Wissenschaftler, meldet Euch zu Wort – #Wissenschaftskommunikation nach #Corona

Posted on 10. Februar 2021

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Die Corona-Pandemie hat für Wissenschaft und Gesellschaft die Bedeutung von Wissenschaftskommunikation klar demonstriert. Das heißt, fundierter Wissenschaftsjournalismus bleibt unentbehrlich, aber auch Unternehmen und vor allem Wissenschaftler müssen ein neues Kommunikations-Bewusstsein entwickeln, meint Dr. Monika Lessl, Leiterin „Corporate R&D and Social Innovation“ der Bayer AG, sowie der Bayer-Stiftungen, in ihrem Gastbeitrag:


Dr. Monika Lessl, Senior Vice President, Head of Corporate R&D and Social Innovation Bayer AG, Leiterin der Bayer-Stiftungen.

Wissenschaftskommunikation inmitten einer Pandemie – und danach!

Die COVID-19-Pandemie hat unserer Gesellschaft bewusst gemacht, welche entscheidende Rolle WissenschaftlerInnen spielen –  nicht nur, weil sie wichtige Informationen liefern, um unsere öffentliche Gesundheit zu schützen, sondern auch, weil sie aktiv mit der Gesellschaft kommunizieren. ImmunologenInnen und VirologenInnen haben während der Krise Millionen Menschen erreicht und über den aktuellen Stand der Kenntnisse aufgeklärt. Aus meiner Sicht ist die Nachfrage nach vertrauenswürdiger und transparenter Wissenschaftskommunikation dramatisch gestiegen.

In den letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit, an einigen Diskussionen über Wissenschaftskommunikation in Zeiten von COVID-19 teilzunehmen. Organisationen wie Wissenschaft im Dialog und Einzelpersonen wie Reiner Korbmann haben VertreterInnen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft eingeladen, zu diskutieren, welche Lehren wir aus der Kommunikation in der bisherigen Phase der Pandemie ziehen können. Hier möchte ich meine wichtigsten Erkenntnisse mit Ihnen teilen.

1. WissenschaftlerInnen, seid mutig und meldet euch zu Wort!

Da ich selbst Wissenschaftlerin bin, bin ich überzeugt, dass die Wissenschaftsgemeinschaft die Verpflichtung hat, ein Gespür für Kommunikation zu entwickeln. Der Öffentlichkeit den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu erläutern und Einblicke in die Arbeit als ForscherIn zu geben, schafft Vertrauen. Obwohl Kommunikationstrainings noch nicht Teil der meisten Promotionsprogramme sind, sollten wir junge WissenschaftlerInnen kontinuierlich dazu ermutigen, Kommunikation und Engagement als Teil ihres Berufs zu sehen. Es gab nie einen besseren Zeitpunkt als jetzt, der Gesellschaft die Arbeitsweise der Wissenschaft näher zu bringen und davon zu überzeugen, dass die Wissenschaft eine vertrauenswürdige Informationsquelle darstellt.

2. Wissenschaftskommunikation ist auf guten Wissenschaftsjournalismus angewiesen

Darüber hinaus sehe ich die dringende Notwendigkeit einer zuverlässigen Wissenschaftsberichterstattung, die von JournalistenInnen durchgeführt wird, die ein tiefes Verständnis für wissenschaftliche Prozesse haben. Dazu gehört auch die Darstellung von Grenzen des aktuellen Wissensstandes und die Tatsache, dass Wissenschaft ein Prozess permanenten Lernens ist. Organisationen wie das Science Media Center sind ein praktisches Beispiel dafür, wie wir Medienschaffende besser unterstützen können, wissenschaftliche Veröffentlichungen einzuordnen und gleichzeitig Forschungsprozesse und Publikationsmechanismen zu erklären.

3. Transparenz und Partizipation müssen die Treiber für Wissenschaft im privaten Sektor sein

Ich bin der festen Überzeugung, dass Innovationsunternehmen, insbesondere Life-Science-Unternehmen, einer effektiven Wissenschaftskommunikation Priorität einräumen sollten. Bei Bayer haben wir uns verpflichtet, die Wissenschaft, die hinter unseren Produkten steckt, auf eine transparente und zugängliche Weise zu erklären, die die Bedürfnisse und Interessen der Öffentlichkeit berücksichtigt.

Darüber hinaus brauchen wir einen integrativeren Ansatz für den Zugang zur Wissenschaft. Indem wir es vielen Menschen ermöglichen, selbst WissenschaftlerIn zu sein, entsteht ein neues Verhältnis und Verständnis. COVID-19-Tracking-Apps sind ein gutes Beispiel dafür, der Gesellschaft die Teilnahme an Forschung zu ermöglichen. Es ist erwiesen, dass Citizen Science-Projekte ein Gefühl der persönlichen Involviertheit auslösen, was zu einem stärkeren individuellen Wissenschaftserlebnis führen kann.

Die Vernetzung von AkteurInnen aus Wissenschaft, Medien, Politik und Wirtschaft rund um diese Fragen ist entscheidend, um mehr Vertrauen in qualitativ hochwertige Wissenschaft zu erzeugen und in die Kommunikationskanäle, die diese vermitteln. Natürlich muss auch die Wissenschaft aktiv dazu beitragen, indem sie rigide Qualitätskriterien für die Durchführung, Interpretation und Veröffentlichung von wissenschaftlichen Daten anwendet.


Der Originalbeitrag wurde in Englisch zunächst in Dr. Lessls Account auf Linkedin veröffentlicht, als Bericht über ihre Diskussion mit Wissenschaft im Dialog und zum Blog „Wissenschaft kommuniziert“. Übersetzung aus dem Englischen mit Deepl-Unterstützung.