Der große Preis – Geld für die Wissenschaftskommunikation

Posted on 4. November 2014

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Ehre durch den bundespräsidenten - Das Preisgeld stiften Nolte, König und Sutter zum größten Teil für die Wissenschaftskommunikation. (Foto: )

Ehre durch den Bundespräsidenten – Das Preisgeld stiften Nolte, König und Sutter (v.l.) zum größten Teil für die Wissenschaftskommunikation. (Foto: S.Pilick/DZP )

Es tut jedem Menschen gut, wenn ihm jemand auf die Schulter klopft und sagt: Gut gemacht. Besonders gut tut dies auch Wissenschaftlern, deren Ego oft ausgeprägt, deren persönliche Leistung im gesellschaftlichen Leben aber – außer in Sonntagsreden und bei Nobelpreisen – selten genug gesehen und gewürdigt wird.

Umso besser, wenn dies der höchste Repräsentant unserer Gesellschaft tut, der Bundespräsident. Dies ist auch der besondere Wert des Deutschen Zukunftspreises, den der Bundespräsident seit 17 Jahren für exzellente Erfindungen und Entwicklungen verleiht. Die 18. Verleihung findet am 19. November in Berlin statt (TV-Übertragung im ZDF am gleichen Abend um 22.15 Uhr) Er bringt viel Ehre von allen Seiten und ist auch noch verbunden mit einem ansehnlichen Preisgeld von 250.000 Euro.

Preise sind Chancen - Der Zukunftspreis des Bundespräsidenten

Viel Ehre und ein ordentliches Preisgeld – Der Zukunftspreis des Bundespräsidenten

Was die Preisträger mit dieser Summe machen, bleibt meistens unbekannt. Die drei Preisträger des letzten Jahres aber hatten eine besondere Idee: Sie wollten damit nicht etwas Gutes für sich, sondern für die Wissenschaft tun. Dr. Jens König von Bosch, Dr.  Dirk Sutter von Trumpf und Prof. Stefan Nolte (Universität Jena) spendeten ihr Preisgeld – oder besser das, was nach Abzug der Unkosten übrig bleibt (fast 200.000 Euro) – für die Wissenschaftskommunikation.

Unkosten? Nun, das erste, was sie taten, war alle, aber tatsächlich auch alle, die an der Entwicklung ihrer “Ultrakurzpuls-Lasertechnik für die industrielle Fertigung“ beteiligt waren, zu einer großen Feier einzuladen.

Das Prinzip Untrakurzpuls-Laser an einem Zündholzkopf demonstriert.

Das Prinzip Untrakurzpuls-Laser im Deutschen Museum an einem überdimensionalen Zündholzkopf demonstriert. (Foto: DZP)

Im Deutschen Museum: Das Prinzip Ultrakurzpuls-Laser an einem überdimensionalen Zündholzkopf demonstriert. (Foto: DZP)

Die fand dieser Tage im Deutschen Museum in München statt: Über 300 Leute kamen da zusammen, von Doktoranden der Universität Jena, die irgendwelche Details der Entwicklung geklärt hatten, bis zu den Forschungsmanagern der großen Firmen, die Entwicklungskosten (und auch die Bewerbung um den Zukunftspreis) in ihren Häusern durchgesetzt hatten.

Sie kamen aus Stuttgart, Ditzingen und Jena in Bussen nach München und sie feierten, genossen Technikgeschichte im Deutschen Museum und spielten am Ausstellungsmodell in der Abteilung „Deutscher Zukunftspreis“, wie man mit Laserstrahlen auf einen Streichholzkopf das Logo des Zukunftspreises graviert (ohne das Zündholz anzuzünden!). Anmerkung am Rande: Es ist schon außergewöhnlich und ehrenwert genug, dass auch all die an der Feier teilhaben konnten, die sonst nicht einmal zu Präsentationen eingeladen werden, obwohl sie die Kleinarbeit zu den großen Entwicklungen leisten.

Eine Mitmach-Werkstatt für die Forscher der Zukunft

Und der Rest des Geldes? (Denn auch 300 Leute können so schnell keine 250.000 Euro verfeiern.) Was nach dieser Feier übrigbleibt, so wurde dort verkündet (na gut, die teure Trophäe soll vom Preisgeld auch noch dupliziert werden, damit jeder der drei Partner eine im Schrank hat. Verständlich.), geht als Spende an das Deutsche Museum zum Aufbau einer Mitmach-Werkstatt für große und kleine Besucher.

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In Geberlaune – Die drei Zukunftspreisträger mit Museumsdirektor Prof. Heckl bei der Ankündigung der Spende. (Foto: Deutsches Museum)

Im Herbst nächsten Jahres soll die „Experimentier-Werkstatt“ im Deutschen Museum in München (natürlich erst einmal mit Themen der Optik) eröffnet werden. Gedacht ist sie vor allem für Kinder ab dem Grundschulalter. Einmal die Woche steht die Experimentier-Werkstatt allerdings allen Besuchern offen. Dann können Mütter, Väter und Kinder gemeinsam erleben, was die drei Preisträger und großzügigen Spender an Forschung so fasziniert: Neues entdecken, Probleme lösen, Wege zu gehen, die vorher niemand gegangen ist.

Die Physik-Ingenieurin Jutta Schlögl, im Deutschen Museum Projektleiterin für die Experimentier-Werkstatt, beschreibt die Pläne so: „Es wird experimentiert, getüftelt und konstruiert. Verblüffendes und Faszinierendes, physikalische Spielereien und kuriose Erfindungen wecken die Neugier der Besucher, inspirieren zu eigenen Ideen und der Verknüpfung von Wissenschaft und Technik mit künstlerischen Aspekten.“

Weitersagen: Preisgelder für die Wissenschaftskommunikation

Kinder und Schüler sind eine besonders wichtige Zielgruppe für die Wissenschaftskommunikation. Nachteil dieser Zielgruppe allerdings: Erfolge werden erst sehr, sehr langfristig sichtbar, nämlich erst dann, wenn die Kinder als junge Menschen einen naturwissenschaftlich/technischen Beruf ergreifen, oder als Erwachsene offener sind für wissenschaftliche, rationale Argumente. Die Öffnung der Experimentier-Werkstatt für Familien könnte da sehr viel kurzfristigere Erfolge bringen, nämlich dass die Eltern angesteckt werden durch die Entdeckerfreude ihrer Kinder und sich eher für Wissenschaftliches interessieren.

Es gibt hunderte verschiedener Preise in der Wissenschaftslandschaft, teils mit ein paar tausend, teils aber auch sehr viel reichlicher dotiert. Was machen eigentlich all die vielen Preisträger mit ihren Preisgeldern? Ich denke, die drei Zukunftspreisträger haben da ein bemerkenswertes Vorbild geschaffen, das gern Nachahmer finden darf. Für die Wissenschaftskommunikation ist das Geld besonders gut angelegt, denn in kaum einem anderen Feld des wissenschaftlichen Lebens, vor allem der Naturwissenschaften, ist schon mit wenig Mitteln so viel zu erreichen (mit mehr natürlich viel mehr), wie in der Kommunikation. Das dürfen Wissenschaftskommunikatoren gern auch bei passender Gelegenheit ihren Forschern erzählen.

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