Was ist ein Wissenschafts-Blog? – Da gibt es viele Perspektiven!

Posted on 7. Oktober 2014

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Eine Frage der Sichtweise: Was ist der beste Wissenschaftsblog?

Reiner_Blog_miniIch habe gelernt. Bald steht die Wahl zum Wissenschafts-Blog des Jahres 2014 an. Im letzten Jahr gab es heftige Diskussionen darum, zunächst lehnte es der Erwählte ab, die Auszeichnung anzunehmen, dann gab es hier in diesem Blog und teils auch beim Blog „[sic] science & information communication“ des Kollegen Prof. Alexander Gerber ausführliche Diskussionen zu der scheinbar so einfachen Frage: Was ist ein Wissenschafts-Blog?

Ich habe gelernt? Zunächst einmal, dass man die Frage durchaus aus verschiedenen Perspektiven sehen und unterschiedlich beantworten kann. Deshalb will ich mit diesem Beitrag und diesem Aufruf meine Perspektive erläutern, die sich vielleicht von der Sichtweise von gestandenen Wissenschaftlern unterscheidet. Ich habe gelernt! Teils aus der oben geschilderten Diskussion, vor allem aber aus einem Kommentar des australischen Kollegen John Harland zu meinem Blogpost „Reden wir über uns – Für wen machen wir Wissenschaftskommunikation?“. John schrieb den Satz: „Science describes a mode of looking, not a direction.“ Und wenn man Wissenschaft so versteht, dann eröffnen sich tatsächlich einige Perspektiven.

Was ist denn nun ein Wissenschafts-Blog?

Was ist ein Wissenschafts-Blog? Einem Wissenschaftler fällt die Antwort auf diese Frage sicher leicht: Ein Blog in dem Wissenschaft enthalten ist. Nicht ganz so leicht hat es sich vor kurzem die Kollegin Bettina Wurche in ihrem Blogpost „Was ist eigentlich ein Science-Blog?“ gemacht, als sie versuchte, (ausgerechnet auf dem gleichnamigen Blog-Portal „ScienceBlogs“) eine Definition für „Science-Blog“ zu schaffen. Aber auch sie ist an der Unschärfe der Begriffe mit einer klaren Ja/Nein-Defintion gescheitert. Außerdem ging es bei ihr um Science, also Naturwissenschaft, was die Sache schon wieder einschränkt.

Ein unvoreingenommener Bürger dagegen – Leser, Schüler, Fußballer, Beamter, Politiker, eben Frau oder Mann von der Straße – macht es sich leicht. Für ihn/sie gilt: Ein Wissenschafts-Blog ist ein Blog, auf dem Wissenschaft drauf steht. Würde er/sie es sich nicht leicht machen, hätte er/sie es unsagbar schwer, die Frage zu beantworten: Von allen Seiten strömen Informationen mit dem Anspruch Wissenschaft auf ihn ein: Ob Ginseng-Pulver, Esotherik, Horoskop, Ufos, Urknall, Klimawandel, Krebstherapie oder was auch immer: Es ist für sie/ihn schier unmöglich, die ernstzunehmenden von den unglaubwürdigen Informationen zu unterscheiden. Und niemand soll glauben, dass „Spinner-Blogs“ nur von einer Minderheit wahrgenommen werden. Wenn ich die Zahlen des Wissenschaftsbarometers interpretiere, dann fürchte ich, sind es eher die wissenschaftsnahen Blogs, die nur von Minderheiten gelesen werden. Doch aller Blödsinn auch bei den anderen Blogs wird der Wissenschaft auf die Schultern gelegt, denn schließlich steht außen ja „Wissenschaft“ drauf.

