Martin Schneider: Mehr als ein Streit um Begriffe #Wisskom-Journalismus

Posted on 19. Februar 2019

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Für Martin Schneider, erfahrener Wissenschaftsjournalist und seit vielen Jahren Vorstandsvorsitzender der Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK) – der wohl wichtigsten Vereinigung von Wissenschaftsjournalisten – ist die Sache klar: Wissenschaftsjournalismus gehört nicht zur Wissenschaftskommunikation. Darf nicht dazu gehören, auch wenn es wichtige gemeinsame Interessen gibt, nämlich die Rolle von wissenschaftlich begründeten Wahrheiten zu stärken. Er setzt sich dabei intensiv mit anderen Diskutanten der „Siggener Impulse 2018“ auseinander. Zur Frage eines Bündnisses zwischen Wissenschaft und Journalismus allerdings äußert sich der WPK-Vorsitzende nicht.

Martin Schneider ist Vorstandsvorsitzender der WPK (Wissenschafts-Pressekonferenz), der größten Vereinigung von Wissenschaftsjournalisten, und stellvertretender Leiter der Wissenschaftsredaktion beim SWR-Fernsehen.

 

Kommunikation, PR, Journalismus – mehr als nur  ein Streit um Begriffe?

Das hatten die Autoren des neuesten Siggener Denkanstoßes so sicher nicht erwartet. Statt einer Auseinandersetzung mit ihren Thesen entbrannte eine inzwischen förmlich ausufernde Debatte darüber, ob unter dem Begriff der Wissenschaftskommunikation nun der Wissenschaftsjournalismus zu subsumieren sei oder nicht [1]. Und die wiederum wurde als  eine Art Rampe genutzt, zu der zweifellos dringend notwendigen, aber in dem Siggener Papier gar nicht angesprochene Frage über mögliche neue Finanzierungmodelle für den Wissenschaftsjournalismus.

Doch zunächst zu den „Siggener Impulsen 2018“. Die Siggener Gespräche haben seit ihrer Premiere im Jahr 2013 regelmäßig wichtige Impulse gesetzt für die Entwicklung der Wissenschafts-PR. Sie haben dem Finanzierungsschub und der Professionalisierung der Branche den nötigen Unterbau gegeben, allen voran die Leitlinien guter Wissenschafts-PR. Der jetzige Entwurf geht in vielem einen Schritt weiter: In einer Situation, in der wissenschaftliche Entwicklungen die Gesellschaft zwar immer mehr prägen, gleichzeitig aber eine „Erosion des gesellschaftlichen Konsenses…, dass Wissenschaft das nach möglichst objektiven Kriterien jeweils beste verfügbare Wissen über die Welt zur Verfügung stellt“ zu beobachten sei, könne es kein „Business as Usual“ in der Wissenschaftskommunikation mehr geben – ein Verständnis von Wissenschaftskommunikation, „bei dem man im Wesentlichen auf Eigendarstellung bedacht ist“.  Verkürzt gesagt müssten dies die Kommunikationsabteilungen der Forschungsinstitute ihren Chefs endlich klar machen, die noch allzu häufig die Aufgabe ihrer Pressestellen in der möglichst glänzenden Präsentation ihrer Forschungseinrichtung sähen.

Während sich die bisherigen Siggener Denkanstöße vor allem mit der Arbeit der Pressestellen beschäftigten, bezieht die jüngste Analyse diesmal  auch den Wissenschaftsjournalismus explizit mit ein. Der Qualitätsjournalismus befinde sich in einer „Schicksalsgemeinschaft“ mit der Wissenschaft. „Er teilt die gleichen Werte. So wundert es nicht, dass Populisten alter und neuer Schule die beiden Institutionen ‚Journalismus‘ und ‚Wissenschaft‘ gezielt angreifen.“ Der Journalismus müsse die Wissenschaft dabei unterstützen, „das beste verfügbare Wissen für die Gesellschaft zur Verfügung zu stellen“.

