Die spannendsten Forscher-Blogs, Folge 4 – Der HarzOptics-Blog

Posted on 25. Juni 2014

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KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAReiner_Blog_miniDer große Vorteil von Blogs ist, dass man sie ganz genau auf die Zielgruppe zuschneidern kann. Es gibt große Blogs mit Millionen Lesern, und es gibt kleine, die nur für den engsten Freundeskreis gedacht sind. Abhängig ist dies vom Thema des Blogs, von der Zielgruppe sowie vom Engagement und vom Marketing des Blogbetreibers. Doch selbst innerhalb eines Themengebietes, etwa der Wissenschaft, gibt es große Unterschiede: etwa die großen populären Wissenschaftsblogs, die News und Interessantes aus der Wissenschaft bieten, oder die Nischenblogs, etwa auch wie dieser zum Wissenschafts-(noch-)Nischenthema Wissenschaftskommunikation.

Die große Bandbreite der möglichen Resonanz aber fordert Eines von demjenigen, der als Forscher (aber auch als Wissenschaftsjournalist, Forschungssprecher oder, oder … ) einen Blog beginnen will: Er muss vor dem Start genau darüber nachdenken, was er mit seinem Blog erreichen will. Will er ein breites Publikum erreichen, muss er anderes planen, als wenn er nur seine Kollegen, möglicherweise nur im eigenen Haus, informieren und unterhalten will, will er nur über seine eigene Forschung berichten, muss er andere Vorüberlegungen anstellen, als wenn er beabsichtigt – etwa als Klimaforscher – eine gewichtige Stimme in die öffentliche Diskussion einzubringen: Zielgruppengenau den Blog planen, nennen das die Fachleute.

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Die HarzOptics-Website – Nüchtern, informativ, ohne Schnickschnack.

Und noch eine Vorüberlegung ist wichtig: Wie kann ich diese Leute, denen ich etwas sagen will, denn auch erreichen? Zu warten, dass mein neuer Blog unter den Hundertausenden von Blogs, die täglich neu aufgesetzt werden (allein WordPress verzeichnete im letzten Jahr über 14 Millionen neue Blogs), schon den richtigen Leuten auffallen wird, ist ein furchtbares Geduldsspiel: Marketing heißt die Devise. Das beginnt bei der Signatur unter den eigenen E-Mails, in die natürlich ein Blog-Link gehört, und kann bis zu einer E-Mail an alle bekannten Kollegen (oder an die gesamten eigenen E-Mail-Adressen) reichen mit Hinweisen auf den Blog oder interessante Blogbeiträge. Jeder Anlass ist gut, um über den Blog zu reden, zu schreiben oder wenigstens den Link weiterzureichen. Wir wollen hier keinen Marketingkurs beginnen, sondern nur eines festhalten: Marketing ist genauso wichtig für den Erfolg eines Blogs wie gute Themen. Und noch eines: Von den meisten Bloggern wird es sträflich vernachlässigt.

Der HarzOptics-Blog – One-Man-Show trifft Zielgruppe

Eine lange Vorbemerkung, um einen Blog zu besuchen, der klein ist, sehr speziell vom Thema und der dennoch genau die Zielgruppe trifft, die ihm wichtig ist, der vor allem auch den Ton trifft, um seriös als regionales Kompetenzzentrum aufzutreten und der auch in den Kreisen bekannt ist, für die er geschrieben wird: Der HarzOptics-Blog. Harzoptics, das ist ein kleines An-Institut an einer Fachhochschule hinter den Bergen,in Wernigerode,  fast in wissenschaftlichem Niemandsland, das wegen der Geografie und seiner Lage unmittelbar hinter der ehemaligen DDR-Grenze auch heute noch mit Strukturproblemen belastet ist. Der Harzoptics-Blog ist eine Mischung aus wissenschaftlichem Institut, öffentlichem Dienstleister, Fernlehrinstitut, Messtechnik-Service für die Industrie und engagiertem Lokalaktivisten.

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Reinboth, der Themen-Überflieger – Autorenfoto des HarzOptics-Blogs

 

