Große Vorbilder aus Göttingen – Der „March for Science“ lebt fort! (3)

Posted on 18. Mai 2017

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Einmal, als Fakten für politische Absichten verdreht und verfälscht wurden, haben auch in der Geschichte der Bundesrepublik Wissenschaftler direkt in die gesellschaftliche Debatte eingegriffen, mit Erfolg: Die Göttinger Achtzehn. Pastor Ludger Gaillard sieht sie als Vorbilder für die heute notwendige Verantwortung von Wissenschaftlern. Er sprach beim „Marsh for Science“ in Göttingen.

#ScienceMarchGOE

Pastor Ludger Gaillard rief die Historie des gesellschaftlichen Engagements von Wissenschaft in Erinnerung. Er sprach beim „March for Science“ in Göttingen.

Es war eine Sternstunde für Göttingen und die öffentliche Verantwortung der Wissenschaft.

  • Vor fast genau 60 Jahren veröffentlichten 18 Göttinger Atomwissenschaftler (u. a. Max Born, Otto Hahn, Werner Heisenberg, Carl Friedrich von Weizsäcker) ihren Einspruch gegen die von Adenauer und Strauß angestrebte Aufrüstung Westdeutschlands mit taktischen Atomwaffen – aus zwei Gründen:
    • politisch, weil diese Kernwaffen in Deutschland den prekären Frieden für unser Land im Kalten Krieg extrem gefährden würden;
    • wissenschaftlich, weil die gefährliche Qualität von Nuklearwaffen von deutschen Politikern fahrlässig verharmlost und die Öffentlichkeit unverantwortlich getäuscht wurde (Adenauer: „Weiterentwicklung der Artillerie“).
  • Das Manifest der „Göttinger Achtzehn“ vom 12. April 1957 kann ein Anstoß sein für die heutige Wahrnehmung von Verantwortung in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.
    • Es geht darum, wissensbasiert und ethisch grundiert gegen Verdrehung und Verleugnung von Wahrheit, gegen Lüge und Unsinn die Stimme zu erheben: dass
      • (karikierend) die Erde nach wie vor eine Scheibe sei;
      • der Klimawandel ein Hirngespinst überdrehter Experten und eine chinesische Propagandalüge sei;
      • der Abwurf einer „Mutter aller Bomben“ eine rationale Politik ersetze;
      • komplizierte Problemlagen wichtiger Länder illusionär durch eine „Rolle rückwärts“ in ein „great again“ oder eine „grandeur de la nation“ gelöst würden.
    • Wer die Verantwortung für Wohl und Wehe der Welt hat, muss sich den Fakten der hochkomplexen, hochgefährdeten Moderne stellen!
    • Wer Wissen generiert, „schafft“, muss laut werden!

Wie damals, 1957, aus Göttingen. Die „Erklärung“ hatte große Wirkungen, vor allem auf Dauer.

Ebenso heute, aus Göttingen und von überall muss gelten: das Denken öffentlich machen für „Wege in der Gefahr“ (so C. F .v. Weizsäcker), für Wege aus der Gefahr.

Ein anderes Verhalten können wir uns nicht leisten.

Bisher erschienen:

Demnächst: Martin Stratmann: „Freiheit der Wahl“

Diese und weitere Beiträge der Reihe mit den interessantesten Reden zum „Marsch für die Wissenschaft“ in Deutschland.

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