Die spannendsten Forscher-Blogs 5: Mittelalter – So bunt wie das Leben

Posted on 19. August 2014

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Blogs in den Geisteswissenschaften - Üblich und spannend: Der Blog Mittelalter. (Foto: S.Hoschläger/pixelio)

Blogs in den Geisteswissenschaften – Wissenschaftlich und spannend: Der Blog Mittelalter. (Foto: S.Hoschläger/pixelio)

In der heutigen Folge muss ich etwas weiter ausholen, ich bitte daher meine Leser um Geduld und Durchhaltevermögen, kann aber versprechen: Es lohnt sich. Denn wie gewohnt stelle ich einen Blog vor, komme dabei aber nicht umhin, auch eine Blog-Plattform zu präsentieren, und außerdem geht es um Geisteswissenschaften, wozu man – für unsere häufig naturwissenschaftlich orientierte Leserschaft – vielleicht den einen oder anderen Hintergrund schildern muss.

Ja, ja die Geisteswissenschaftler, die ja eher als die konservativen unter den Forschern gelten, denen die Rechtfertigung oder Verteidigung der eigenen Denkschule oft genauso wichtig zu sein scheint, wie das Schaffen von neuem Wissen, die so sehr an Papier und den überkommenen Medien hängen. Sollte man meinen. Und dennoch Mittelalter-Blog_klein haben die Geisteswissenschaften im Internet etwas zuwege gebracht, von dem die Naturwissenschaften in Deutschland noch weit entfernt sind: Eine gemeinsame, interdisziplinäre Blog-Plattform für Forscher-Blogs, wo sie sich im eigenen Fach austauschen, aber auch über die Grenzen der Disziplinen hinweg kommunizieren: de.hypotheses.org – das Blogportal für die deutschsprachigen Geistes- und Sozialwissenschaften. 102 Forscher-Blogs auf Deutsch quer durch alle geisteswissenschaftlichen Fachgebiete, von der Historie bis zu den Sozialwissenschaften. Wie das die Geisteswissenschaftler fertiggebracht haben? Sie haben sich einfach einem in Frankreich erfolgreichen Modell angeschlossen (wie insgesamt 823 geisteswissenschaftliche Blogs aus 30 Ländern) und nutzen dieses Modell, um untereinander (in insgesamt zehn verschiedenen Sprachen) zu kommunizieren.

Die “Merkel-Raute” mit Ursprüngen im Mittelalter – Ausgangspunkt für  ein Forschungsprojekt über nonverbale Herrschaftszeichen. (Foto: A.Linnartz/CC)

Die “Merkel-Raute” mit Ursprüngen im Mittelalter – Ausgangspunkt für ein Forschungsprojekt über nonverbale Herrschaftszeichen. (Foto: A.Linnartz/CC)

Ein überwältigendes Erfolgsmodell, kaum überschaubar für einen Einzelnen. Deshalb habe ich einen deutschsprachigen Forscher-Blog herausgegriffen, der mir von einem Leser vorgeschlagen wurde (leider habe ich die Mail von ihm versehentlich gelöscht, so dass ich mich nicht persönlich bedanken kann): Mittelalter – interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte. Man merkt schon am Titel: Es geht nicht um einen Blog über Forschung, sondern um einen Blog in der Forschung. Also nicht ein Blog, der über Ergebnisse und Projekte der Mittelalterforschung berichtet, sondern einen Blog, der versucht eine Austauschplattform und Servicestation für Mittelalterforscher zu sein. Und das wird strikt durchgehalten, selbst Hobby-Historiker könnten verschreckt werden, so wissenschaftlich kommt er daher. Dieser Blog darf auch keinesfalls verwechselt werden mit dem fast gleichnamigen Mittelalter-Blog  für eine ganz andere Zielgruppe (die am Wochenende gern auf Zeitreise geht, um wie im Mittelalter zu leben, mit entsprechenden Kostümen und Utensilien).

Der Blog „Mittelalter“ ­ – Eine Wundertüte der Themen und Informationen

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin kein Historiker (meine ehemalige Sekretärin, promovierte Historikerin, hat mich sogar immer als „Geschichts-Ignorant“ bezeichnet. Wir haben aber vprächtig miteinander diskutiert). Tatsächlich halte ich Geschichte für sehr wichtig, beobachte aber doch andererseits die Geschichtswissenschaften oft mit einem distanzierten Erstaunen, da ich nicht damit einverstanden bin, wie viele Historiker mit dem Geschichtswissen umgehen. Auch am Mittelalter war ich bislang eher mäßig interessiert. Umso erstaunter war ich über mich selbst, als ich den Blog „Mittelalter“ intensiver durchstöberte und bemerkte, wie sich mein Interesse für den Blog immer mehr in buchstäbliche Begeisterung für seine Inhalte verwandelte.