Das Spannende an diesem Blog: Es ist ein sehr persönlicher Blog von Christian Reinboth, einem der drei Gründer und Kommunikator von HarzOptics, und dennoch scheint die gesamte Unternehmens-/Institutskommunikation auf diesem Blog aufgebaut zu sein. Da sind keine spektakulären Inhalte zu finden – wen außer den Leuten, die unmittelbar mit HarzOptics zu tun haben, interessiert schon, welche Vorträge der Unternehmenskommunikator in der letzten Woche gehalten hat: Crowdfunding und Lichtverschmutzung. Auf der Homepage erscheinen die letzten Blogposts, aber auch eine Meldung über eine Auszeichnung, die HarzOptics als Zuarbeiter der Automobilindustrie erhalten hat: imagefördernd. Daneben der Hinweis auf eine Buchneuerscheinung zur Wunddokumentation. Was das mit HarzOptics zu tun hat, der als An-Institut ständig um Drittmittel bemühten GmbH? Eigentlich gar nichts, wenn man nicht Christian Reinboth kennt: Der Ausflug in die Medizin ist sein neues Berufsfeld als Netzwerkmanager eines Telemedizin-Netzes. Bei Crowdfunding kennt er sich aus, da er gerade für die Sternwarte St. Andreasberg als begeisterter Amateurastronom auf diesem Weg einen behindertengerechten Zugang finanziert hat, und die Lichtverschmutzung ist ihm ein Dorn im Auge, da neue Projekte für Nachtskigebiete im Harz – in einer der dunkelsten Regionen Deutschlands – für erhebliche Sichtbehinderungen sorgen. Und da wiederum ist HarzOptics im Spiel: Das Institut ist spezialisiert auf LED-Beleuchtung, unter anderem eine Alternative für die Straßenbeleuchtung in Städten – einer der Hauptgründe für die Lichtverschmutzung. HarzOptics arbeitet an Simulationen für die Planung von Straßenbeleutung mit wenig Streulicht, vermisst Leuchtdioden auf Farbtreue und bietet selbst einen Prototypen für LED-Straßenlaternen an.

Stärken und Schwächen des HarzOptics-Blogs bei der Wissenschaftskommunikation

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Wenn die Wolken heller strahlen als die Sterne – Beispiel (unten) für Lichtverschmutzung durch Beleuchtung. Aus der HarzOptics-Website.

All dies muss Christian Reinboth in seinem Institutsblog nicht mehr erklären: Seine Zielgruppe weiß es, denn die kennt ihn, wahrscheinlich sogar persönlich. Seine Zielgruppe ist vor allem das lokale Umfeld: Unternehmer aus dem Harz, Studenten und Kollegen von der Hochschule Harz, Lokalpolitiker, bestenfalls noch die Wissenschafts-Administration und Politiker in der Landeshauptstadt Magdeburg. Nicht zufällig ist es im Harz so dunkel: Große Städte und damit auch große Hochschulen und Industrieunternehmen sind weit weg. Da ist es auch eine Rolle der Hochschule Harz, ein wenig Wissenschaft und Ausbildungschancen in die Region zu bringen, aber auch die Menschen an den Entwicklungen in der Welt und in der Technik teilhaben zu lassen. Genau das tut HartzOptics mit dem Blog, mit seinen Breitband-Aktivitäten, mit dem Erklären von Dingen für die Studenten der Hochschule, für den Wirtschaftsclub, für Kommunalpolitiker, die sonst keine Chance hätten, diese Entwicklungen einzuschätzen. Und lehrreich ist das, was Christian Reinboth bietet: LED-Straßenlampen sind nämlich nicht nur energiesparend und gut gegen die Lichtverschmutzung, sie sind schonen auch die heimische Fauna. Oder wussten Sie, dass an jeder üblichen Straßenlaterne, meist Quecksilberdampflampen, in jeder Nacht durchschnittlich 405 Insekten verenden?

Das Layout des Blogs ist einfach, eben WordPress-Standard, aber übersichtlich und klar. Jeder Beitrag ist mit einem Bild illustriert, die letzten Blogposts und das Archiv sind direkt zugänglich. Die Powerpoint-Präsentationen seiner Vorträge stellt Reinboth per Slideshare in die Beiträge, so dass man weiß, worum es geht. Das Erscheinungsbild ist es aber nicht, was diesen Blog besonders macht. Es ist die Breite an Themen, in denen auf lokaler Ebene Kompetenz vermittelt wird, wobei die politischen Interessen Reinboths sicherlich zusätzlich motivierend sind. Daneben nutzt Reinboth intensiv Twitter (über 14.000 Tweets seit 2008 bisher), nicht nur, aber auch über Wissenschaft, eben alles was ihn interessiert – und das ist viel. Über 1.300 Menschen folgen ihm dabei. Dies ist sein Marketing-Instrument um regional und überregional präsent zu sein.

Fazit dieses Blogbesuchs: Ein kleiner Blog, der auch nichts Großes erreichen möchte, ohne großen Aufwand an Geld und Zeit, aber mit großem Engagement betrieben. Er will regional bei seinen Stakeholdern wahrgenommen werden und erreicht genau das durch den Ton, den er anschlägt und die Themen die er wählt: Zielgruppe getroffen.

Was will der HarzOptics-Blog erreichen?

Christian Reinboth, Mitgründer von HarzOptics

Christian Reinboth, Mitgründer von HarzOptics

Christian Reinboth ist einer der drei Gründer der HarzOptics GmbH. Schon früh erkannte er als Wirtschaftsinformatiker die Möglichkeiten, die Blogs und Twitter bieten. So ist er in jungen Jahren ein „alter Hase“ und entsprechend gut vernetzt. Er beantwortete unsere Fragen:

Was ist die Zielsetzung des HarzOptics-Blogs? Das Instituts-Blog der HarzOptics GmbH soll über Forschungs- und Entwicklungsprojekte an unserem An-Institut informieren sowie außerdem kleine Einblicke in unseren Arbeitsalltag bieten und ganz allgemein für die Optik-/Photonik-Forschung werben.

