Akademienunions-Präsident Hatt: Wissenschaft ist zur Kommunikation verpflichtet

Posted on 8. März 2016

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Der Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Professor Hanns Hatt (Ruhr-Universität Bochum) betont die Rolle der Wissenschaftskommunikation: Die Gesellschaft muss an der Wissenschaft teilhaben können. Ein Interview von „Wissenschaft kommuniziert“.

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Wissenschaft kommuniziert: Herr Professor Hatt, die Gesellschaft, die ja die Wissenschaft trägt, befindet sich in rasanter Veränderung. Wie findet da die Wissenschaft ihre Rolle zu dieser Gesellschaft?

Hatt: Es ist, glaube ich, unbestritten, auf allen Ebenen –  vom aktiven Forscher, über die Landesakademien bis hin zur Union der Akademien der Wissenschaften – , dass die Gesellschaft einen Anspruch darauf hat, an den Wissenschaften teilzuhaben. Wer zahlt, hat zumindest ein Recht zu erfahren, was mit dem Geld passiert ist, das er gegeben hat. Deswegen war es für mich persönlich immer wichtig darauf hinzuweisen, in allen meinen Funktionen –  als Einzelwissenschaftler, als Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste sowie als Präsident der Akademienunion -, dass alle, die in der Wissenschaft im weitesten Sinne tätig sind, die Pflicht und Schuldigkeit haben, mit der Gesellschaft zu kommunizieren. Dass wir vermitteln, was wir in der Wissenschaft machen und welche Auswirkungen das haben kann. Ich sehe es als eine zentrale Aufgabe, das Verhältnis so zu entwickeln, dass sich die Wissenschaft ihrer Verpflichtung bewusst ist, die Gesellschaft an ihrer Arbeit teilhaben zu lassen und Handlungsempfehlungen abzugeben. Ich denke aber auch, dass die Gesellschaft aus dieser Information gewisse Verpflichtungen ableiten sollte.

Wissenschaft kommuniziert: Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Veränderungen in der Gesellschaft, etwa die zunehmenden Forderungen nach Transparenz, nach Partizipation, bis hin zur direkten Teilhabe der einzelnen Bürger. Und das Verhältnis zur Wissenschaft?

Hatt: Zunächst einmal grundsätzlich: Die Unabhängigkeit der Wissenschaft ist auf der einen Seite ein ganz hohes und hehres Gut, und ist deshalb auch im Grundgesetz zu recht verankert. Auf der anderen Seite aber kann es eine völlige Unabhängigkeit gar nicht geben. Man lebt als Wissenschaftler nicht im luftleeren Raum. Allein die Kosten der Forschungsprojekte sind so hoch, dass man dafür finanzielle Mittel einwerben muss. Und jede Art der Mitteleinwerbung bedeutet andererseits auch schon wieder eine Einschränkung der völligen Unabhängigkeit. Zunehmend wird die Forschungsausstattung an bestimmte Leistungsparameter (sog. Drittmittel) gekoppelt, und wenn ich diese Parameter nicht erfüllen kann, wird reduziert. So muss ich schon bei der Themenauswahl mit berücksichtigen, ob dieses Thema denn Chancen auf eine entsprechende Fördersumme  hat. Die völlige Freiheit der Wissenschaft – ich weiß gar nicht, ob es sie jemals gab – die gibt es heute nicht.

Aber der Forscher muss natürlich weiterhin die Möglichkeit haben, an genau den Themen zu arbeiten, die er für richtig hält, zugleich mit einem Anteil an Verpflichtung, bei dem, was er macht, die Gesellschaft und die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen. Eine autistische Wissenschaft, der es genügt, wenn der Wissenschaftler etwas weiß, kann nicht die richtige sein. Es ist ein Geben und Nehmen, wobei die Wissenschaft gefordert ist, zum einen ihre Freiheit zu erhalten, aber auch die „big challenges“ in der Gesellschaft in ihr Forschungskonzept miteinzubeziehen.

Wissenschaft kommuniziert: Welche Rolle spielt in diesem Geben und Nehmen die Kommunikation der Wissenschaft?