Sündenbabel Paris, nicht erst seit "Crazy Horse" - Ein deftiges Sittengemälde im Blog "Mittelalter". (foto: Crazy Horse)

Sündenbabel Paris, nicht erst seit „Crazy Horse“ – Ein deftiges Sittengemälde im Blog „Mittelalter“. (Foto: Crazy Horse)

 

Auf den ersten Blick macht der Blog „Mittelalter“, der vor eineinhalb Jahren gegründet wurde,  einen eher sperrigen Eindruck: Oben zwar auf jeder Seite ein schönes Bild mit Mittelalter-Anmutung, doch im Layout wenig ansprechend. Die Website ähnelt eher der guten alten FAZ in ihrer früheren Bleiphase: Eben ein Blog von Forschern für Forscher. Dazu passen dann auch die wenigen Rubriken in der linken Spalte, etwa „Rezensionsüberblicke“, für Geisteswissenschaftler sehr wichtig, da in Rezensionen ein Großteil des wissenschaftlichen Disputs geführt wird, der monatliche Beitrag mit Literaturlisten aus der internationale französischen Forschungsdatenbank „Calenda“ – alles, was neu zum Thema Mittelalter erschienen ist, oder die Tagungshinweise.  Rechte Spalte: Erst die Sponsoren, dann Nützliches wie Blog-Archiv, Hinweise zur Zitierfähigkeit des Blogs, die Lizenzbestimmungen, und Standard-Links. In einem Wort: Zielgruppengerecht.

Auch die Überschriften der Beiträge versprechen nichts anderes, zum Teil in Englisch oder sogar Latein, zum Teil kryptisch für alle Nicht-Insider (etwa: „Jakob von Vitry: Okzidentale Geschichte [Jacobus de Vitriaco: Historia Occidentalis, deutsch,] 7“), in jedem Fall unspektakulär, wissenschaftlich. Wer dann aber dennoch in die Beiträge hineinklickt, ist sofort mitten im Leben der Wissenschaft, unter den unterschiedlichsten Aspekten.

So stellt man sich Mittelalter eher vor - Eine historische Darstellung von Karl dem Großen.

So stellt man sich Mittelalter eher vor – Eine historische Darstellung von Karl dem Großen.

Da stellen junge Forscher der Heidelberger Akademie ein Konzept für ein Forschungsprojekt zu Herrschaftsstilen im Mittelalter zur Diskussion, erbitten Anregungen und Kritik von ihren Kollegen. Da stellt eine Historikerin ihre Übersetzung eines mittelalterlichen Geschichtsbuchs als Quelle für alle Kollegen ins Netz und gibt zugleich Hinweise, wie man daraus korrekt zitieren kann (das geht, auch im Web). Da fragt ein Regionalhistoriker, der im mittelalterlichen Memorialbuch eines Lüneburger Hospizes die Zeichnung eines modisch gekleideten Mannes gefunden hat, alle Kollegen um Tipps oder Hinweise – und bekommt sie, etwa von einem Modehistoriker. Da stellt ein Historiker, der die Akten des „Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde“ aufarbeitet, Fragen zum Verhalten der deutschen Historiker im Dritten Reich.

Doch nicht allein die Themen sind interessant, die Inhalte bieten sogar dem Nicht-Historiker eine informative und unterhaltsame Lektüre: Da erklären etwa die Junghistoriker, die Herrschaftsstile im Mittelalter erforschen wollen, die Merkel-Raute – die typische Handhaltung der Bundeskanzlerin mit zusammengelegten Fingerspitzen beider Hände – zur modernen Fortsetzung der nonverbalen Zeichen und Gesten historischer Herrscher. Und sie lassen sie im Video von Merkel selbst (eher schwach) interpretieren. Da wird aus der Beschreibung einer Skizze im Lüneburger Stadtarchiv ein Diskurs zur Bedeutung der Männermode im Mittelalter. Und geradezu deftig ist das Sittengemälde aus dem mittelalterlichen Paris, wie es auch ein Patrick Süßkind in seinem Buch „Das Parfüm“ nicht viel drastischer gebracht hat. Und das alles Artikel aus den letzten zwei Monaten.

Die engen Hosen der Männer - Auch Mode ist für Mittelalterforschung wichtig.

Die engen Hosen der Männer – Auch Mode ist für den Blog „Mittelalter“ wichtig.

