Klaus Tschira – Ein Motor der Wissenschaftskommunikation

Posted on 1. April 2015

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Klaus Tschira - Wissenschaft in der Gesellschaft verankern.

Klaus Tschira – Wissenschaft in der Gesellschaft verankern.

Klaus Tschira ist tot: Ein Verlust, vor allem auch für die Wissenschaftskommunikation. Als großzügiger Geldgeber, ideenreicher Förderer und engagierter Mitstreiter hatte er sich dem Ziel gewidmet, Wissenschaft vom Rande in die Mitte der Gesellschaft zu bringen und wurde mit seiner Klaus Tschira Stiftung zu einem der wichtigsten Motoren der Wissenschaftskommunikation in Deutschland.

Klaus Tschira (rechts) mit sechs Preisträgern des Klartext-Wettbewerbs. (Foto: Tschira Stiftung)

Klaus Tschira (rechts) mit sechs Preisträgern des Klartext-Wettbewerbs. (Foto: Tschira Stiftung)

In den Medien steht viel über den „stillen Stifter“, der – leutselig und bodenständig – nach der Gründung (zusammen mit vier Kollegen) und dem Rückzug aus dem Softwareriesen SAP seinen Reichtum für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellte. Bei der Klaus Tschira Stiftung stand vor allem die Wissenschaftskommunikation im Mittelpunkt. Ob der Wettbewerb Klartext! mit Schulung für Doktoranden, bei denen eine verständliche Darstellung ihrer Promotionsarbeit gefordert wurde, ob Ausstellungs-Häuser für die Astronomie in Heidelberg oder Garching, ob

Mit Tschira-Unterstützung: Super-Galaxie als Haus der Astronomie in Heidelberg.

Mit Tschira-Unterstützung: Super-Galaxie als Haus der Astronomie in Heidelberg.

Zuschüsse für das im Aufbau befindliche Science Media Center oder das Forum Wissenschaftskommunikation oder ob die großzügige Gründung des Nawik, des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation in Karlsruhe – wenn Tschira von einem Projekt überzeugt war, dann gab es auch die benötigten Mittel. Während seine Mitgründer etwa Bundesligavereine finanzierten, Golf-Ressorts und Trainingsplätze für die Fußball-Nationalmannschaft bauten, ging es dem Physiker Tschira um die Wissenschaft und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. Entsprechend engagiert wirkte er in seiner Stiftung mit, mischte sich auch in einzelne Projekte und Detailfragen ein, wie Carsten Könneker in einem Nachruf beschreibt.

Voller Ideen - ESO Supernova als Astronomiezentrum in Garching mit Tschira-Unterstützung.

Voller Ideen – ESO Supernova als Astronomiezentrum in Garching mit Tschira-Unterstützung.

Große Persönlichkeiten sind meist nicht unbedingt einfache Menschen. Sie haben ihre Vorstellungen und auch ihre Ideen, wie sie zu verwirklichen sind. Dadurch sind sie groß geworden. Das galt auch für Klaus Tschira. Ich selbst hatte nur kurze persönliche Berührungspunkte mit ihm. Und dennoch rieb ich mich an Vielem, was er initiierte. Sein Grundverständnis von Wissenschaftskommunikation war ein anderes als meines. Während ich davon ausgehe, dass die Wissenschaft für eine bessere Kommunikation und Verankerung in der Gesellschaft vor allem auch anfangen muss, der Gesellschaft zuzuhören sowie auf ihre Entwicklungen und Bedürfnisse einzugehen, glaubte Tschira daran, dass es vor allem darum geht, dass die Forschenden ihre Arbeit besser darstellen. Und damit meinte er die Wissenschaftler selbst, nicht etwa fachkundige Unterstützer wie Forschungssprecher.

Und trotz der unterschiedlichen Ansatzpunkte (oder vielleicht gerade deswegen) habe ich von ihm gelernt: Zentrale Figur der Wissenschaftskommunikation ist der Wissenschaftler. Er muss Kommunikation wirklich wollen – bloße Lippenbekenntnisse, wie sie etwa vor kurzem in der Leopoldina-Umfrage zur Synthetischen Biologie zutage kamen oder Hilflosigkeit, wie ich sie beim Projekt einer großen Wissenschaftsinstitution erlebt habe, oder gar das verbrämte Bestreben, möglichst konfliktlos an möglichst viele Fördergelder zu kommen, führen genau zum Gegenteil – Verlust an Glaubwürdigkeit, Misstrauen, Interessenorientierung.

Wissenschaft muss in der Mitte der Gesellschaft verankert werden – durch Kommunikation. Und dies müssen vor allem die Wissenschaftler selbst wollen. Das ist die große Botschaft des Forschers, Unternehmers und Mäzens Klaus Tschira. Die Wissenschaftskommunikation in Deutschland wird ihn vermissen.

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