Hatt: Die Kommunikation findet ja auf ganz verschiedenen Ebenen statt. Als Einzelwissenschaftler kann ich von mir selbst sagen, dass ich Freude daran habe, aber auch eine gewisse Verpflichtung spüre, für die vielen Mittel, die mir zur Verfügung gestellt werden, etwas zurückzugeben: indem ich kommuniziere, informiere, versuche, die anderen zu begeistern. Weil ich ja selbst so begeistert bin, will ich das bei den anderen Menschen natürlich auch erreichen. Das ist mir nicht nur eine Verpflichtung, sondern ein echtes persönliches Anliegen.

Auf der Ebene der Wissenschaftsakademien: Sie haben sich alle – im Gegensatz zu vor vielleicht zwanzig Jahren – inzwischen die Worte Kommunikation, Dialog und Diskurs mit der Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik ganz oben auf die Fahne geschrieben. Alle Akademien haben inzwischen ihren Elfenbeinturm verlassen. Da hat sich eine Menge getan. Und wenn ich mir die Veranstaltungsprogramme der acht deutschen Akademien der Wissenschaften ansehe, dann gibt es heute schon fast ein Überangebot  an öffentlichen Veranstaltungen zu Themen aus allen Bereichen der Wissenschaften,  um die doch oft sehr komplexen Inhalte für die Gesellschaft verständlich darzustellen und öffentlich zu diskutieren..

Die Union selbst versucht, zusammen mit der Nationalakademie Leopoldina und der Akademie der Technikwissenschaften acatech, wichtige Themen zu identifizieren, die akademienübergreifend von gesamtdeutscher  Bedeutung sind, und diese gemeinsam zu bearbeiten. Wir haben im Moment knapp ein Dutzend Arbeitsgruppen, die sich mit bundespolitisch wichtigen, wissenschaftlich relevanten Themen beschäftigen und dazu Stellungsnahmen erarbeiten. Das wird inzwischen als absolute Notwendigkeit gesehen. Im Bereich Kommunikation hat sich extrem viel in den letzten Jahren getan, wobei wir nicht vergessen sollten, dass unsere Stellungnahmen keinerlei Verbindlichkeitscharakter für die Politik haben können, sondern dass sie nur den wissenschaftlichen Sachverhalt korrekt darstellen, diesen mit allen Für und Wider diskutieren und daraus Handlungsempfehlungen ableiten können.

Wissenschaft kommuniziert: Wenn ich mir das erforderliche Zeitbudget und die Komplexität von guter Kommunikation ansehe, ist da ein Wissenschaftler allein nicht überfordert? Schließlich ist seine Aufgabe ja zuerst, gute Wissenschaft zu machen.

Hatt: Das ist sicher individuell unterschiedlich. Ich selbst habe für meine Bücher über das Riechen eine exzellente Wissenschaftsjournalistin, Regine Dee, eingebunden, von der ich glaubte, dass sie die Forschung so beschreiben kann, dass sie den Wahrheitsgehalt behält und die Ergebnisse zugleich interessant und unterhaltsam darstellt, dass die Leute Spaß daran haben, so ein Buch zu lesen. Denn ich habe erkannt, dass ich als Wissenschaftler – obwohl ich gewisse kommunikative Fähigkeiten besitze – damit überfordert bin. Dasselbe gilt für alles, was wir hier an der Universität oder an meinem Lehrstuhl erforschen. Letztlich  sind auch für die Kommunikation fachspezifische Kenntnisse erforderlich und jeder hat seine Fähigkeiten und seine Ausbildung und sollte diese möglichst optimal einsetzen. Es ist  klar, dass ein Wissenschaftskommunikator oder ein Wissenschaftsjournalist schon aufgrund seines Studiums entsprechende Voraussetzungen mitbringt, um  auch komplexe Inhalte der Öffentlichkeit zu vermitteln, über die ein Wissenschaftler mit seiner Ausbildung nicht unbedingt verfügt. In Bayern sagt man dazu: Sonst wäre er ja „a g’lernter Depp“. Das ist für mich der klassische Spruch, der auch für die Kommunikation der Wissenschaft gilt.

