Die Forschungssprecher des Jahres 2016 – Die besten ihres Fachs

Posted on 8. September 2016

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 forschungssprecher_kleinGewählt von Wissenschaftsjournalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Die besten Experten der Wissenschaftskommunikation. Erstmals wählte das Publikum einen Schweizer Sieger.

 

Die „Forschungssprecher des Jahres 2016“ sind gewählt. Zum neunten Mal waren rund 700 Medizin- und Wissenschaftsjournalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vom „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ und vom Blog „Wissenschaft kommuniziert“ aufgerufen, die auf Wissenschaft und Forschung spezialisierten Sprecher in Hochschulen, Forschungsinstituten, Organisationen und Wirtschaft zu beurteilen und die besten „Forschungssprecher des Jahres 2016“ zu wählen. Hier exklusiv die Ergebnisse. Die Sieger sind: Forschungssprecher 2016 in der Kategorie Hochschulen und Forschungsinstitute: Dr. Ulrich Marsch von der Technischen Universität München (TUM); Forschungssprecherin 2016 in der Kategorie Forschungsorganisationen und Stiftungen: Dr. Christina Beck von der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in München; Forschungssprecher 2016 in der Kategorie Industrie und andere Unternehmen: Florian Martini von der Siemens AG in München.

Zur Wahl stand wie in jedem Jahr eine Vorschlagsliste mit rund 60 Namen – Vorschläge der Redaktion und Anregungen von Kollegen aus den letzten Jahren – alles Kolleginnen und Kollegen, die das komplexe Feld Kommunikation der Wissenschaft beherrschen, die als Sparingspartner, Kommunikationsmanager und Berater den Wissenschaftlern zur Seite stehen, wenn es gilt, mit den anderen Bereichen unserer sich rasant entwickelnden Gesellschaft zu kommunizieren, Wissen zu liefern, das eigene Tun transparent zu machen, andererseits aber auch Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft frühzeitig zu erkennen und in das eigene Kommunikationsverhalten mit einzubeziehen.

Immer wieder gibt es Diskussionen darum, wie man diese Tätigkeit am besten bezeichnet. Wisenschaftskommunikatoren? („Communicators“ geht im Englischen, im Deutschen ist es sprachlich furchtbar); Wissenschafts-PR? (Die Aufgabe dieser Kommunikationsspezialisten geht weit über das hinaus, was heute als PR praktiziert wird); Pressesprecher? (Es geht längst nicht mehr nur um die Presse und wird den geforderten Qualifikationen nicht gerecht). Wir bevorzugen: Forschungssprecher. Denn sie sprechen oder managen das Sprechen für die Forschung – oder ganz pragmatisch gesehen: Sie sind das Pendant zu Unternehmenssprechern, dies ist in Wirtschaft und Politik seit vielen Jahren die Bezeichnung für die Kommunikationsverantwortlichen, die selbst oft im Hintergrund stehen, aber Kommunikation konzipieren, steuern und organisieren.

Hohe Anforderungen an die Wissenschaftskommunikation

Die besten Forschungssprecher 2016 sind gewählt. Sie haben sich nach Ansicht der Kollegen ausgezeichnet durch professionellen Umgang mit den Notwendigkeiten der Kommunikation und den Besonderheiten des Wissenschaftssystems, durch journalistisches Denken in Aktualität, Sprache, Geschichten, Hintergrundinformationen. Sie waren den Journalisten gute Partner durch Verständnis für die journalistischen Notwendigkeiten, und sie machten der Forschung alle Ehre durch das Niveau der Informationen, das sie vermittelten.

Interessanterweise ergeben sich immer wieder Verschiebungen zwischen den einzelnen Jahren: Standen 2015 vor allem die Frauen in der Wissenschaftskommunikation im Mittelpunkt (ein ausführlicher Bericht ist im Internet im Blog „Wissenschaft kommuniziert“ zu finden), so konzentrieren sich die Bestwertungen in diesem Jahr – geschlechtsunabhängig – vor allem auf den Süden des deutschsprachigen Raums. Und dies nicht nur bei der „offiziellen“ Wahl zum Forschungssprecher des Jahres, sondern auch bei der Publikumswahl, die online auf „Wissenschaft kommuniziert“ stattfindet. Doch zuerst zur Wahl der Forschungssprecher durch die Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

Drei Sieger aus München gab es, in allen drei Kategorien. Dies ist umso erstaunlicher, als in der bundesweiten Diskussion der letzten Jahre um die Entwicklung der Wissenschaftskommunikation in Deutschland München kaum eine Rolle spielte. Da war die Kommunikationswissenschaft aus Eichstätt häufiger und dezidierter zu hören als die Fachleute aus München, obwohl es an der Technischen Universität München den ersten Lehrstuhl für Wissenschaftskommunikation in Deutschland gibt. Die beiden großen Universitäten neutralisierten sich sozusagen gegenseitig, die großen Organisationen mit Sitz in München (einzige Ausnahme: der ehemalige Fraunhofer-Sprecher Franz Miller – zwei Mal zum Forschungssprecher des Jahres gewählt) blieben eher ruhig in der Szene der Forschungssprecher. Wird sich das jetzt ändern? Es täte der Wissenschaftskommunikation in Deutschland gut, denn München ist – nach Berlin – sicher ein zweites Forschungs-Schwergewicht des Landes.