Bedrohung durch Zeiten, wo Fakten ebenso gelten wie Meinungen

Tatsächlich ist eine solche „Allianz für Aufklärung“, wie Stephan Ruß-Mohl in seinem Blogbeitrag diese geforderte Strategie nennt, grundsätzlich nicht zu bezweifeln. Beide Systeme haben in ihrem Bestreben, in unabhängiger Weise nach Wahrheit zu suchen, so viel gemeinsam, dass sie selbst im Grundgesetzartikel 5 in einem Atemzug genannt werden. Und auch den beinahe schon apokaylyptischen Szenarien über die Erosion des Vertrauens in die Wissenschaft, die das Siggener Papier zeichnet, sind nicht übertrieben. Der Gesellschaft, so scheint es, droht eine Rückkehr in die selbstverschuldete Unmündigkeit. Wir leben in Zeiten, in denen die Ergebnisse der Wissenschaft ebenso viel Wert zu sein scheinen, wie die irgendeines anderen und sei es auch noch so abstrusen Erklärmodells.  So wie Anhänger der „Alternativmedizin“ insinuieren, es gäbe neben der „Schulmedizin“ gleichberechtigt noch irgendeine andere Medizin, scheint vielen „die Wissenschaft“ nur ein Erklärmodell von vielen zu sein.

Wissenschaftler, Wissenschaftskommunikatoren und Wissenschaftsjournalisten haben hier ein gemeinsames Feld und Interesse, diese fatalen, demokratiebedrohenen Entwicklungen zu stoppen. Um zwischen Fakten und bloßer Meinung, zwischen Wissen und Glauben, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden, ist nun mal die beste Instanz, die uns zur Verfügung steht, die wissenschaftliche Methode. Hierfür nachdrücklich zu argumentieren, ist die dringend nötige gemeinsame Aufgabe von Wissenschaft und Wissenschaftsjournalismus.

So, weit so gut. Dann allerdings ist da eine vermeintlich kleine Anmerkung auf Seite 1 des Siggener Papiers, die nicht nur Heidi Blattmann irritiert, sondern die tatsächlich nicht nur aus abstrakt-begrifflichen Gründen problematisch – und um es vorwegzunehmen – aus meiner Sicht völlig überflüssig ist, in ihren zu Ende gedachten Konsequenzen sogar kontraproduktiv.

Gehört der Wissenschaftsjournalismus wirklich zum System Wissenschaft?

Unter Wissenschaftskommunikation, so heißt es dort, „verstehen wir hier die externe Wissenschaftskommunikation. Dazu zählen wir sowohl die institutionelle Wissenschaftskommunikation, die von professionellen Kommunikatorinnen und Kommunikatoren, aber auch von den in den Wissenschaftsinstitutionen angestellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern betrieben wird, … sowie auch den Wissenschaftsjournalismus“. Verwiesen wird dabei auf einen gerade in diesem Sinn von Markus Pössel umgeschriebenen Wikipedia-Eintrag (zuvor wurde der Journalismus dort ausdrücklich nicht zur Wissenschaftskommunikation gezählt). Auch die früheren Siggener Papiere machten hier ausdrücklich einen begrifflichen Unterschied. [2]

Ein bloßer Streit um Begriffe?  Auf der einen Seite: zu einem Teil sicherlich. Denn im gleichen Atemzug wird von den Siggener Autoren auf die zu wahrenden Rollenbilder von Wissenschaft, Wissenschafts-PR und Journalismus verwiesen, damit alle ihre gesellschaftliche Rolle erfüllen können. Die Autoren des Siggener Papiers zeigen damit, dass sie alles andere im Sinn hatten als den Wissenschaftsjournalismus durch die Wissenschafts-PR zu „vereinnahmen“.

Auf der anderen Seite aber ist  ein Streit um Begriffe nie ein „bloßer“ Streit um Begriffe, und gerade auf diesem Gebiet nicht.  Begriffe „framen“ Diskussionen und Bedeutungen. Und der Begriff „Kommunikation“ hat einen schleichenden Bedeutungswandel durchgemacht, seit sich die Presse- und – bedenklicher noch – die Marketing-Abteilungen von Unternehmen sowie bald auch die Pressestellen der Forschungsinstitute in „Kommunikationsabteilungen“ umbenannten.

So stellte „nature“ 2009 satirisch die Wissenschaftsjournalisten als „Cheerleader der Forschung“ dar. Das entspricht heute gar nicht mehr ihrem Selbstverständnis als „richtige“ Journalisten.