Wir hier an der Universität Bochum haben z.B. eine sehr professionelle Pressestelle. Es ist jedes Mal für mich ein Vergnügen, wenn ich denen meine wissenschaftliche Publikation gebe und sehe, was dann als Pressemitteilung daraus wird. Das sind Profis und ich bin dankbar dafür. Und ich denke an anderen Stellen, wo das nicht so ist, haben die Wissenschaftler tatsächlich echte Kommunikationsprobleme. Ich lese manchmal auch Artikel – etwa im Informationsdienst Wissenschaft – bei denen ich denke: gut geschrieben ist er nicht, verständlich ist er auch nicht, manchmal ist er leider nicht einmal bedeutsam. Es ist offensichtlich für die Verantwortlichen in den Pressestellen auch ein schwieriges Problem, die Themen so zu filtern, dass sie nicht nur das Interessante an einer wissenschaftlichen Arbeit sehen, sondern auch den wissenschaftlichen Wert. Denn wenn wir die Öffentlichkeit mit allem überschwemmen, was die Wissenschaft überhaupt produziert, dann ist das kontraproduktiv. Ich halte es daher auch für sehr wichtig, dass sich die Journalisten und Wissenschaftskommunikatoren der Verantwortung bewusst sind, wissenschaftliche Qualität zu erkennen und das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.

Wissenschaft kommuniziert: Sie sprechen an, was Kommunikatoren können sollten, und schließlich ist Kommunikation etwas sehr Komplexes. Auf der anderen Seite gibt es an deutschen Universitäten keine gezielte Ausbildung für Wissenschaftskommunikation. Wäre es nicht eine Aufgabe der Akademien, hier den Finger in die Wunde zu legen und etwas für eine vernünftige Ausbildung der Kommunikatoren zu tun?

Hatt: In der Tat gehört es zu den Aufgaben der  deutschen Wissenschaftsakademien nicht nur Forschungsarbeit zu leisten und z.B. als Union das größte geisteswissenschaftliche Forschungsprogramm zur Bewahrung unseres kulturellen Erbes zu koordinieren. Wir sind auch, ich sagte es schon, zusammen mit Leopoldina und Acatech aufgerufen, Gesellschaft und Politik zu informieren und zu beraten. Hierzu sind hervorragend geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pressestellen der Akademien notwendig. Dies kann nur mit einer exzellenten Ausbildung von jungen Kommunikatoren an Universitäten und Fachhochschulen erfolgen. Es ist in der Tat schade, dass bei den hunderten verschiedenen Masterstudiengängen, die an den Universitäten inzwischen angeboten werden, es keinen für Wissenschaftskommunikation gibt, und der Studiengang „Wissenschaftskommunikation“ nur an wenigen Fachhochschulen angeboten wird. Das hat mich schon gewundert, als ich das gesehen habe. Dabei wäre dies so wichtig, denn die Wissenschaftler müssen, was die Kommunikation mit der breiten Öffentlichkeit angeht, von dem Reputationsverlust wegkommen.

Es ist leider immer noch so, dass ein Wissenschaftler, der populärwissenschaftliche Bücher schreibt und populäre Vorträge hält, in der Wissenschaft einen sehr starken Reputationsverlust befürchten muss, wenn er sich nicht durch hochkarätige wissenschaftliche Veröffentlichungen unangreifbar macht. Das spüre ich immer wieder. Ich habe glücklicherweise viele gute Publikationen zu bieten, aber die Kollegen, die nicht das Glück haben oder ein entsprechendes Forschungsthema bearbeiten, das ihnen den Zugang in die Top-Journale nur schwer erlaubt, bekommen in ihrer „Community“ Probleme, wenn sie hohe Medienpräsenz haben. Da wäre es ebenfalls gut und wünschenswert, wenn es einen  Puffer zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit gäbe, wodurch der manchmal auftretende Neid oder die Missbilligung der Kollegen etwas abgefangen würde.