Die Sieger dieser Wahl sind hervorragende Vertreter professioneller Wissenschaftskommunikation:

Dr. Ulrich Marsch, TU München (Foto: Andreas Heddergott)

Dr. Ulrich Marsch, TU München
(Foto: Andreas Heddergott)

Zum „Forschungssprecher des Jahres 2016“ in der Kategorie Institute und Hochschulen wurde Dr. Ulrich Marsch gewählt, Leiter des Corporate Communication Centers der Technischen Universität München. Der promovierte Wissenschaftshistoriker sammelte auf seinem Berufsweg Kommunikationserfahrungen sowohl in der Industrie als auch in der Wissenschaft. Zunächst war er Persönlicher Referent des damaligen Max-Planck-Präsidenten Hubert Markl, dann zog es ihn in die Industrie, wo er bei Infineon vor allem mit modernster Halbleitertechnik und ihren wirtschaftlichen Konsequenzen zu tun hatte. Seit 2007 leitet er die Kommunikation der TU München, ist für Reden des Präsidenten ebenso verantwortlich wie etwa für Social Media, für Interne Kommunikation, natürlich für die Medienarbeit oder für das Branding der Hochschule. Über seine Aufgabe meint er heute: „Wissenschaft, die sich abschottet und als rein selbstreflexives System organisiert, leistet weder sich noch den Menschen einen Dienst.“

 

Dr. Christina Beck, Max-Plank-Gesellschaft München.

Dr. Christina Beck, Max-Plank-Gesellschaft München.

Zur „Forschungssprecherin des Jahres 2016“ in der Kategorie „Forschungsorganisationen und Stiftungen“ wurde Dr. Christina Beck gewählt, Leiterin Kommunikation der Max-Planck-Gesellschaft in München. Die promovierte und bekennende „Gummistiefel-Biologin“ kam aus der Forschung über das Forschungsmanagement zur Wissenschaftskommunikation. Seit 1998 arbeitete sie als Redakteurin in der Pressestelle der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), 2008 übernahm sie die Leitung des Referats für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Seit 2015 ist sie Leiterin der Abteilung Kommunikation der MPG. Der Grund für ihren Wechsel in die Wissenschaftskommunikation: „In der Wissenschaftskommunikation kommt man der Leidenschaft für die Wissenschaft noch nahe.“

 

 

 

Florian Martini, Siemens AG München

Florian Martini, Siemens AG München

Zum „Forschungssprecher des Jahres 2016“ in der Kategorie „Industrie und andere Unternehmen wurde Florian Martini gewählt, Pressesprecher für Forschung und Innovation in der Siemens-Konzernzentrale in München. Florian Martini begann mit einer klassischen Journalistenkarriere:Studium der Amerikanistik, Germanistik und interkultureller Kommunikation, dann Bayerischer Rundfunk und Münchner Merkur. Bevor er in die Unternehmenskommunikation bei Siemens einstieg. Hier war er zunächst als Chef vom Dienst des Wissenschaftsmagazins „Pictures of the Future“ tätig, bevor er die Verantwortung für die Forschungskommunikation übernahm. Seine Begeisterung für Forschungsthemen: „Sie sind fast immer relevant, positiv und bedeuten irgendeine Art von Fortschritt, von Erkenntnisgewinn.“

 

 

 

Auch dieses Jahr wieder: Die online-Publikumswahl

Gleichzeitig mit der Wahl durch 700 persönlich angeschriebene Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gab es auch in diesem Jahr wieder eine offene Wahl im Internet: Die online-Publikumswahl der beliebtesten Forschungssprecher. Forschungssprecher haben ein weites Umfeld – Kollegen, Wissenschaftler, Journalisten, Dienstleister, Nachbarn – alle haben mit den Sprechern eines Instituts oder einer Einrichtung zu tun. Jeder konnte sich daran beteiligen. Die Ergebnisse weichen von der offiziellen, persönlichen Befragung ab, auch weil der Kreis der angesprochenen ein anderer war. Und natürlich verführt das anonyme Internet immer wieder zu Abstimmungskampagnen – da helfen alle technischen Hürden nichts. Doch das lässt sich relativ leicht filtern, nicht absolut sicher, aber es zuverlässig genug. Wenn man dies tut, sind die Resultate einleuchtend, und oft genug nur wenige Plätze von der persönlichen Befragung entfernt.

