Ein Science-Thriller, der am Layout scheitert – Eine Rezension

Posted on 22. November 2018

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Was für ein schönes Buch, so könnte ich über diesen spannenden Wissenschafts-Thriller „Alpha Deus“ schreiben, den der bekannte Wissenschaftsjournalist Wolfgang Chr. Goede in diesen Wochen vorgelegt hat. Spannend, unterhaltsam, mit vielen Fakten zu potenziellen Folgen neuester wissenschaftlicher Entwicklungen, aber auch mit der notwendigen Phantasie, um über ihre gesellschaftlichen Auswirkungen zu schreiben und die Verwirrungen, die sie in Politik und den Medien auslösen. Aber nicht nur das: Goede lässt in seinem Thriller den Leser auch eine Ecke der Welt kennenlernen, ihre oft grausame Geschichte, aber auch das Denken der Menschen dort verstehen, die wir normalerweise viel zu wenig im Blick haben: Mittel- und Südamerika, ganz besonders Kolumbien. Und dies mit dem Blick aus dem Inneren, nicht von Draußen, denn dieses Land ist die zweite Heimat Goedes.

Worum geht es? Ein Thriller muss Entwicklungen überspitzen, dramatisieren, kriminalisieren, auch wenn er dabei eigentlich auf spannende Weise versucht, wissenschaftliche Erkenntnise und Prozesse zu vermitteln. Deshalb geht es um eine Verschwörung, den Technologisch-Informationellen-Komplex, der das Weltklima bedroht und zusammen mit seinen Computern die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Dieser Komplex riskiert sogar den Ausbruch eines neuen Weltkriegs. Zugespitzt wird das Ganze durch die Macht der künstlichen Intelligenz, die in steuernden, miteinander konkurrierenden Zentralcomputern längst den Menschen ein großes Stück Macht abgenommen haben. Alles kumuliert in einer globalen Katastrophe: Der Golfstrom versiegt – Weltklima-GAU.

Wolfgang C. Goede, er kennt Wissenschaft und er kennt Kolumbien.

Zentrale Figur des Buches ist die kolumbianische Journalistin Lisa Joana, , die sowohl aufdeckt als auch versucht zu retten, was zu retten ist. An ihr entlang gibt Goede tiefe Einblicke in Mentalität, Denken und blutige Geschichte die Region Mittel- und Südamerika. Lisa  wandelt sich in diesem Buch von einer einfachen Redakteurin zu einer politischen Führungsfigur der Welt. Doch wie? Sorry, das kann ich leider nicht schildern, denn ich war nicht fähig, die ganze, spannende Geschichte zu lesen – nach 40 Seiten zu Beginn habe ich nur noch die letzten 20 Seiten geschafft. Es war harte Lesearbeit.

Der Grund: „Alpha Deus“ könnte ein so schönes, spannendes Buch sein, das viele Menschen mit Gewinn lesen möchten. Doch das ist Konjunktiv: Es ist es nicht. Schuld daran ist die unmögliche Gestaltung des Buches. Die Seiten sind prall gefüllt mit Text in viel zu kleiner Schrift mit viel zu kleinem Abstand der viel zu breiten Zeilen. Es ist kaum möglich, den Text zu lesen, ohne versehentlich von einer Zeile in die nächste zu springen, ohne dass der Blick sich verirrt. Und wenn der Leser einmal aufblickt vom Buch, etwa um sich eine beschriebene Szene bildlich auszumalen oder auch nur um seine Umgebung wahrzunehmen, findet er kaum wieder an die Stelle zurück, wo er aufgehört hat: Buchstabensuppe. Das Ganze wirkt fast so, als habe jemand unbedingt Papier sparen wollen.

Buchstabensuppe: Beispiel, wie die Textfülle im ganzen Buch das Lesen nahezu unmöglich macht.

Immerhin die Kapitel sind erfreulich kurz, aber das hilft angesichts des chaotischen Layouts auch nicht bei der Orientierung. Autor Wolfgang Goede, angesprochen auf das eklatante Manko seines Buches, das ihm als erfahrenen Journalisten und Zeitschriftenmacher eigentlich nicht hätte passieren dürfen, hat wenigstens versprochen, dass das Buch in einer zweiten Auflage völlig neu und leserfreundlicher gestaltet werden soll. Natürlich ist dies vor allem eine Frage des Verlages. Das Buch ist bei „vonjournalisten.de“ erschienen, eine Art Selbstverlag für Journalisten, die auch einmal ein Buch schreiben wollen. Warum Goede diesen Weg gewählt hat, ist mir unklar. Aus meiner Sicht hat das Buch Qualitäten, die sicher auch einen kommerziellen Verlag gereizt und für eine entsprechende Ausstattung gesorgt hätten.

Wie auch immer: Ich warte gespannt auf die zweite Auflage und freue mich darauf, dann den spannenden Science Thriller weiterzulesen, auch wenn ich das Ende nun schon kenne ;-).