Und wieder: Frauenpower! – Die „Forschungssprecherinnen des Jahres 2022“ sind gewählt

Posted on 29. November 2022

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Kommunikations-Spitzenverbände zeichnen drei Frauen für ihre Wissenschaftskommunikation aus

Jetzt steckt mehr dahinter, als das Gesetz der Serie. Zum dritten Mal entschieden drei Frauen die Wahl zu den „Forschungssprechern des Jahres“ für sich: Wie schon 2020 und 2021 wurden auch in diesem Jahr wieder drei Forschungssprecherinnen gewählt:

Katja Bär, Leiterin der Hochschulkommunikation der Universität Jena und stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Hochschulkommunikation wurde „Forschungssprecherin des Jahres 2022“ in der Kategorie Forschungsinstitute und Hochschulen.

Sara Arnsteiner, bis zum 1. Oktober 2022 Leiterin der Kommunikation der Helmholtz-Gemeinschaft in Berlin (und jetzt Direktorin Kommunikation des Konzerthauses Berlin) wurde „Forschungssprecherin des Jahres 2022“ in der Kategorie Forschungsorganisationen, -administration und Stiftungen.

Anja Heuer, Direktorin Kommunikation und Investor Relations des Biotechnologie-Unternehmens Immatics Biotechnologies, wurde „Forschungssprecherin des Jahres 2022“ in der Kategorie Industrie und andere Unternehmen.

Über das Gesetz der Serie philosophieren wir später, zunächst geht es um die drei Frauen, die für ihre herausragenden Leistungen in der Wissenschaftskommunikation von Wissenschaftsjournalisten, Kollegen und anderen Stakeholdern auf Veranlassung des Verbandes von Kommunikationsverantwortlichen, des Bundesverbands der Kommunikatoren (BdKom) in diesem Jahr auf den Schild gehoben wurden. Sie wurden am 29. November im Rahmen des „Treffpunkts Wissenschaftskommunikation“ bekanntgegeben und ausgezeichnet. 

Drei Forschungssprecherinnen – bewährt im „kalten Wasser“ der Pandemie

Interessant ist, dass alle drei „Forschungssprecherinnen des Jahres“ kurz vor oder gerade zu Beginn der Corona-Pandemie auf die Positionen kamen, in denen sie sich jetzt professionell auszeichnen konnten. Sie wurden sozusagen ins kalte Wasser der dauerhaften Krisenkommunikation geworfen und haben sich dort ganz besonders  bewährt.

Foto: Jens Meyer/Universität Jena

Katja Bär, Leiterin der Hochschulkommunikation der Universität Jena ist „Forschungssprecherin des Jahres 2022“ in der Kategorie „Forschungsinstitute und Hochschulen“. Für sie war der Weg zur Forschungssprecherin nicht von Anfang an vorgezeichnet. Sie schlug erst einmal einen ganz anderen Berufsweg ein: Sie absolvierte nach der Schule eine Ausbildung als Krankenschwester. Das hat sie geschult, so meint Katja Bär heute, auch unter Druck schnelle, selbst lebenswichtige Entscheidungen zu treffen.

Später studierte sie Geschichte, Kommunikationswissenschaften und Sprachen. Seit zwanzig Jahren ist sie nun in der  Wissenschaftskommunikation aktiv. Acht Jahre lang leitete sie die Abteilung Kommunikation und Fundraising der Universität Mannheim, bevor sie Anfang 2019 an die Friedrich-Schiller-Universität in Jena wechselte. 2021 wurde sie außerdem zur stellvertretenden Vorsitzenden des Bundesverbandes Hochschulkommunikation gewählt. Privat liebt sie drei Dinge ganz besonders: Kunst, Geschichte und Gärten, was sie bei Reisen immer wieder besonders genießen kann.

Sara Arnsteiner, bis vor kurzem Leiterin der Kommunikation der Helmholtz-Gemeinschaft, ist „Forschungssprecherin des Jahres 2022“ in der Kategorie „Forschungsorganisationen, -administration und Stiftungen“. Sie ist aus dem breiten Bereich der Kommunikations-Praxis zur Wissenschaft gestoßen. Nach ihrem Studium der Kulturwissenschaft, Wirtschaft und Philosophie in Wien arbeitete sie bereits zehn Jahre in verschiedenen Projekten, in einer Kommunikationsagentur und als freie Kommunikationsberaterin. Sie realisierte mehrere Filme und pflegte besonders gern ihre Kontakte zu Künstlern.

Anfang 2020, also genau zum Beginn der Pandemie, übernahm sie die Leitung der Kommunikation der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten europäischen Wissenschaftsorganisation mit 43.000 Mitarbeitern in 18 Forschungszentren ganz unterschiedlicher Ausrichtung, von der multizentrischen DLR mit Luft- und Raumfahrt bis zum Forschungszentrum Hereon in Geesthacht mit dem Schwerpunkt Technologien für Umwelt- und Meeresschutz.

