Marc Raschke: Gewinner des Publikumspreises zu den „Forschungssprechern des Jahres 2021“

Posted on 29. November 2021

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Gewinner des Publikumspreises zu den
„Forschungssprechern des Jahres 2021“

Kategorie „Industrie und andere Unternehmen“

Foto: Merle König

Marc Raschke

Leiter der Unternehmenskommunikation im Klinikum Dortmund

So sieht er seine Arbeit in der Forschungskommunikation:

Zwei Welten treffen aufeinander: Spätestens seit der Pandemie klafft das Gap zwischen Wissenschaft/Medizin und Laien-Bevölkerung öffentlichkeitswirksam auf allen Kanälen und sorgt für viele Dissonanzen in der Kommunikation. Wer als Wissenschaftler:in oder Mediziner:in einen Fuß aus dem Elfenbeinturm wagt, muss sattelfest und shitstorm-sicher sein. Deshalb braucht es Menschen wie mich, die hier als Mittelsmänner/-frauen beide Seiten kennen, Brücken bauen und die Kommunikation hauptberuflich übernehmen. Das geht nämlich nicht „mal so nebenbei“. Kommunikations-Talente wie ein Prof. Drosten mögen da die löbliche Ausnahme sein; aber selbst er hat das Kommunikationsteam der Charité an seiner Seite.

Im Kern geht es darum, Wissen aus Medizin und Forschung zu demokratisieren, „einfach“ zu erklären und erlebbar zu machen. Da muss viel im täglichen Tun nachgeholt werden, was in der Allgemeinbildung der Bevölkerung hinsichtlich Gesundheit wegen eines mangelhaften Schul- und Bildungswesens auf der Strecke geblieben ist. Gerade Wissenschaft, die durch öffentliche Gelder finanziert wird, hat da sicherlich noch mal einen ganz eigenen Anspruch an Transparenz. Aber auch als Krankenhaus mit einem öffentlichen Träger (Stadt Dortmund) ist es natürlich an uns, für die Bevölkerung da zu sein – und das nicht nur medizinisch, sondern auch in punkto Aufklärung und Kommunikation. Dabei litt gerade die Schnittstelle zwischen Klinik und Bevölkerung unter der Pandemie sehr: Patient:innen blieben aus Angst fern. Und diese Angst rührte nur allzu oft aus Unwissenheit. Stecke ich mich im Krankenhaus an? Wie steht es um die Impfstoffe? Warum dauert das denn so lange mit den Testungen? – Man kann sagen: Alles, was auf großer, bundesdeutscher Bühne diskutiert wurde, schlug sich auch und gerade im Alltag eines der größten Krankenhäuser Deutschlands nieder.

Parallel zu diesem Druck der öffentlichen Debatte ist so ein Krankenhaus als Ort natürlich auch der nahbare Teil von Wissenschaft: Hier trifft Hochleistungs-Medizin auf Oma Erna. Deshalb ist Krankenhaus wie kaum ein zweiter Ort Kommunikation – und immerhin: Allmählich wird das Krankenhäusern in Deutschland auch bewusst. Ich für meinen Teil bin spätestens seit 2013 mit Beginn meiner Arbeit im Klinikum Dortmund auf neuen Wegen der Kommunikation unterwegs. Schon seit geraumer Zeit nutzen wir im Klinikum u.a. die sozialen Kanäle sehr aktiv, so dass es wenig verwunderlich war, dass wir mit dem Aufkommen der Pandemie diese Kommunikationswege exzessiv bespielten. Und zwar so sehr, dass ich auch privat nach Dienstschluss es als meinen persönlichen Beitrag zur Pandemie ansah, dass ich die Menschen über meinen privaten Instagram-Account in Sachen Pandemie, Impfung & Co. aufgeklärt habe. Dadurch blieb ich am Puls der Entwicklung und konnte niederschwellig und ohne das „Korsett“ einer Institution auf Augenhöhe authentisch mit den Follower:innen in Interaktion treten. Das war sicherlich ein ungewöhnlicher Move für den Kommunikator eines Krankenhauses – und vor allem alles nach Feierabend. Aber in der Not konnte ich so vielen Menschen pro bono durch Informationen umfassend helfen, die in der Pandemie manchmal fast genauso heiß begehrt waren wie AHA-Regeln oder die Impfung.

Wie er wurde, was er ist:

Marc Raschke ist ein Kind des Ruhrgebiets. In Bochum geboren studierte er Politik, neuere Geschichte und Kulturwissenschaften an der Universität Münster. Seinen Berufsweg begann er als Journalist bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Schon früh widmete er sich den Social Media und gründete 2010 das Medizinportal „rheinruhrmed“, ein kostenloses und unabhängiges Online-Gesundheitsmagazin. 2013 übernahm er die Leitung der Unternehmenskommunikation im Klinikum Dortmund, das zugleich Klinikum der Universität Witten-Herdecke ist. Das städtische Klinikum Dortmund ist eines der der größten Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen mit 1.400 Betten in insgesamt 30 Kliniken und Instituten, mit über 4.500 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 400 Millionen Euro. Gerade während der Corona-Zeiten engagierte sich Raschke weit über seine Aufgaben als Unternehmenssprecher in den Sozialen Netzen für die Pandemie-Aufklärung und wurde dafür ausgezeichnet.