Die „Forschungssprecher des Jahres 2020“ – Im Zeichen von #Corona

Posted on 29. September 2020

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  • Ehrenpreis an Prof. Christian Drosten

  • Drei Frauen siegen bei den professionellen Kommunikatoren

Dieses Jahr ist alles anders, anders als erwartet, anders als gewohnt: Das Corona-Virus SARS-CoV-2 beherrscht das ganze Leben. Und natürlich auch die Wissenschaftskommunikation. Kein Wunder also, dass 2020 auch die Wahl der „Forschungssprecher des Jahres“ im Schatten von Corona steht. Dies war in den letzten Monaten das große Thema für alle Journalisten, und deren Stimmen zählen bei der Wahl.

Zusätzlich gab es das leuchtende Beispiel eines Wissenschaftlers, der mit hoher fachlicher Kompetenz verständlich und einprägsam erklärte und es verstand, die wissenschaftliche Erkenntnis für Politik und Jedermann in praktikables Handeln zu übersetzen. Dafür verleiht die Redaktion als besondere Auszeichnung in diesem Jahr wieder den Sonderpreis der „Forschungssprecher des Jahres 2020“.

Zuerst einmal, hier die Ergebnisse:

Sonderpreis für besondere Leistung in der Wissenschaftskommunikation

Den Sonderpreis „Forschungssprecher des Jahres 2020“ vergibt die Redaktion als besondere Ehrung für seine außergewöhnlichen Leistungen in der Wissenschaftskommunikation an Prof. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin.

 

 

 

Frauenpower bei den professionellen Forschungssprechern

Bei der Wahl der besten professionellen Forschungssprecher entschieden sich die 700 Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die persönlich befragt wurden, für drei Frauen – ebenfalls stark von der Pandemie geprägt:

Forschungssprecherin des Jahres in der Kategorie „Forschungsinstitute, und Hochschulen“ wurde Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert Koch Instituts in Berlin. Sie ist – nach 2008 – bereits zum zweiten Mal zur „Forschungssprecherin des Jahres“.

 

 

Forschungssprecherin des Jahres in der Kategorie „Forschungsorganisationen –administration und Stiftungen“ wurde Caroline Wichmann, Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Nationalen Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“, nach 2011 und 2015 sogar schon zum dritten Mal gewählt.

 

 

Zur Forschungssprecherin des Jahres in der Kategorie „Industrie und andere Unternehmen“ wurde Dr. Kristin Jakobs gewählt, Leiterin Kommunikation Human Pharma von Boehringer Ingelheim.

 

 

 

Sonderpreis für hervorragenden Forscher und Kommunikator

Sonderpreis der „Forschungssprecher des Jahres 2020“ für Prof. Christian Drosten. (Foto:NDR)

Die Sieger der diesjährigen Wahl sind hervorragende Vertreter professioneller Wissenschaftskommunikation. Anders der Empfänger des Ehrenpreises, Professor Christian Drosten: Er ist kein professioneller Forschungssprecher, sondern ein international renommierter Wissenschaftler, der seit Jahren über Corona-Viren forscht.

Noch im Januar war er in der breiten Öffentlichkeit praktisch ein Unbekannter, dabei hatte er bereits innerhalb weniger Wochen nach Auftauchen von SARS-CoV-2 den ersten Test auf diese Viren entwickelt und als Public-Domain online gestellt, ein Test der bis heute millionenfach weltweit genutzt wird. Als die Pandemie Deutschland erreichte aber wurde er innerhalb kürzester Zeit zum bekanntesten Wissenschaftler des Landes.

Das lag einerseits an der allgemeinen Verunsicherung, was denn nun von dem neuen Virus zu halten und wie darauf zu reagieren ist, andererseits aber an seinem Talent zu kommunizieren – fachlich auf höchstem Niveau, verständlich und alltagsbezogen für die Menschen  – und mit einem persönlichen Charisma, eher wie ein kundiger Nachbar, der einem rät, als ein besserwissender Wissenschaftler. Prof. Drosten kommuniziert mit vollem Engement, in Interviews, in TV-Talkshows und in seinem täglichen Blog „Coronavirus Update“ beim NDR. Auch mit seiner Hilfe gelang es, Millionen zu überzeugen, Dinge zu tun, die sie gar nicht tun wollten – nämlich in den Lockdown zu gehen. Für sein Engagement und für die neuen Wege, die er der Wissenschaftskommunikation gezeigt hat, verleiht ihm die Redaktion den Sonderpreis als „Forschungssprecher des Jahres 2020“.