Gerade auf unserem Gebiet kann man im Jahr 2019 nicht mehr so tun, als habe es den jahrelangen Diskurs nicht gegeben, der den Wandel im Rollenverständnis der Wissenschaftsjournalisten  vom Cheerleader zum Watchdog (so ein Titel der Zeitschrift Nature aus dem Jahr 2009) zum Gegenstand hatte, vom „Transmissionsriemen“ aus der Wissenschaft in die Öffentlichkeit zu dem eines kritischen Begleiters der Wissenschaft, vom Wissenschaftspopularisierer zum „richtigen“ Journalisten. Diese Debatte war auch deswegen wichtig, weil der Cheerleader-Verdacht die Wissenschaftsjournalisten in den Redaktionen in eine gewisse Randständigkeit brachte: Die Kollegen aus den etablierten journalistischen Ressorts sahen „die von der Wissenschaft“ eben nicht wirklich als ihres gleichen an, weil sie gefühlt zu sehr auf der Seite der Wissenschaft standen.

Die Debatte ist zwar in den einschlägigen Kreisen hinreichend geführt (und kann in diesen Kreisen daher tatsächlich „aus der Zeit gefallen“ wirken, wie Zens/Ossing bemerken) – aber hin und wieder zeigen sich auch heute noch Reste dieser Einschätzung, wenn zum Beispiel die Recherchen zu den Predatory Journals weitgehend an den Kollegen der Wissenschaftsredaktionen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vorbei durchgeführt wurden – aus Sorge, die Kollegen aus dem Wissenschaftsressort stünden der Wissenschaft zu nahe. So etwas zeigt, dass  eine begrifflich scharfe Trennung den kategorialen Unterschied zwischen Journalismus und anderen Formen der Wissenschaftskommunikation unterstreichen muss.

Eine Autotür ist vor allem eine Tür – ein Wissenschaftsjournalist Journalist

Ganz nebenbei bemerkt: In deutschen Komposita bezeichnet der zweite Teil die entscheidende Charakterisierung einer Sache. Die Haustür ist in erster Linie eine Tür, ebenso die Autotür. Daher ist es auch  im Bereich von „WISSKOMMJOURPRÖA“ (so der Titel des jüngsten Beitrags von Josef Zens) der zweite Teil des Wortes, der es entscheidend kennzeichnet. Wissenschaftsjournalisten sind nun mal vor allem Journalisten.

Tatsächlich zeigt auch das Siggener Papier selbst, zu welch problematischen Folgen eine selbst nur gefühlte Vereinnahmung des Journalismus durch eine allgemeine „Wissenschaftskommunikation“  führen würde. „Wissenschaftskommunikation  kann denjenigen, die die Wissenschaft in Frage stellen, zu wenig entgegensetzen.“ Ja, das ist völlig richtig, und zwar aus erkenntnistheoretischen Gründen. Ich kann aus der Wissenschaft heraus nicht mit jemandem argumentieren, der die Wissenschaft selbst in Frage stellt. Dafür muss ich neben sie treten, mögliche andere Erklärmodelle und gesellschaftliche Strömungen mit in die Abwägung einbeziehen – und gegeneinander abwägen. Wird der Wissenschaftsjournalismus quasi Teil der Wissenschaft, was die Subsumierung unter  „Wissenschaftskommunikation“ insinuieren könnte, büßt er diese Fähigkeit ein.

Von daher ist auch die im letzten Abschnitt des Siggener Papiers geforderte „strategische Abstimmung aller Stakeholder der Wissenschaftskommunikation“ (in dem zugrunde gelegten weiteren Sinn des Begriffs) problematisch. Um es nochmals zu betonen: Wissenschaftsjournalismus kann seine einordnende Rolle zur Bedeutung der Wissenschaft in der Gesellschaft nur spielen, wenn er eben nicht gleichzeitig als Teil des „Systems“ wahrgenommen wird.

Um es nochmals zu betonen: Diese kategoriale Unterscheidung von Journalismus und PR, und bitte auch nicht unter dem allgemeinen Begriff einer „Wissenschaftskommunikation“, ändert ja überhaupt nichts an der oben geschilderten Schnittmenge gemeinsamer Ziele, die die Wissenschafts-PR, die Kommunikation von Wissenschaftlern und der Wissenschaftsjournalismus haben – nämlich der Wissenschaft zu der ihr gebührenden Akzeptanz zu verhelfen, um den gesellschaftlichen „Fehlentwicklungen“ entgegen zu treten.

