration darauf backen oder inhaltliche Nachfragen zur Klimaforschung in der Antarktis stellen, dann ist das mit Klicks kaum aufzufüllen.

Was sind Ihre wichtigsten Marketingwege um Ihr Blog-Portal bekannt zu machen? Das sind einerseits die Sozialen Netzwerke, die wir ohnehin schon bespielen. Wir weisen z.B. auf Facebook darauf hin, dass es ein neues Expeditionsblog gibt, oder wir twittern einzelne Blogposts. Dabei sind die Kanäle der Helmholtz-Zentren wohl wichtiger als wir mit unseren übergreifenden Kanälen der Helmholtz-Geschäftsstelle, weil z.B. an Polarforschung interessierte Menschen eher AWI-Fans auf Facebook sind. Daneben gibt es natürlich auch Verlinkungen auf die Blogs von den Homepages der Forschungszentren. Aber außer dass ich Ihnen jetzt dieses Interview gebe, haben wir noch kein weiteres Marketing gemacht.

Was wurde bisher mit dem Helmholtz Blog-Portal erreicht? Wir haben das Ziel erreicht, den Helmholtz-Forscherinnen und –Forschern eine einfache und nachhaltige Blog-Lösung anzubieten. Die Helmholtz-Zentren sind mit diesem Service zufrieden. Wir haben einzigartige Inhalte wie den Expeditionsblog aus der Antarktis. Und es gibt im Vergleich zu unseren anderen Kanälen auch gute Interaktionsraten. Ich bin damit nach nicht mal einem halben Jahr zufrieden. Gleichzeitig wollen wir natürlich noch mehr spannende Wissenschaftsinhalte in den Helmholtz-Blogs zur Diskussion stellen. Daher sind wir natürlich immer auf der Suche nach Helmholtz-Wissenschaftlerinnen und –Wissenschaftlern, die mitbloggen wollen. In unserem Blogportal ist durchaus noch Platz für viel mehr Wissenschaftsblogs.

Welche generelle Lehren ziehen Sie aus den bisherigen Erfahrungen? Als ich Mitte 2012 bei Helmholtz als Social Media-Manager anfing, habe ich mir natürlich die Frage gestellt: Sind wir nicht eigentlich ein paar Jahre zu spät dran, nun noch ein Blogportal aufsetzen zu wollen? Aber ich kann es für Wissenschaftsorganisationen nach wie vor empfehlen. Ich denke auch, dass das gerade für öffentlich finanzierte Einrichtungen eine tolle Möglichkeit ist, das eigene Tun transparenter zu machen und mit allen Interessierten in einen Dialog zu kommen – oder ihn zumindest anzubieten.

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