Drei professionelle Powerfrauen im Zeichen von Corona

Forschungsinstitute und Hochschulen:

„Forschungssprecherin des Jahres 2020“: Susanne Glasmacher, Robert Koch Institut.

Susanne Glasmacher, seit 20 Jahren Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI), lebt gerade in besonders stürmischen Zeiten. Seit Monaten gibt es fast nur noch ein Thema: das Corona-Virus. Ihr Chef, RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler, wurde durch die Pandemie zeitweise zur zweitwichtigsten Person der Republik. Das bedeutete für die Mini-Pressestelle des Instituts tägliche Pressekonferenzen, mit Gebärdendolmetscher und Livestream im Internet, infektionsbedingt Auswahl eines Journalistenpools, ständige Fortschreibung der Website und Tausende von Anfragen. Dann aber, als die Schlagzahl der Pressekonferenzen reduziert wurde, Proteste von Journalisten und anderen, die glaubten, dadurch würde der Pandemie an Wichtigkeit genommen. Kein einfacher Job, den Susanne Glasmacher still, aber effektiv gemeistert hat. Sicher ein wesentlicher Grund, weshalb sie jetzt – zum zweiten Mal nach 2008 – von den Kollegen zur „Forschungssprecherin des Jahres 2020“ in der Kategorie Forschungsinstitute und Hochschulen gewählt wurde.

Forschungsorganisationen und Stiftungen:

„Forschungssprecherin des Jahres 2020“: Caroline Wichmann, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Auch für Caroline Wichmann, seit 2009 Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle, stand das Jahr ganz im Zeichen von Corona. Eine der Hauptaufgaben der Akademie ist die Politikberatung. Entsprechend war sie in der Krise als Wissenschaftsinstitution gefragt: Sieben Ad-hoc-Stellungnahmen hat die Akademie seit März veröffentlicht. Die Leopoldina bemüht sich dabei, nicht nur eine Disziplin zu Wort kommen zu lassen, sondern als nationale Stimme der Wissenschaft ein breites Bild wissenschaftlicher Expertise zur jeweiligen Situation darzustellen. Die Kollegen danken es Caroline Wichmann mit der Wahl zur „Forschungssprecherin des Jahres 2020“ in der Kategorie Forschungsorganisationen und Stiftungen – als erste Forschungssprecherin erhält sie diese Auszeichnung bereits zum dritten Mal, nach 2011 und 2015.

Industrie und andere Unternehmen:

„Forschungssprecherin des Jahres 2020“: Dr. Kristin Jakobs, Boehringer Ingelheim.

Den Reigen der Forschungssprecherinnen komplettiert Dr. Kristin Jakobs, erst seit einem guten Jahr Leiterin der Kommunikation Human Pharma beim Arzneimittelkonzern Boehringer Ingelheim. Aber schon zuvor war sie bei dem Unternehmen für die Kommunikation zu Medikamenten verschiedener Krankheitsfelder verantwortlich. Ihr Engagement gilt vor allem Innovationen, die zu medizinischen Durchbrüchen führen. Corona ist dabei nur eines von vielen Themen, wenn es auch bei den Journalsiten im Moment besonders gefragt ist. Die Kollegen wählten Sie zum ersten Mal zur „Forschungssprecherin des Jahres 2020“ in der Kategorie Industrie und andere Unternehmen.

 

So lief der Wahl der „Forschungssprecher des Jahres 2020“

Doch wie wurden die drei zu den „Forschungssprechern des Jahres 2020“? Rund 700 Medizin- und Wissenschaftsjournalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz und ausgewählte Forschungssprecher waren vom Blog „Wissenschaft kommuniziert“ persönlich per Mail aufgerufen, die auf Forschung spezialisierten Sprecher in Hochschulen, Forschungsinstituten, Organisationen und Wirtschaft zu beurteilen und die aus ihrer Sicht besten „Forschungssprecher des Jahres 2020“ zu wählen.

Zur Wahl stand, wie in jedem Jahr, eine Vorschlagsliste mit rund 50 Namen – Vorschläge der Redaktion und Anregungen von Kollegen aus den letzten Jahren – alles Kolleginnen und Kollegen, die das komplexe Feld Kommunikation für die Wissenschaft beherrschen, die als Sparingspartner, Kommunikationsmanager und Berater den Wissenschaftlern zur Seite stehen, wenn es gilt, mit anderen Bereichen unserer Gesellschaft zu kommunizieren, Werte zu vermitteln, Wissen zu liefern, das eigene Tun transparent zu machen, andererseits aber auch Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft frühzeitig zu erkennen und in das eigene Kommunikationsverhalten mit einzubeziehen.