Die Finanzierung des Wissenschaftsjournalismus ist davon unabhängig

Und womit eine solche Klarheit in den Begriffen auch überhaupt nichts zu tun hat, ist die Frage einer wie auch immer gearteten Finanzierung des Wissenschaftsjournalismus, die ursprünglich von Heidi Blattmann in die Diskussion um das Siggener Papier gebracht wurde, die letztlich aber seit dem ZEIT Artikel von Volker Stollorz und Reinhard Hüttl in der Luft liegt.  Konkreter ist es die Frage, ob sich der Journalismus, dessen prekäre Situation sich nach Wegfall der bisherigen Geschäftsmodelle immer weiter verschärft, mit einem kleinen Teil der enormen und in den letzen Jahren anschwellenden Geldströme, die vom Staat in die Wissenschaftskommunikation fließen, fördern lassen dürfte, und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

Hier beginnt die Diskussion zwischen Vorurteilen, gefühlten Wahrheiten, Klischees und etablierten Narrativen zu verschwimmen, worauf auch schon Franco Zotta hingewiesen hat.  Mit großer Bestimmtheit positioniert sich Heidi Blattmann:  „Die (mit großen Summen dotierte) Wissenschaft, so sehr sie auch guten, unabhängigen Wissenschaftsjournalismus schätzt und ihm immer wieder Anerkennung zollt, darf diesen zudem nicht fördern. Auch nicht vorsichtig, selbst wenn der Qualitätsjournalismus um Ressourcen kämpfen muss. Sonst zerstört sie genau das, was sie so lobt und was sie stärken will. Beinahe jede Förderung, die funktioniert, erzeugt auch eine Abhängigkeit und führt im Journalismus damit zu einer Schwächung der Kontrollfunktion, einer wichtigen Aufgabe der Medien.“

Das ist grundsätzlich ein ernstzunehmendes Argument – würde doch, wie oben dargelegt,  allein schon der Anschein einer Abhängigkeit die Aufgabe und Chance des Wissenschaftsjournalismus im Kampf gegen die Wissenschaftsfeindlichkeit in der Gesellschaft erschweren, wenn nicht verhindern.  Aber woher kommt eigentlich die absolute Gültigkeit von Heidi Blattmanns Schluss, die wir – und hiermit meine ich vor allem viele Journalisten – so schnell zu akzeptieren bereit sind?

Hinter der Aussage verbirgt sich eine Kombination zweier uralter Argumentationslinien.  Zum einen das Dictum des „Wes Brot ich ess…“, das seit dem Mittelalter überliefert ist, wonach finanzielle Unterstützung grundsätzlich zu Abhängigkeiten führt.  Zum anderen – und das kommt in Heidi Blattmanns Wendung „darf diesen nicht fördern – auch nicht vorsichtig“ zum Ausdruck – das nicht ganz so alte Slippery-Slope- oder Dammbruchargument, das in der Philosophiegeschichte (und auch im Alltag) schon so viele ethische Debatten zum Ersticken gebracht hat, eh sie richtig begonnen haben, geschweige denn zu Ende geführt wurden: Wehe dem, der in Moralfragen eine schiefe Ebene auch nur betritt, der wird unweigerlich ins moralische Verderben schlittern. Vulgo: Auch wenn es nur ein trockenes oder karg belegtes Brot ist, das ich einmal annehme, um zu überleben, bin ich in ewiger Abhängigkeit gefangen.  Dann doch besser verhungern – aus moralischer Sicht.

In einer Welt, die nicht schwarz und weiß ist, können beide Argumente zwar schnell Debatten beenden – im wirklichen Leben weiterhelfen tun sie nicht. Dort sollte die Warnung vor einer „schiefen Ebene“  nicht bedeuten, dass man sich nicht auf eine solche begeben darf – sondern nur, dass man bei ihrem Betreten stets für festen Halt sorgen muss, damit man eben nicht ausgleitet. Das heißt konkret: Wo Geld fließt, müssen transparente Governance-Strukturen dafür sorgen, dass eine konkrete Einflussnahme der Geldgeber ausgeschlossen ist. [3]