Die Sieger der Online-Publikumswahl zu den Forschungssprechern des Jahres 2016:

Beat Müller, Universität Zürich

Beat Müller, Universität Zürich

In der Kategorie „Hochschulen und Forschungsinstitute“ siegte zum ersten Mal ein Schweizer Kollege: Beat Müller, Leiter Media Relations der Universität Zürich, eine auch in Deutschland bekannte und anerkannte Größe der Wissenschaftskommunikation.

 

 

Marco Finetti, Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn.

Marco Finetti, Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn.

In der Kategorie „Forschungsorganisationen und Stiftungen“ siegte ein allseits gut bekannter Kollege: Marco Finetti, Leiter der Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Er war bereits 2012 in der offiziellen Wahl zum Forschungssprecher des Jahres gewählt worden und ist einzige Ausnahme im „Südland-Trend“ der Wahl dieses Jahres.

 

 

Kurt Groeneveld, Daimler AG Stuttgart.

Koert Groeneveld, Daimler AG Stuttgart.

In der Kategorie “Industrie und andere Unternehmen” wurde Koert Groeneveld gewählt, der Leiter der Research & Development Communications bei Mercedes Benz in Stuttgart.

 

 

So wurden sie gewählt:

Wer sind die besten Forschungs-Pressesprecher?  So lautete die Frage, die der  „Medizin& Wissenschaftsjournalist“ zusammen mit dem Blog „Wissenschaft kommuniziert“ rund 700 Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz per Mail gestellt hat. Dabei sollten folgende vier Kriterien ausschlaggebend sein:

  • Professionalität
  • Journalistische Fähigkeiten
  • Verständnis für die journalistischen Notwendigkeiten
  • Niveau der vermittelten Informationen

Es sollten auch nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Daher wurde die Welt der Wissenschaftskommunikation in drei Kategorien eingeteilt:

  • Forschungsinstitute und Hochschulen
  • Forschungsorganisationen und Stiftungen
  • Industrie und andere Unternehmen

Rund 60 Forschungs-Pressesprecher und -sprecherinnen in diesen Kategorien wurden als mögliche Kandidaten genannt. Jeder dem jeweiligen Kollegen bekannte Pressesprecher sollte nach dem deutschen Schulnotensystem bewertet werden. Den Ausschlag gab die Durchschnittsnote – also unabhängig von der Häufigkeit der Nennung, allerdings mit Mindestquorum, damit nicht Einzelstimmen zu Ausreißern führen. Die Sieger des Vorjahres standen in diesem Jahr nicht wieder zur Wahl.

Warum die Wahl zum Forschungssprecher des Jahres?

Vor acht Jahren wurden zum ersten Mal die Forschungssprecher des Jahres gewählt. Es hat sich viel verändert seitdem: Inzwischen ist „Wissenschaftskommunikation“ kein Fremdwort mehr, Forschungssprecher reden allenthalben von Zielgruppen, von Strategien und Rahmenbedingungen. Mit der Effizienzkontrolle scheint es dagegen noch nicht so weit her zu sein. Immerhin: Wissenschaftskommunikation ist professioneller geworden, ganz anders als vor acht Jahren, als die Zeitschrift „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ zum ersten Mal rund 700 Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufforderte, die Forschungssprecher des Jahres zu wählen (der Blog „Wissenschaft kommuniziert“ existierte damals noch nicht einmal, er wurde drei Jahre später vom damaligen Chefredakteur des „Medizin&Wissenschaftsjournalist“, Reiner Korbmann, gegründet.

Der größte Wandel aber kam durch das Internet, das nicht nur alle Lebensbereiche erobert hat, sondern mehr und mehr auch gesellschaftliche Bedeutung gewinnt. Bloggs, Twitter, Facebook, Webinare und wie sie alle heißen, die interaktiven Medien, in denen sich immer häufiger Bürgerwillen formuliert, und in denen diese Bürger immer heftiger Mitsprache fordern. Das schafft neue Herausforderungen für die Wissenschaft in ihrem Verhältnis zur Gesellschaft. Bisher ist sie meist gewohnt, vom Katheder aus die Ergebnisse ihrer Forschung zu verkünden, verständlich zu machen und damit Akzeptanz einzufordern. Jetzt geht es mehr und mehr auch umgekehrt: Wissenschaft muss zuhören, mitgestalten lassen, auf Befindlichkeiten und Vorurteile eingehen, um ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft wahrzunehmen. Eine gewaltige Herausforderung für die Wissenschaftskommunikation.

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