Höchst aktuell auch und für Internetbenutzer amüsant, wie ein Historiker die Entwicklung der wissenschaftlichen Kommunikation seiner Disziplin seit dem Mittelalter beschreibt ­– vom Gelehrtenbrief zur großen, deutungsschweren Publikation – und dabei zu dem Schluss kommt, dass die Geschichtswissenschaften im Lauf der Jahrhunderte den Blick für das Detail verloren haben. Erst heute, durch das Internet, komme die Zeit wieder, wo auch kleinere Entdeckungen oder Probleme aus dem laufenden Forschungsprozess – jetzt sogar für alle Kollegen – dargestellt und wahrgenommen werden können. Eine bessere Rechtfertigung kann es für einen Blog wie diesen nicht geben. Und aus meiner ganz persönlichen Sicht: Das ist Geschichtswissenschaft mit Kontakt zur Gegenwart, so wie sie mir wichtig ist.

Stärken und Schwächen des Blogs „Mittelalter“ bei der Wissenschaftskommunikation

Die Stärken dieses Blogs habe ich bereits oben ausgiebig geschildert. Sie bestehen schlicht in der bunten Themenvielfalt aus der Mittelalterforschung und in der Praxisnähe zu den Problemen und Problemchen, die sich Wissenschaftlern im Alltag stellen. Hier vergibt sich niemand etwas, der einmal nicht weiter weiß: „Hier wird Ihnen geholfen“.

Die Schwächen sind dagegen eher zweitrangig und schnell erzählt: Einmal das etwas kleinteilige, altmodische Layout mit antiquierter Schrift, das keine Schwergewichte setzt, damit keine Übersicht schafft. Und auch redaktionell fehlt der Mut zum Gewichten der Themen, alles wird gleich angeboten, ohne dass der Leser durch ein Stichwort, durch eine Rubrik oder eine andere Orientierungshilfe weiß, was ihn erwartet.

Die Redaktion will sich im September zusammensetzen (im Monat August macht der Blog Sommerpause – man merkt, er ist in Frankreich zu Hause) um Verbesserungen zu beraten. Neue Ideen sind immer gut, aber nötig ist an Korrekturen wirklich nicht allzu viel.

Mein Fazit: Ein Blog von Forschern für Forscher, wie man ihn sich eigentlich nur wünschen kann: Ein offener Platz für Austausch, für Hilfestellungen im Forscheralltag, für Fragen an Kollegen, aber auch ein Platz wo die Freude an der eigenen Disziplin erlebt und ausgelebt wird. Das daneben auch Laien diesen Blog mit Gewinn und Freude lesen können, ist ein zusätzlicher Vorteil, aber sicher nicht das Entscheidende für die Blogger.

Was will der Blog „Mittelalter“ erreichen?

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Björn Gebert

 

Dr. Karoline Döring

Dr. Karoline Döring

Dr. Martin Bauch

Dr. Martin Bauch

 

 

 

 

 

 

Den Blog Mittelalter betreuen drei junge Historiker, Björn Gebert, der auch für Social Media und damit Twitter (@mittelalterblog) zuständig ist, Dr. Karoline Döring und Dr. Martin Bauch. Es gibt keine redaktionellen Zuständigkeiten, je nach Zeit oder ggf. persönlicher Bekanntschaft werden die Autorinnen und Autoren betreut.

Was ist die Zielsetzung des Blogs „Mittelalter“? Gegenstand unseres Wissenschaftsblogs ist das Mittelalter in seiner gesamten epochalen, geographischen und thematischen Breite. Wir wollen mit dem Blog einen Beitrag zur internationalen Vernetzung von Mediävistinnen und Mediävisten leisten, Forschungsarbeit transparent und aktuelle Forschungsergebnisse frei zugänglich (open access) machen. Insbesondere möchten wir den wissenschaftlichen Nachwuchs, aber auch arrivierte Forscherinnen und Forscher in den mediävistischen Disziplinen anregen, die enormen Möglichkeiten von wissenschaftlichen Blogs und Social Media zu nutzen: um z. B. selbst fachlich in Erscheinung zu treten, kostenfrei und für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar zu publizieren sowie bestehende Netzwerke zu nutzen und neue zu erschließen. Der Mittelalterblog ist ausdrücklich interdisziplinär angelegt. Und es ist ein Gemeinschaftsblog. Es sind also Vertreter aller Disziplinen herzlich eingeladen, nicht nur mit zu lesen, sondern auch mit zu bloggen. Das heißt, jede Mediävistin und jeder Mediävist kann bei uns einen Account erhalten und als Autor Beiträge für den Blog schreiben. Willkommen sind dabei nicht nur deutschsprachige Beiträge, sondern in gleichem Maße auch solche in englischer, italienischer oder spanischer Sprache – selbstverständlich auch in französischer.