Eine Mammutaufgabe, in der sie als langjährige Praktikerin in allen Bereichen ihrer Erfahrungen gefragt war, wie sie es heute beschreibt. Im Herbst dieses Jahres aber zog es sie zu ihrer alten Liebe zurück, der Kultur: Sie wechselte als Direktorin Kommunikation und digitale Vermittlung zum Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt, eine neue Herausforderung mit einer neuen, aktiven Chefdirigentin des Orchesters. Für die Wissenschaftskommunikation ist sie hoffentlich nicht ganz verloren.

Anja Heuer, Direktorin Unternehmenskommunikation und Investor Relations des Biotechnologieunternehmens Immatics, hat dagegen einen anderen Weg eingeschlagen als ihre Kollegin der Helmholtz-Gemeinschaft: Sie kommt aus der Wissenschaft und hat sich für Kernaufgaben der Wissenschaftskommunikation profiliert: Kommunikation mit der Gesellschaft und Kommunikation mit den Geldgebern eines Unternehmens.

Sie ging schon bald nach dem Studium der Biologie zur Pressestelle des Max Delbrück Zentrums für Molekulare Medizin in Berlin-Buch. Von dort führte sie ihr Weg zur Leitung der Kommunikation des Max-Planck-Instituts für Biochemie in München. Fünfeinhalb Jahre später folgte ihr Wechsel in die Industrie, zum Arzneimittelkonzern Boehringer Ingelheim, und im Frühjahr 2019 schließlich zum sehr viel kleineren, aber stark wachsenden Biotechnologieunternehmen Immatics, das sich auf neuartige Nutzung der Immunologie für die Behandlung von Krankheiten spezialisiert hat. In derartigen Unternehmen ist, angesichts des Kapitalbedarfs für das Wachstum, die Kommunikation mit Investoren mindestens ebenso wichtig wie die Kommunikation mit der Gesellschaft. Und hier gilt es wissenschaftliche mit wirtschaftlichen Perspektiven zu verknüpfen. Eine ganz besondere Aufgabe an Wissenschaftskommunikation. Heute hat Immatics etwa 400 Mitarbeiter und setzt sein Schwergewicht auf die Krebstherapie mit Hilfe von T-Zellen.

Drei herausragende Frauen – oder das Gesetz der Serie

Die drei Forschungssprecherinnen des Jahres wurden beim „Treffpunkt“ vom BdKom ausgezeichnet: v.l.o. Jens Rehländer, Leiter der BdKom-Kompetenzgruppe Wissenschaftskommunikation, Regine Kreitz, BdKom-Präsidentin, Katja Bär, „Forschungssprecherin des Jahres“ für Forschungsinstitute und Hochschulen, Sara Arnsteiner für Forschungsorganisationen und Stiftungen, Anja Heuer für Unternehmen.

Das sind die Geschichten von drei Frauen, die aus Sicht ihrer Wählerinnen und Wähler herausragende Leistungen in der Wissenschaftkommunikation bringen, und die beim „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ von den drei Kommunikations-Spitzenverbänden bekanntgegeben und geehrt wurden. Drei Frauen – schon wieder, im dritten Jahr hintereinander: drei „Forschungssprecherinnen des Jahres“. Aus meiner Sicht als Mann kein Zufall mehr oder gar das Gesetz der Serie. Vielmehr stellt dies ganz deutlich die Frage, ob Frauen für die Wissenschaftskommunikation besser geeignet sind als Männer (und natürlich geht es dabei nicht um alle Frauen und um alle Männer, sondern nur um einige wenige, die besondere Leistungen erbringen). Und auch auf die Gefahr, hier neue Gender-Diskussionen oder #metoo-Proteste zu provozieren, möchte ich mich darauf kurz einlassen, denn daraus können wir für die Wissenschaftskommunikation ganz allgemein etwas lernen.

Ja, ich bin der Meinung, dass einige, viele Frauen besser für Kommunikationsaufgaben in der Wissenschaft geeignet sind als viele Männer. Das hat nichts mit den X- und Y-Chromosomen zu tun, sondern mit dem, was für Kommunikation ausschlaggebend ist, nämlich Emotion und Empathie, und für Höchstleistungen, nämlich ein besonderes Engagement. Ohne Empathie für die jeweilige Zielgruppe, und genauso für die Wissenschaftler funktioniert Wissenschaftskommunikation nun einmal nicht. Und ebenso wenig, ohne die nüchternen Fakten mit Emotionen aufzuladen. Und ohne besonderes Engagement lassen sich keine herausragenden Leistungen erbringen. Das hat nichts mit Sensationalisierung, Zuspitzung oder Verkaufe zu tun – so funktionieren wir Menschen schlicht, und wer dazu wissenschaftliche Untermauerung braucht, muss nur einmal einen Psychologen fragen. Aber selbst Kommunikationswissenschaftler übersehen dies oft.