Seit wann gibt es diesen Blog? Unser erstes Blog auf der Plattform blogger.com haben wir im Jahr 2006 nur vier Tage nach der Gründung der GmbH ins Leben gerufen, dann allerdings nur spärlich betrieben und teils mehrere Monate zwischen einzelnen Artikeln verstreichen lassen. Anfang 2012 haben wir dann einen Neustart auf wordpress.com gewagt und posten seitdem fast wöchentlich.

Wie groß ist die Blog-Mannschaft? – Wieviele Blogposts pro Monat? Die Artikel schreibe ich fast ausschließlich allein, lasse mir dabei aber gelegentlich von einem meiner Kollegen inhaltlich zuarbeiten. Da bei HarzOptics insgesamt nur fünf Personen tätig sind, sind für das Blog aber natürlich nur sehr begrenzte Personalkapazitäten verfügbar. Bis heute wurden im neuen Blog in 26 Monaten Laufzeit 84 Artikel veröffentlicht – im Schnitt erscheinen bei uns also 3 bis 4 Artikel pro Monat.

Die größten Probleme bei der Einrichtung des Blogs? Da fallen mir spontan keine ein.

Die zugkräftigsten Argumente bei der Durchsetzung des Blogs? Wir wollten mit dem Blog vor allem zwei Ziele erreichen: Unsere eigene Arbeit transparenter darstellen und zugleich einen Beitrag zur Wissenschaftskommunikation – in dem für eine so kleine Einrichtung möglichen Umfang – leisten. Dagegen gab es keine Widersprüche.

Bemerkenswerte Reaktionen aus dem eigenen Haus? Auch da fallen mir spontan keine ein. Bezüglich der Gewinnung weiterer Autoren denken wir derzeit über die Ansprache von Gastautorinnen und Gastautoren nach, die wir für einzelne Artikel zu Fachthemen gewinnen möchten. Die Überlegungen sind derzeit aber noch nicht weit fortgeschritten – bis zu den ersten Gastartikeln wird also noch einige Zeit vergehen.

Interessante Reaktionen von Außen?  Mir fallen insgesamt drei Fachkontakte und zwei  Kunden ein, zu denen der Erstkontakt nur über das Blog zustande kam. Das mag für eine Blog-Bilanz von zwei Jahren nicht nach viel klingen, ist aber – gerade im Vergleich zu anderen Formen der Öffentlichkeitsarbeit und dem hierfür zu betreibenden Aufwand – ein aus meiner Sicht sehr positives Ergebnis. Letztendlich bloggen wir ja aber auch weniger wegen solcher „greifbaren“ Resultate, sondern mehr aus Interesse an der Wissenschaftskommunikation und zur Kanalisierung eigener Überlegungen.

Wie viele Zugriffe im Monat auf den Blog? Das Blog wird pro Monat von etwa 500 bis 600 Leserinnen und Lesern aufgerufen.

Was sind die wichtigsten Marketingwege um Ihren Blog bekannt zu machen? Neben der Verlinkung des Blogs auf unserer Instituts-Webseite sowie auf weiteren von uns betriebenen Webseiten, teile ich die Artikel regelmäßig bei Facebook, Twitter und XING. Gut ein Drittel unserer Aufrufe kommen inzwischen über Google-Suchergebnisse.

Was wurde bisher mit dem HarzOptics-Blog erreicht? Als An-Institut der Hochschule Harz war die HarzOptics GmbH schon mehrfach an öffentlich geförderten F&E-Projekten beteiligt. Aus unserer Sicht gehört die freie Veröffentlichung von Ergebnissen und Arbeitsberichten zur Transparenz im Umgang mit öffentlichen Fördermitteln – und genau das können wir über das Blog mit geringem Aufwand und für jeden einsehbar erreichen. Da wir zudem auch Nischenthemen wie die lichtsmogarme Außenbeleuchtung oder die optische Datenübertragung mittels Polymerfasern (POF) bearbeiten, lohnt sich ein Blog für uns alleine schon wegen der verbesserten Sichtbarkeit bei Google.

Welche generelle Lehren ziehen Sie aus Ihren bisherigen Erfahrungen?  Der Betrieb eines Blogs empfiehlt sich nur dann, wenn man regelmäßig neue Beiträge in einer Qualität erarbeiten kann, die auch den eigenen Ansprüchen genügt. Wer keine Freude am Schreiben hat, tut sich mit der Einrichtung eines Blogs also keinen Gefallen. Wir werden bei HarzOptics aber auf jeden Fall weiterbloggen und hoffen, dass wir die Posting-Frequenz in den kommenden Jahren noch deutlich steigern können.

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