Dr. Christina Beck: „Forschungssprecherin des Jahres 2021“ für Forschungsorganisationen und Stiftungen

Posted on 29. November 2021

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Die Forschungssprecherin des Jahres 2021

und

Gewinnerin des Publikumspreises zu den
„Forschungssprecherinnen des Jahres 2021“

Kategorie „Forschungsorganisationen, -administration und Stiftungen“

Dr. Christina Beck

Leiterin Kommunikation und Pressesprecherin
der Max-Planck-Gesellschaft

So sieht sie ihre Arbeit in der Forschungskommunikation:

Wir stehen vor großen und komplexen Herausforderungen – das Jahr 2021 hat uns das noch einmal eindrücklich vor Augen geführt: Die Pandemie ist noch lange nicht überwunden, aktuell rauscht Deutschland in die vierte Welle . Das ist eigentlich kaum zu verstehen, nachdem die Wissenschaft schon 2020 gezeigt hat, wie gut ihre Modelle ein künftiges Infektionsgeschehen für verschiedene Szenarien vorhersagen können und warum frühzeitiges und beherztes Eingreifen weniger schmerzhaft ist, als langes passives Abwarten. Exponentielles Wachstum? R-Wert? Inzidenz? All das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf unzähligen Kanälen erläutert. Und selten zuvor haben die außeruniversitären Forschungsorganisationen in Deutschland so nachdrücklich Stellung bezogen. Die neuen mRNA-Impfstoffe sind ein Meilenstein und ein Triumph der Grundlagenforschung – und trotzdem gelingt es uns nach wie vor nicht, einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in unserem Land von der Notwendigkeit und dem Segen einer Impfung zu überzeugen.

Und nicht viel anders sieht es bei der Klimakrise aus, auch sie macht vor Deutschland nicht halt. Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erlebten 2021 ein verheerendes Hochwasser, das nicht nur viele Todesopfer forderte, sondern auch Sachschäden in Höhe von 29 Milliarden Euro verursachte. Auch hier gab es präzise Vorhersagen – auch hier wurde viel zu spät reagiert. Wenige Wochen vor dem Klimagipfel in Glasgow hat die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften den schon lange bekannten wissenschaftlichen Befund, dass der Klimawandel menschengemacht ist, mit der Verleihung des Physik-Nobelpreises 2021 u.a. an den Max-Planck-Forscher Klaus Hasselmann ins Rampenlicht gerückt. Hasselmann hatte bereits in den 1980er Jahren, gemeinsam mit anderen Forschenden, den Zusammenhang zwischen dem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und der Erderwärmung nachgewiesen. Doch jahrzehntelang drang die Wissenschaft mit ihren Analysen und Mahnungen nicht zu den politischen Entscheidungsträgern durch – wertvolle Zeit ging verloren.

Wissenschaft löst ja nicht nur Faszination aus – wie zum Beispiel der Blick auf ein schwarzes Loch. Für Wissenschaftskommunikatoren eine dankbare Aufgabe. Wissenschaft kann auch eine „Zumutung“ sein, weil sie den Status quo in Frage stellt – und damit bestehende Überzeugungen oder auch Geschäftsmodelle. Dann setzt der Kampf um die Deutungshoheit ein. Was wurde und wird nicht alles unternommen, um Zweifel zu schüren an bestimmten wissenschaftlichen Ergebnissen. Hier liegt die eigentliche Herausforderung: Denn Wissenschaft ist oft komplex, sperrig und für den Laien nur schwer nachvollziehbar. Wenn Wissenschaft ihr Potenzial entfalten soll, unsere Handlungsspielräume zu erweitern, wenn wir aus dem Pool an Ideen für potenzielle Lösungsansätze schöpfen wollen, dann müssen wir Vertrauen aufbauen – in wissenschaftliche Expertinnen und Experten, in ihr Fachwissen und ihre Integrität.

Und dabei müssen wir uns bewusst machen, dass sich die Medienlandschaft fundamental verändert: Informationsintermediäre tragen heute dazu bei, dass Menschen Zugang zu einer Fülle von Informationen und Daten zu allen nur erdenklichen Themen haben – kompletten Unfug inklusive. Nicht die Information oder der Zugang zu Information ist mehr begrenzt, sondern die Möglichkeit, diese aufzunehmen und zu verarbeiten. Aufmerksamkeit ist die Währung erfolgreicher Kommunikation.

In der Pressekonferenz zur Verleihung des diesjährigen Physik-Nobelpreises bedankte sich Klaus Hasselmann explizit bei der Jugend, die jetzt auf das Problem des Klimawandels aufmerksam mache „mit Techniken, die wir nicht hatten, um die Leute anzusprechen, und die damit sehr viel mehr bewegt hat als wir mit unseren wissenschaftlichen Mitteilungen.“ Das ist ein zentraler Punkt: die Kommunikation verlagert sich auf neue Plattformen, wie Facebook, YouTube, Instagram und Twitter, als sogenannte „many-to-many“-Kommunikation. Das stellt die Kommunikationsarbeit von Forschungseinrichtungen schon jetzt vor große Herausforderungen, denn diese Plattformen funktionieren nach anderen Logiken. Mit den herkömmlichen Instrumenten und Herangehensweisen der Wissenschaftskommunikation werden wir nur schwer bestehen können. Insofern braucht es Kommunikationsexperten, es braucht aber auch mehr Mut und Freiraum zum Experimentieren in Forschungsorganisationen und Universitäten.

Wissenschaft hilft uns, Zusammenhänge besser zu verstehen. Sie gibt uns Instrumente an die Hand, die es uns ermöglichen, vorausschauend zu handeln – zum Nutzen und zum Wohle der Gesellschaft. Insofern ist es wichtig, dass wir über Wissenschaft sprechen!

Wie sie wurde, was sie ist:

Dr. Christina Beck hat einen der klassischen Wege über Fachstudium und Verwaltungshierarchie in die Wissenschaftskommunikation genommen. Nach dem Abitur in Lübeck studierte sie Biologie in Hamburg und promovierte am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München. Der Berufsweg führte sie bald in die Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, zunächst als Sachgebietsleiterin im Referat für Forschungsplanung, zwei Jahre später als Persönliche Referentin des Vizepräsidenten für die biologisch-medizinische Sektion der Forschungsorganisation. Danach wurde sie Redakteurin im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der MPG, übernahm 2008 die Leitung des Referats und ist seit 2015 Leiterin der Abteilung Kommunikation und Pressesprecherin der Max-Planck-Gesellschaft. Im Jahr 2016 wurde sie bereits schon einmal zur „Forschungssprecherin des Jahres“ gewählt, 2018 erhielt sie den Publikumspreis. Ihr Privatleben verbringt sie als „Gummistiefel-Biologin“ sehr gern naturnah, mit dem Sohn bei spannenden Hockey-Matches, mit Tochter und Ehemann beim Segeln rund um Sardinien oder aber vor der großen Bücherwand zu Hause beim Lesen antiquarischer Reiseerzählungen und Biografien.