Es ist ja klar, dass wir – wenn wir mit der Gesellschaft kommunizieren wollen – die Menschen dort abholen müssen, wo sie sind. Das heißt, man muss vom höchsten wissenschaftlichen Niveau verbal etwas heruntersteigen und versuchen, das, was man Großartiges geforscht hat, auch tatsächlich verständlich zu erklären. Wenn man sich ein bisschen Mühe gibt – und das tun leider noch zu wenige Kollegen – kann man tatsächlich komplexe Sachverhalte auch verhältnismäßig anschaulich darstellen. Aber das kostet Zeit und Mühe. Und für Kollegen, die nicht selbst das Talent dafür haben, wären die Wissenschaftskommunikatoren eine wertvolle Unterstützung.

Wissenschaft kommuniziert: Kommunikationsanforderungen heute gehen ja weit über die Mitteilung von wissenschaftlichen Erkenntnissen hinaus. Da geht es etwa um Dialogformate oder Politikberatung, um die vielfältigsten Wege der Kommunikation. Das ist ein enormer organisatorischer Aufwand. Sehen Sie auch da eine Überforderung des Wissenschaftlers, wenn er ohne professionelle Helfer auf sich allein gestellt ist?

Hatt: Das ist immer auch eine Geldfrage. Ich sehe das etwa bei den drei Vereinigungen, die im Ständigen Ausschuss der Nationalen Akademie der Wissenschaften zusammenarbeiten – Akademienunion, Leopoldina und acatech. Hier ist die Ausstattung der Pressestellen und Stellen für Öffentlichkeitsarbeit recht unterschiedlich. Oft ist ein ganzes Team mit einzelnen Projekten beschäftigen, sowohl bei den inhaltlichen, wie bei den organisatorischen Fragen. Das ist ein großer Vorteil. Das kann ich nur nachdrücklich unterstützen. Man sieht es auch bei den gemeinsamen Arbeitsgruppen: Es kommt viel mehr dabei heraus, wenn jemand vor den beteiligten Wissenschaftlern das Thema schon einmal erkundet hat, und dann bei allen Treffen der  Arbeitsgruppen bereits Wissenschaftskommunikatoren dabei sind, hautnah die Diskussionen miterleben, Protokolle  und den Output mitorganisieren. Damit sind Wissenschaftler zeitlich überfordert.

Wissenschaft kommuniziert: Nun sind Akademien schon Dachorganisationen. Wie sieht es aus, wenn Sie an einzelne Institute oder gar den einzelnen Forscher denken?

Hatt: Die haben kaum eine Chance. Das ist wirklich ein Problem. Die großen Universitäten und die Exzellenzuniversitäten haben längst erkannt, dass sie  gut beraten sind, Geld in den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit zu investieren. Aber kleinere Universitäten oder kleinere Forschungseinheiten, die jeden Euro dreimal umdrehen müssen, für die ist es wirklich schwierig. Es geht ja nicht nur darum, dass sie überhaupt jemanden für die Wissenschaftskommunikation haben, das sollten natürlich auch hervorragende Leute sein.

Wissenschaft kommuniziert: Im Moment läuft der zweite Teil der Akademienstudie „Zum Verhältnis von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien“. Welche Impulse wird sie geben?

Hatt: Im ersten Teil der Studie ging es uns vor allem darum, zu zeigen, dass die Wissenschaft eine sachliche Expertise als Kern ihrer Kommunikation sieht, die aufklärerische Positionen einnimmt. Und dass man zeigt, dass beide Seiten – die Wissenschaft und die Medien – vor allem zuverlässige Informationen geben sollten. Dass keiner dabei übertreibt – jeder will heutzutage zuspitzen, die Wissenschaft,  um Imagegewinn zu haben, die Medien, weil nur noch die spektakulärsten Meldungen wahrgenommen werden. Es ging darum, dass man ehrlich miteinander umgehen muss, da es sonst  zu Reaktionen in der Öffentlichkeit und Politik kommt, die nicht den von der Wissenschaft gewollten kommunizierten Informationen entsprechen.