Seit wann gibt es diesen Blog? Im Dezember 2012 fiel der Startschuss. Unser erster Beitrag war Ende des Monats ein Überblick über die auf verschiedenen Fachportalen online erschienenen Rezensionen aus dem Bereich Mittelalterforschung und –rezeptionsgeschichte im Dezember 2012. Seitdem veröffentlichen wir solche Rezensionsüberblicke regelmäßig jeden Monatsanfang für den jeweils vergangenen Monat.

Wie groß ist die Blog-Mannschaft? – Wieviele Blogposts pro Monat? Betrieben wird der Blog von uns drei Nachwuchswissenschaftlern, die wir ihn auch gegründet haben. Von Vollzeit kann dennoch keine Rede sein – alle drei betreiben wir den Blog ehrenamtlich neben unseren „eigentlichen“ Jobs in Forschung und Lehre. Gleichfalls neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit anderswo arbeiten zwei weitere Kollegen bei uns regelmäßig mit. Neben dieser Kernmannschaft waren 37 weitere Fachkollegen schon bei uns als Autoren aktiv, haben also einen oder mehrere Beiträge geschrieben; weitere haben sich schon für künftige Beiträge registrieren lassen.

Die größten Probleme bei der Einrichtung des Blogs? Es gab eigentlich keine größeren Probleme bei der Einrichtung. Die hypotheses-Redaktion hat unserem Wunsch sehr kurzfristig entsprochen, die Einrichtung selbst war einfach und der Support aus Paris war immer schnell und kompetent. Am längsten haben wir vermutlich mit den Headern, also Auswahl, Zuschnitt und weitere Gestaltung, gebraucht.

Die zugkräftigsten Argumente bei der Durchsetzung des Blogs? Die Idee zum Blog entstand aus dem Bewusstsein des Desiderats und aus der eigenen Unzufriedenheit mit anderen Portalen. Durchsetzung im Fach? Haben wir das schon geschafft? Okay, wir haben eine ganze Reihe von Mediävisten erreicht und einige sogar für Beiträge gewinnen können, in Deutschland und auch anderswo. Zwar sind viele Fachwissenschaftler noch skeptisch, lesen aber wohl in der Mehrzahl schon mit. Zugkräftig waren regelmäßige Beiträge wie der Rezensionsüberblick und der Calenda-Überblick, aber auch innovative Beitragsarten wie unsere „1000 Worte Forschung“ und die Veröffentlichung von Forschungsergebnisse im open access, etwa durch unsere digitalen Miszellen („Opuscula“). Ein ganz praktisches Argument, um einerseits neue Autorinnen und Autoren zu gewinnen und andererseits die Relevanz des Blogs besonders gegenüber etablierten Fachvertretern zu begründen, ist, dass einige unserer Beiträge in den Opac der Regesta Imperii (“RI-Opac”), der wichtigste Online-Katalog für mediävistische Veröffentlichungen, aufgenommen und damit zitierbar werden. Im Fach selbst müssen also (leider) auch oft noch klassische Reputationsmechanismen bedient und Legitimationsstrategien angewendet werden.

Nach Veröffentlichung: Bemerkenswerte Reaktionen von den eigenen Kollegen? Die Resonanz ist tatsächlich überwiegend positiv bei den direkten Kollegen, sogar von Fachvorgesetzten. Die Mehrzahl unserer Autoren haben wir über unsere eigenen Netzwerke gewinnen können und manche von ihnen haben nach dem ersten Beitrag Lust auf mehr bekommen.

Interessante Reaktionen von Außen? Von außen bekommen wir durch die sozialen Netzwerke natürlich die meisten Reaktionen. Sie sind überwiegend positiv, aber wir Betreiber oder jemand von unseren Autoren wurden natürlich auch schon sachlich kritisiert oder sogar regelrecht angepflaumt. Besonders Ersteres nehmen wir natürlich ernst und als Anregung zuerst zur Selbstreflexion und dann ggf. zur Verbesserung. Mit den Anpöbeleien lernt man umzugehen, wobei man auch hier manchmal Verbesserungspotential für den eigenen Blog ziehen kann. In jedem Fall gilt aber:  Don’t feed the troll. In Einzelfällen bekommen wir auch Anfragen von beitragswilligen Autoren, die wir noch nicht persönlich kannten – Tendenz steigend! Das ist ein schöner Erfolg.

