Der Forschungssprecher des Jahres 2020 – Sonderpreis für Prof. Christian Drosten

Posted on 29. September 2020

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Der Forschungssprecher des Jahres 2020

Sonderpreis für herausragende Wissenschaftskommunikation
an Prof. Christian Drosten

Prof. Christian Drosten

Direktor des Instituts für Virologie der Charité Universitätsmedizin Berlin

Nach dem Auftauchen des SARS-CoV-2-Virus richteten sich ganz schnell die Scheinwerfer der Medien auf ihn: Innerhalb weniger Wochen wurde er zum gefragtesten Wissenschaftler der Republik. Die Medien rissen sich um Interviews und Auftritte in Talkshows. Seine plastischen Erklärungen und seine praktikablen Lösungsvorschläge machten ihn zum Krisen-Ratgeber für Millionen, zum festen Anker in der Pandemie (angesichts der allgemeinen Ratlosigkeit um Risiken und Schutz vor Covid-19).

Als international renommierter Corona-Forscher wusste er viel zu dem neuen Virus, war aktuell bestens informiert und besaß die Fähigkeit, verständlich und ohne eitles Professorengehabe zu kommunizieren – unermüdlich in Talkshows, Interviews, per Twitter und in seinem werktäglich halbstündigen NDR-Podcast „Corona-Update“ mit mittlerweile 15 Millionen Abonnenten. Selbst als Kritik aufkam, er seinerseits unzufrieden war mit der Darstellung in den Medien, ließ er sich nicht beirren weiterzumachen und wurde durch Kommunikation zu einem wesentlichen Faktor, dass in Deutschland der Lockdown gut funktionierte.

Das lag nicht nur daran, dass er verständlich sprach: Er vermittelte trotz aller Unsicherheit und des täglich wechselnden Kenntnisstands das unaufgeregte Charisma eines sicheren Beraters, wusste, was Wissenschaft weiß, bekannte aber auch offen, was sie noch nicht wusste und wo ihre Grenzen sind.

Das Besondere aber, weshalb sich die Redaktion für diese Ehrung durch den Sonderpreis entschied, ist seine Fähigkeit, die anstehenden Probleme nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht anzugehen: Er verbindet die virologische Perspektive immer auch mit dem Realitätssinn, was in einer offenen, demokratischen Gesellschaft machbar ist. Er überbrückt die unterschiedlichen Systemlogiken, die in verschiedenen Teilbereichen dieser Gesellschaft maßgeblich sind. Dies ist nicht nur eine außerordentliche Fähigkeit für einen Wissenschaftler, weshalb er schnell auch Berater der Bundesregierung wurde, er zeigte damit auch einen Weg auf, den Wissenschaftskommunikation gehen muss, wenn sie das Verhältnis Wissenschaft und Gesellschaft verbessern will.

Der Sonderpreis bei den „Forschungssprechern des Jahres“ ist nicht die erste Ehrung, die Prof. Drosten für seine einzigartige Leistung in der Krise erfährt: Am 1. Oktober verleiht ihm Bundespräsident Steinmeier den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Schon im April hatten die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft kurzerhand – an der Jury vorbei – einen Sonderpreis beim „Communicator-Preis“ geschaffen, der an kommunizierende Wissenschaftler geht, und ihn an Prof. Drosten verliehen. Beim Deutschen Radiopreis der Funkanstalten stiftete der Beirat ebenfalls einen Sonderpreis für den Virologen.

Und die „Forschungssprecher des Jahres“? Die Redaktion vergibt den Sonderpreis, wenn nicht professionelle Kommunikatoren neue Wege für die Wissenschaftskommunikation zeigen. Vor drei Jahren waren dies die deutschen Initiatoren des „March for Science“, die aufgezeigt hatten, dass Wissenschaftskommunikation die Gesellschaft in all ihren diversen Strukturen erreichen muss und nicht nur die Minderheit der Wissenschaftsinteressierten. In diesem Jahr geht der Sonderpreis an Prof. Drosten, weil er gezeigt hat, wie wertvoll Wissenschaft für diese Gesellschaft werden kann, wenn es mit Engagement und Einfühlungsvermögen in der Kommunikation gelingt, die Kluft der unterschiedlichen Systemlogiken zu überbrücken.