Bei dem zweiten Teil der Studie, der sich um die Auswirkungen der Digitalisierung der Kommunikation dreht, bin ich gespannt, was da herauskommt. Welche Bedeutung haben die sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation? Wie wirkt sich der direkte Kontakt des Wissenschaftlers mit der Zielgruppe/Öffentlichkeit aus und inwieweit gefährden kostenlose Internetangebot die journalistische Qualität? Hier entsteht  eine neue, eigene Welt. Ich sehe da zunächst einmal die Schwierigkeit, die Informationen zu filtern, und dann das Problem zu lösen, dass sich alles noch schneller verbreitet und nicht mehr aus dem Netz entfernt werden kann. Umso wichtiger ist es, dass wir die Wissenschaftskommunikation seriös betreiben und hohe Anforderungen an das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung stellen.

Wissenschaft kommuniziert: Das bringt uns zurück zur Rolle der Akademien. Was können sie leisten zu einer besseren Wissenschaftskommunikation, und was wollen sie leisten?

Hatt: Was wir seit einigen Jahren leisten, ist, dass alle Akademien den Dialog und den Diskurs der Forschung mit Gesellschaft, Politik und Wirtschaft  stark intensiviert haben. Es gibt viele öffentliche Veranstaltungen, die Akademien sind nicht länger ein „Closed Shop“ wo sich Gelehrte hinter verschlossenen Türen zur Diskussion treffen. Die Akademien  übernehmen durch diesen Wissenstransfer auch Bildungsaufgaben. Es ist der Versuch der Wissenschaft, die immer komplexer werdenden Informationen – gerade aus den Naturwissenschaften, der Medizin und den Ingenieurwissenschaften – in einer Form aufzubereiten, dass Politik, Öffentlichkeit und Gesellschaft daran teilhaben können und die Essentials daraus verstehen.

Wir hoffen, dass wir damit zwei Dinge zeigen: Erstens, wie wichtig die Wissenschaften generell für die Zukunft und den Fortschritt unseres Landes sind, und zweitens, hier spreche  ich explizit die Geisteswissenschaften an, um unser kulturelles Erbe zu bewahren. Hinzu kommt, und man kann gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften in unserer heutigen technologisierten Zeit  sehr viel mehr beteiligt werden sollten, wenn ich an Themen wie „Industrie 4.0“ oder an den „Wechsel des Energiesystems“ denke. Für diese großen gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen brauchen wir die Geistes- und Sozialwissenschaften, um die Auswirkungen der Technologieveränderungen auf den Menschen und auf die Sozialsysteme zu verstehen, zu lenken und zu beherrschen. Wenn wir diese nicht mit einbeziehen, würden technologische Veränderungen in unserer Gesellschaft schief laufen. Darin sehen wir als Akademienunion eine unserer wichtigsten Aufgaben, da wir die einzigen sind, bei denen die geistes- und sozialwissenschaftliche Expertise in größerem Umfang vertreten ist: Die Gesellschaft in diesem großen technischen Wandel, in dem wir uns befinden, teilhaben zu lassen, welche enormen Auswirkungen diese Veränderungen auf die sozialen und gesellschaftlichen Strukturen haben. Unabhängig von der Politikberatung, denke ich, haben die Akademien damit eine zunehmend wichtigere Rolle in der Gesellschaft.

Der Biologe und Mediziner Prof. Hanns Hatt, Inhaber des Lehrstuhls für Zellphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum, wurde als Wissenschaftler bekannt durch seine international herausragenden Forschungen zum Riechen. Er war der erste weltweit, der einen menschlichen Riechrezeptor isolieren konnte, inzwischen konnte er die vielfältige Rolle von Riechrezeptoren im gesamten Organismus zeigen. Ebenso bekannt wurde er durch seine anschaulichen Vorträge und durch drei populäre Bücher zum Riechen.

Seit September 2015  ist Prof. Hanns Hatt Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaft, der sogenannten Akademienunion. Von 2010-2015 war er zudem Präsident einer der Mitgliedsakademien der Akademienunion,  der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, Zu seinen vielen Auszeichnungen gehören neben dem Philip Morris Forschungspreis (2005) und dem Robert Pfleger Forschungspreis (2010), auch der Communicatorpreis (2010)für die Vermittlung der Wissenschaft in die Öffentlichkeit  und laut Wikipedia auch die Bierkutschermütze der Privatbrauerei Moritz Fiege (2015) für sein Verdienste um das Gemeinwohl im Ruhrgebiet.