Tatsächlich gibt es viele Beispiele, wo das funktioniert. Um nur eines zu nennen: An der Finanzierung des Science Media Centers beteiligen sich über den Verein der Freunde und Förderer auch viele wissenschaftliche Institutionen – Abhängigkeiten kann man da allenfalls hochtheoretisch konstruieren.  Und außerhalb des Journalismus sind finanzielle Förderungen ohne Einflussnahme gang und gäbe – etwa im Kulturbetrieb.  Auch die berüchtigte Deutsche Umwelthilfe hat keineswegs Toyota-Modelle geschont, als sie die Diesel-Tricksereien anprangerte – obwohl der japanische Hersteller lange zu ihren Unterstützern zählte. Und bei der Förderung der Wissenschaft verzichtet der Staat bewusst zum Beispiel auf die Kontrolle der Gelder, die an die DFG fließen [4].

Was genau die – um nur einen denkbaren Finanzierungspfad zu nennen –  von Hüttl/Stollorz in die Diskussion gebrachte Stiftung für Wissenschaftsjournalismus fördern könnte, muss natürlich durchdacht werden. Konkrete Produkte oder gar Medien wären sicher keine gute Idee – aber auf dem Gebiet intermediärer Strukturen wie dem Science Media Center sind eine Fülle weiterer Dinge denkbar, ebenso bei der Förderung journalistischer Start-Ups, die neue Geschäftsmodelle zu etablieren versuchen. Auch die Governance-Strukturen müssen mit Sorgfalt gestaltet werden. Aber – das ist der mir wichtige Punkt in dieser Frage: Förderung ohne Abhängigkeit ist grundsätzlich möglich. Und, ganz nebenbei bemerkt: Journalismus hat sich noch nie aus sich heraus selbst finanziert. Er hängt entweder am Anzeigengeschäft (das in den herkömmlichen Medien nicht mehr so gut funktioniert) oder an Gebühren (die von immer mehr Populisten in Frage gestellt werden) – oder, international,  an Stiftungen oder vermögenden Einzelpersonen. Vor allem im klassischen Fall der Abhängigkeit von Anzeigenkunden ist von „Governance-Strukturen“, die einen Einfluss verhindern, nicht einmal die Rede.

Das Siggener Papier übrigens sagt zu einer eventuellen Finanzierung des Journalismus aus der Wissenschaft gar nichts. Dass die Debatte jetzt trotzdem in dieser Intensität geführt wird, zeigt, wie nötig sie ist.  Vor dem doppelten Hintergrund der völlig desolaten Finanzierungsaussichten des (Wissenschafts-)Journalismus  und der gleichzeitigen „Krise der Vernunft“ in unserer Gesellschaft ist eine  grundlegende Diskussion über neue Finanzierungsmöglichkeiten unabdingbar, will man nicht in Schönheit sterben. Ohne einen möglichst breiten Konsens aller Beteiligten aber geht das nicht. Die Wissenschafts-Pressekonferenz wird diese Debatte  systematisch vorantreiben.

[1] Den Anfang machte die Schweizer Wissenschaftsjournalisten Heidi Blattmann, Reaktionen darauf kamen von Josef Zens und Franz Ossing, von WPK-Geschäftsführer Franco Zotta, von Stephan Russ-Mohl , mehrfach von Josef König, von Henning Krause, nochmals von Josef Zens oder auch Markus Pössel, der einen beinahe enzyklopädischen Überblick darüber liefert, wer wo was und warum unter dem Begriff Wissenschaftskommunikation versteht (und auf die Siggener Debatte selbst hier eingeht). Und diese Aufstellung dürfte nicht mal vollständig sein.

[2] Markus Pössel argumentiert hier ausführlich, warum er die Umschreibung für geboten hielt. Er argumentiert dabei auch damit, dass sich die Kommunikation von Wissenschaftlern selbst nicht unter dem Begriff „Wissenschaftskommunikation“ wieder fände, wenn letzterer mit Wissenschafts-PR gleichgesetzt würde.  Hierin spiegelt sich m.E. aber vor allem ein Bild von Wissenschafts-PR, das eher Marketing ist.

[3] Die Diskussion ist übrigens auch im Bereich des Journalismus keineswegs neu. Das meta-magazin der WPK hat ein Dossier mit vielen früheren Beiträgen zu dem Thema zusammengestellt.

[4] Weitere Beispiele hierzu und auch zu dem folgenden hat  Franco Zotta in seinem meta-Artikel zusammengestellt.