Endlich – Ein Lehrbuch für die Wissenschaftskommunikation

Posted on 24. Januar 2022

0


In den letzten Jahren hatte ich eine ganze Reihe von Büchern über Wissenschaftskommunikation in der Hand. Einige, die Kommunikation so abstrakt abhandelten, wie es wohl nur deutsche Kommunikationswissenschaftler zu Wege bringen, andere, die der Wissenschaft unbedingt Eigenschaften zumessen wollten, die eher nebensächlich oder sogar schädlich sind, oder wieder andere, die eher der Eitelkeit des Wortblasen absondernden Autors dienen sollten als der Information der Leser. Jetzt habe ich endlich eines auf den Tisch bekommen, das man mit Fug und Recht als Lehrbuch bezeichnen kann: „Wissenschaftskommunikation: Vom Hörsaal ins Rampenlicht“ von der Bremer Journalistin Viola Falkenberg.

Um es vorweg zu sagen: Das Buch ist gelungen, wenn man sich davon erwartet, Vorgehensweisen, Tipps und Ratschläge für die praktische Arbeit zur Kommunikation von Wissenschaft zu geben. Und einen anderen Anspruch erhebt das Softcover-Buch aus dem Tübinger Narr Francke Attempo Verlag auch nicht: Es will Praxisleitfaden sein.

Und das ist es, ob zur Entwicklung eines Kommunikationskonzeptes, zur tatsächlichen Pressearbeit, zur Gestaltung der Social-Media-Arbeit, zur Produktion von Youtube-Videos oder für dutzende andere Tätigkeiten, wie sie in der Kommunikationsarbeit täglich vorkommen: Viola Falkenberg liefert überall eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man vorgehen kann, in welcher Reihenfolge mit welchen Prioritäten. Und liefert auch noch praktische Übungen und Checklisten mit dazu.

Viola Falkenberg

Wenn ich ein Buch besprechen will, überlege ich mir immer zuerst einmal, für welche Leser das Buch interessant sein könnte. Nun, für Studierende der Kommunikationswissenschaften, die nach dem Master oder der Promotion ganz schnell in die Sphären der Kommunikationswissenschaften aufsteigen wollen, ist dieses Buch eher nicht gemacht. Schon eher für Kommunikationswissenschaftler, die den Schritt in die Praxis wagen, denen es helfen kann, nach dem Studium die Komplexität der realen Welt zu bewältigen. Bestens geeignet ist es für Volontäre oder Praktikanten, die in Pressestellen und Kommunikationsabteilungen tätig sind. Ebenfalls bestens für Quereinsteiger aus der Wissenschaft und für Teilzeit-Kommunikatoren, wie sie leider noch immer oft in kleineren Instituten für die Wissenschaftskommunikation verantwortlich sind, ohne einschlägige Ausbildung oder Erfahrung, meist neben anderen Aufgaben in Wissenschaft oder Verwaltung.

Ja, und ich würde zugeben, dass ich mir das Buch auch selbst in den Bücherschrank meiner Kommunikationsabteilung stellen würde, als Ideensammlung, in der man nachschlagen oder blättern kann, wenn einmal neue oder überraschende Aufgabenstellungen auf mich zukommen.

Viola Falkenbergs Buch könnte man auch als Rezeptbuch zur Wissenschaftskommunikation ansehen. So konkret ist es. Es fehlt eigentlich nur das klassische „Man nehme…“. Und natürlich gelingt, wie bei allen Kochbüchern, nicht jedes Gericht. Könnte man endlos streiten, ob alle ihre Tipps gut und richtig sind. Doch zum einen gibt es in der Kommunikation eben selten ein absolutes Richtig oder Falsch. Und – auch das hat „Vom Hörsaal ins Rampenlicht“ mit Kochbüchern gemeinsam – der Blick in das Buch regt zumindest dazu an, darüber nachzudenken, ob man das so, so ähnlich oder doch ganz anders machen möchte. Und das ist ja schon viel wert.

Und natürlich hat das Buch Defizite. Anderes ist auch bei einem Werk von 260 Seiten Umfang zu dem komplexen Thema Wissenschaftskommunikation nicht zu erwarten. Die besondere Bedeutung von Wissenschaftskommunikation für Wissenschaft und Gesellschaft wird immerhin in einem ordentlichen, kurzen Kapitel am Anfang abgehandelt. Aber es gibt viel zu wenige praktische Handreichungen zum speziellen Verhältnis von Kommunikatoren und Wissenschaftlern. Gerade Neulinge in der Wissenschaftskommunikation würden davon ungeheuer profitieren. Am meisten bedaure ich allerdings, dass die Autorin die interne Kommunikation ganz außen vor lässt. Nichts zur internen Kommunikation innerhalb der eigenen Institution, und erst recht nichts zur Kommunikation in die Wissenschaft hinein, die angesichts der Nähe von Wissenschaft und Gesellschaft seit Pandemie-Zeiten, immer wichtiger wird.

Mein Fazit: Viola Falkenbergs „Wissenschaftskommunikation: Vom Hörsaal ins Rampenlicht“ ist ein gutes, solides, ideenreiches Praxis-Lehrbuch für die Wissenschaftskommunikation. Was den Alltag in den Kommunikationsabteilungen angeht, könnte man es auch als hervorragendes Kochbuch bezeichnen, in das durchaus auch der Küchenchef selbst einmal einen Blick werfen darf und davon profitieren kann.

Viola Falkenberg
Wissenschaftskommunikation: Vom Hörsaal ins Rampenlicht,
Mit Übungen und Checklisten
260 S., ISBN 978-3-8252-5670-8 (Print), 24,90 €