Und was hat das mit den Frauen zu tun? Nun viele Frauen sind von frühen Kindheitstagen an sehr häufig – trotz allen Wandels der Geschlechterrollen – viel mehr auf Emotionen und Empathie erzogen als Männer. Das beginnt schon damit, dass man ihnen oft Puppen zum Spielen anbietet, das ihre kindliche Phantasiewelt viel mehr von fliegenden Einhörnern und Eisprinzessinnen beherrscht wird als von siegreichen Ninja-Kriegern oder mächtigen Königen der Löwen.

Mädchen gehen Emotionalität und Empathie auf diese Weise in Fleisch und Blut über. Das wird nicht durch eine wissenschaftliche Ausbildung gelöscht, die sie auf Fakten und nüchterne Informationen einschwört. Und wenn dann noch besonderes Engagement dazu kommt, dann ergibt das eben schnell die ideale Mischung von Eigenschaften für hervorragende Leistungen in der Wissenschaftskommunikation. Glücklicherweise, denn so wird es auch in Zukunft herausragende Frauen geben, die als „Forschungssprecherinnen des Jahres“ ins Rampenlicht gestellt werden können, und als Vorbilder die Professionalisierung der Wissenschaftskommunikation fördern.

Die Wahl der „Forschungssprecherinnen des Jahres 2022“

Der Blog „Wissenschaft kommuniziert“ war vor 14 Jahren Initiator der Auszeichnung „Forschungssprecher des Jahres“. Jetzt wurden die Gewinnerinnen beim „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“, ebenfalls eine Initiative dieses Blogs, von den deutschen Kommunikations-Spitzenverbänden bekanntgegeben und geehrt.

In diesem Jahr wurden die Forschungssprecher zum ersten Mal durch eine reine Publikumswahl bestimmt. Die Auszeichnung der Forschungssprecherinnen und –sprecher haben auch in diesem Jahr wieder die drei führenden Kommunikationsverbände BdKom (Bundesverband der Kommunikatoren), DPRG (Deutsche Public Relations Gesellschaft) und GPRA (Gesellschaft der führenden PR- und Kommunikationsagenturen) ausgerichtet, nach dem sie zwölf Jahre lang von diesem Blog „Wissenschaft kommuniziert“ ausgeschrieben und organisiert wurde.

Eine Vorauswahl der Nominierten erfolgte durch ein Gremium aus Expertinnen und Experten der Branche, dem #team22. Dies besteht aus zwölf Vertreterinnen und Vertretern der Trägerverbände, den letztjährigen Forschungssprecherinnen des Jahres, Wissenschaftlern  und weiteren Expertinnen und Experten. Auf dieser Basis gab es eine offene Wahl im Internet, die auf eine große Resonanz in der Branche stieß.

Kriterien für die Bewertung waren:

  • Professionalität;
  • Journalistische Fähigkeiten;
  • Verständnis für die journalistischen Notwendigkeiten;
  • Niveau der vermittelten Informationen;
  • Verständlichkeit der Informationen in der (allgemeinen) Öffentlichkeit;
  • Digitale/Crossmediale Kompetenz;
  • und Umgang mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie.

Dem #team22 gehörten an:

  • Jasmina Alatovic (Vice President Corporate Communications der BioNTech SE und amtierende Preisträgerin des Preises „Forschungssprecherinnen und-sprecher des Jahres“)
  • Reinhard Artus (Selbstständiger Kommunikationsberater, Begründer und Leiter des Arbeitskreises Wissenschaftskommunikation der DPRG)
  • Dr. Christina Beck (Leiterin Kommunikation der Max-Planck-Gesellschaft und amtierende Preisträgerin des Preises „Forschungssprecherinnen und-sprecher des Jahres“)
  • Prof. Dr. Alexander Güttler (Inhaber und Geschäftsführer der komm.passion GmbH, Ratsmitglied des DRPR und ehemaliger Präsident der GPRA)
  • Reiner Korbmann (Blogger und langjähriger Organisator des Preises „Forschungssprecher des Jahres“)
  • Marc Raschke (Leiter Unternehmenskommunikation am Klinikum Dortmund und amtierender Preisträger des Preises „Forschungssprecherinnen und -sprecher des Jahres“)
  • Jens Rehländer (Leiter Kommunikation der Volkswagenstiftung und Leiter der Kompetenzgruppe Wissenschaftskommunikation des BdKom)
  • Dr. Annika Schach (Professorin für angewandte PR an der Hochschule Hannover und verantwortlich für Wissenschaftskommunikation im DPRG Bundesvorstand)
  • Dr. Michael Täger (Immunologe und Geschäftsführer der BMD GmbH)
  • Prof. Dr. Susanne Vollberg (Professorin für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
  • Julia Wandt (Universitätsleitung Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Geschäftsbereich Wissenschaftskommunikation und Strategie und Vorsitzende des Bundesverbands Hochschulkommunikation

    Externe Beratung:
  • Prof. Dr. Gunnar Berg (Von 2010 bis 2020 Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften – Leopoldina)