Angesichts der Pandemie-Situation wird es in diesem Jahr keine persönliche Verleihung der Ehrenurkunden für die Gewählten geben. Wir arbeiten derzeit daran, die Verleihung in einem Onloine-Event durchzuführen, verbunden mit dem „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation München“, der einen inhaltlichen Schwerpunkt für alle an der Wissenshaftskommunikation Interessierte hinzufügen soll. Doch ob das klappt und wann, steht noch nicht fest. Wir werden hier im Blog darüber informieren.

Die Online-Publikumswahl – Die beliebtesten Forschungssprecher

Neben der – persönlichen und geheimen – Wahl der „Forschungssprecher des Jahres 2020“ durch 700 per Mail angeschriebene Wissenschaftsjournalisten gab es auch in diesem Jahr wieder eine offene Wahl im Internet: Die online-Publikumswahl der beliebtesten Forschungssprecher. Forschungssprecher haben ein weites Umfeld – Kollegen, Wissenschaftler, Journalisten, Dienstleister, Nachbarn – alle haben mit den Sprechern eines Instituts oder einer Einrichtung zu tun. Jeder konnte sich daran beteiligen. Die Ergebnisse weichen von der offiziellen, persönlichen Befragung der Wissenschaftsjournalisten ab, auch weil der Kreis der Angesprochenen ein anderer ist.

Die online-Publikumswahl findet parallel und unabhängig von der Wahl der „Forschungssprecher“ statt. Insgesamt 2918 Leser dieses Blogs haben sich beteiligt. Die Entscheidung fiel erst in der letzten Nacht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Hier nun die Sieger der Online-Publikumswahl zu den Forschungssprechern des Jahres 2020:

In der Kategorie „Hochschulen und Forschungsinstitute“:

Julia Wandt, Pressesprecherin der Universität Konstanz erhält den online-Publikumspreis bereits zum zweiten Mal nach 2015. Sie ist Vorsitzende des Bundesverbandes Hochschulkommunikation, der Vereinigung der Hochschul-Pressesprecher. Sie wurde in der online-Publikumswahl zur beliebtesten Forschungssprecherin des Jahres 2020 gewählt.

 

 

 

 

In der Kategorie „Forschungsorganisationen und Stiftungen“:

Christoph Herbort-von Loeper ist Pressesprecher der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin. Seit Jahren stellvertretender Leiter der Kommunikation hat er sich bei Kollegen und anderen Stakeholdern viel Anerkennung erworben. Sie haben ihn bei den „Forschungsorganisationen und Stiftungen“ in diesem Jahr zum beliebtesten Forschungssprecher 2020 in der online-Publikumswahl bestimmt.

 

 

 

In der Kategorie “Industrie und andere Unternehmen“:

Birgit Lau ist beim Chemie-Konzern BASF zuständig für Corporate Media Relations Forschung & Innovation. Sie stand in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Kandidatenliste und gewann auf Anhieb die Wahl zur beliebtesten Forschungssprecherin des Jahres in der online-Publikumswahl. Sie ist unter anderem Mitglied im Freundeskreis der Wissenschaftspressekonferenz (WPK).

So wurden sie gewählt:

Wer sind die besten Forschungs-Pressesprecher? So lautete die Frage, die der Blog „Wissenschaft kommuniziert“ rund 700 namentlich bekannten Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz per Mail gestellt hat. Dabei sollten folgende vier Kriterien ausschlaggebend sein:

  • Professionalität
  • Journalistische Fähigkeiten
  • Verständnis für die journalistischen Notwendigkeiten
  • Niveau der vermittelten Informationen

Es sollten auch nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Daher wurde die Welt der Wissenschaftskommunikation in drei Kategorien eingeteilt:

  • Forschungsinstitute und Hochschulen
  • Forschungsorganisationen und Stiftungen
  • Industrie und andere Unternehmen

Rund 50 Forschungs-Pressesprecher und -sprecherinnen in diesen Kategorien wurden als mögliche Kandidaten genannt. Jeder dem jeweiligen Kollegen bekannte Pressesprecher sollte nach dem deutschen Schulnotensystem bewertet werden. Den Ausschlag gab die Durchschnittsnote – also unabhängig von der Häufigkeit der Nennung, allerdings mit einem Mindestquorum, damit nicht Einzelstimmen zu Ausreißern führen.

Die Sieger des Vorjahres stehen jedes Jahr nicht wieder zur Wahl als „Forschungssprecher“. Bei der online-Publikumswahl gibt es diese einjährige Sperre allerdings nicht.