Wie viele Zugriffe haben Sie im Monat auf dem Blog? Inzwischen haben wir zwischen sieben- und achttausend „unique visitors“ im Monat. Die Zugriffszahlen für alle hypotheses-Blogs und die anderen zum übergeordneten Portal „open edition“ gehörenden Websites kann man hier öffentlich einsehen: http://logs.openedition.org/index.php?month=7&year=2014&sort=unique. Mit unseren 7470 “unique visitors” im Juli 2014 gehören wir zu den ersten 5 Prozent aller Seiten auf open edition und befinden uns auf Platz 2 aller Blogs von de.hypotheses.

Was sind die wichtigsten Marketingwege um Ihren Blog bekannt zu machen? Persönliche Gespräche in Verbindung mit Flyern, etablierte Fachportale wie H-Soz-u-Kult und die sozialen Netzwerke, vor allem Twitter und Facebook.

Was wurde bisher mit dem Blog „Mittelalter“ erreicht?
1. Wir konnten schon einigen Wissenschaftlern die Chance bieten, ihr Forschungsvorhaben vorzustellen und eine breite Rezeption zu erfahren. Denn offenbar lesen viele deutsche Mediävisten, aber auch Fachvertreter anderer Länder bereits mit. Wir würden uns natürlich noch mehr aktive Teilnahme wünschen – zum Beispiel in der Kommentarfunktion, zum Beispiel in Form von eigenen Beiträgen.
2. Wir haben von Beginn an auch englischsprachige Beiträge auf dem Blog veröffentlichen wollen und können. Inzwischen sind französischsprachige hinzugekommen.
3. Unsere “1000 Worte Forschung”, “Opuscula” und “Übersetzungen” werden in den schon erwähnten RI-Opac aufgenommen – ein wichtiger Punkt für die Anerkennung im Fach und ein wichtiger Anreiz für neue Autoren, bei uns zu publizieren. Und für uns ein weiterer Anreiz zur Qualitätssicherung.
4. Wir konnten neben den Regesta Imperii weitere institutionelle Unterstützung gewinnen: das Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte am Institut für Geschichte der Technischen Universität Darmstadt und das Deutsche Historische Institut in Rom.
5. Wir hatten in diesem Jahr die Gelegenheit, einen Workshop in Rom zu veranstalten und dazu einige Kollegen aus der mediävistischen Blogszene einzuladen – daraus wird eine gemeinsame Erklärung zur künftigen Nutzung der neuen Medien im Fach hervorgehen, an der wir im Moment arbeiten.

Welche generelle Lehren ziehen Sie aus Ihren bisherigen Erfahrungen?
1. Zuallerst die Lehre, dass es sich gelohnt hat, das Projekt ins Leben zu rufen und unsere Zeit und Kraft darin zu investieren. Unser eigener Eindruck hat sich bestätigt, dass ein interdisziplinär angelegter und epochenübergreifender mediävistischer Blog, der in der deutschsprachigen Mittelalterforschung verankert ist und auf dem auch kleinere wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht werden können, noch fehlt(e). Hätten wir ihn nicht gegründet, hätte es kurz darauf sicher jemand anderes getan.
2. Sodann ist uns bewusst geworden, mit wieviel Gewinn man soziale Netzwerke wissenschaftlich nutzen kann und welche enorme Rezeptionsbreite für den Blog man darüber erreichen kann. Mögen die gedruckten Fachzeitschriften auch noch größeres Renommee haben, in Sachen Rezeptionsbreite verblassen sie gegenüber einem Blog – alle.
3. Ein Blog bedeutet stetige Arbeit und permanenten Entwicklungs- und Verbesserungsbedarf, vielleicht noch mehr als in einem Printmedium, eben weil die Rezeption größer ist und weil erwartet wird, das man schneller reagiert. Um so wichtiger ist es, die Arbeit auf mehrere Schultern und Köpfe verteilen zu können – wir sind alle drei sehr froh, dass wir das Projekt zusammen gegründet haben und gemeinsam fortführen. Unverzichtbar geworden sind ferner auch unser Münsteraner Kollege und seine regelmäßigen Beiträge. Schließlich ist auch die studentische Hilfskraft, die von der TU Darmstadt v. a. für die Rezensionsüberblicke finanziert wird, ebenfalls eine große Hilfe und Entlastung für uns.
4. Schließlich können wir als Lehre noch festhalten, dass es gedauert hat und weiterhin dauert, bis Blogs und Social Media im Fach Anerkennung finden und von Mehrheiten in der Mediävistik genutzt werden. Wir denken aber, dass sich in den letzten Monaten hier Einiges getan hat und hoffen, dass wir mit dazu beitragen können, dass es voran geht.

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