Die Perspektive der Wissenschaftskommunikation

Hier kommt die Wissenschaftskommunikation ins Spiel, mit einer dritten Perspektive. Der Wissenschaftskommunikation kann es nicht egal sein, wenn in der Gesellschaft Dinge unter dem Signum Wissenschaft geschehen, die nichts mit ernsthafter Forschung zu tun haben. Wissenschaftskommunikation kann dies nicht verhindern, es nützt aber auch nichts, einfach nur darüber zu schimpfen. Sie muss sich damit auseinandersetzen, denn Blödsinn dort schlägt wiederum auf das Bild von Wissenschaft in der Gesellschaft zurück. Außerdem bedeutet es, die zweifelnden, offenen, vielleicht auch nur beobachtenden Bürger zu überzeugen, soweit dies geht. Interessiert sind sie ja, sie wissen nur nicht, was Wissenschaft ist und was nicht. Dafür müssen Strategien entwickelt werden. (Ich habe hier leider keine einfache anzubieten, aber dies ist ein wichtiges Thema für die Wissenschaftskommunikation.) Es gilt, sich damit auseinanderzusetzen. Ein energischer Kommentar, oder auch mehrere, genügen da nicht, denn die werden ja nun einmal vor allem von Leuten gelesen, die schon „katholisch“ sind, die sich bei ihrer Meinung und ihren Entscheidungen an Wissenschaft orientieren.

In diesem Blog „Wissenschaft kommuniziert“ geht es um Wissenschaftskommunikation, nicht darum, wissenschaftliche Ansichten oder ihre Ergebnisse zu verbreiten. (Dies ist beispielsweise die Rolle von Forscher-Blogs, die wir hier auf diesem Blog in einer eigenen Reihe unter dem Aspekt Kommunikation beleuchten.) Darum will ich bei der Wahl des Wissenschafts-Blogs des Jahres ganz bewusst auch auf die Blogs aufmerksam machen, um die sich Wissenschaftskommunikatoren kümmern sollten, sie beobachten, sie beurteilen, vielleicht sogar auch zitieren oder kommentieren – eben damit auseinandersetzen. Dies tue ich, indem ich auch sie in die Kandidatenliste mit aufnehme. Ihr Abschneiden zeigt, wie häufig sie gelesen und wie beliebt sie sind: Ein deutliches Signal für Wissenschaftskommunikatoren, sich darum zu kümmern.

Deshalb bin ich offen, in die Kandidatenliste auch Blogs aufzunehmen, die Wissenschaftler auf keinen Fall als Wissenschafts-Blog bezeichnen würden. Ich will auch Kollegen finden, die mich bei der Auswahl unterstützen.

Ich habe gelernt: Leitlinie soll für diesen Blog die Definition von John Harland sein: Wissenschaft ist nicht die Richtung, in die wir schauen, sondern die Art und Weise wie wir die Dinge betrachten. Eine Super-Definition für Wissenschaft. Es gibt keine Themen, die „unwissenschaftlich“ sind, entscheidend ist die Art und Weise, die Dinge zu betrachten.

Aufruf: Nennen Sie Kandidaten für den Wissenschafts-Blog des Jahres!

Die Wahl des Wissenschafts-Blogs des Jahres 2014 steht an: In diesem Jahr zum vierten Mal die Publikumswahl für den beliebtesten Blog im Feld der Wissenschaft. Machen Sie hier Vorschläge (Bitte als Kommentar unten posten)! Die Vorschläge werden von einem Redaktionsteam geprüft und durch eigene Vorschläge ergänzt. Dabei spielen die Inhalte und die oben geschilderten Perspektiven der Blogs für die Wissenschaftskommunikation ebenso eine Rolle wie die Bedeutung als Meinungsträger (Richtschnur soll hier, wie in den vergangenen Jahren,  das ebuzzing-Ranking der einflussreichsten Wissenschaftsblogs sein), vor allem aber die Definition von John Harland: Entscheidend ist die Betrachtungsweise.

Vorschläge, die nicht hier oder in Kommentaren zu den Wissenschafts-Blogs 2012, Wissenschafts-Blog 2013 oder zur Diskussion um die Wahlen eingebracht worden sind (sondern etwa per E-Mail), können aus Gründen der Transparenz nicht berücksichtigt werden.

 

 

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