Das Live-Projekt, Teil 2 – von Alleinstellung und Zielgruppen

Posted on 2. Mai 2012

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Christian Reinboth, Mitgründer von HarzOptics

Sehr geehrter Herr Korbmann,

vielen Dank für die ersten vier Fragen, die, wie der Volksmund so schön sagt, als einfache Fragen ganz besonders schwer zu beantworten waren. Glücklicherweise standen vergangene Woche gleich zwei Dienstreisen an, so dass ich mich an mehreren langen Abenden im Hotel mit den vier Fragestellungen auseinandersetzen konnte. Die Antworten sind dabei deutlich länger ausgefallen, als ich dies zunächst vermutet hätte, weshalb ich meine Antworten in zwei Teilen abliefern möchte: Zunächst unsere Alleinstellungsmerkmale und die wichtigsten Zielgruppen, in der kommenden Woche dann zu unsere Botschaften und der Status quo unserer Außendarstellung.

Das automatisierte LED-Messsystem.

Gleich vorneweg: Einen so markanten Satz wie die Helmholtz-Gesellschaft haben wir nicht zu bieten – und auch die Verwendung von Superlativen liegt uns eher fern, wohl wissend, dass wir zumindest in wissenschaftlicher Hinsicht kaum etwas anzubieten haben, was anderenorts nicht reproduziert werden könnte. Letztlich sind es daher vor allem diese Merkmale, durch die wir uns meines Erachtens abgrenzen können:

1. Automatisiertes LED-Messsystem und messtechnisches Know-How

Die LED ist als besonders energiesparendes Leuchtmittel sicherlich jedem Mitlesenden bekannt. Weniger bekannt dürfte sein, dass es aufgrund produktionstechnischer Umstände unmöglich ist, LEDs so herzustellen, dass sie stets in exakt der gleichen (Licht-)Wellenlänge abstrahlen. Dies bedeutet, dass man sich zwar massenhaft „gelbe LEDs“ bestellen kann, diese sich aber sowohl in der Intensität als auch in ihrem Farbort mehr oder weniger stark voneinander unterscheiden werden. Bei der Bestückung von Flächenstrahlern – etwa LED-Straßenlampen, in die niemand längere Zeit direkt hineinschaut – ist dies kein Problem, bei indirekter Beleuchtung – etwa Konturbeleuchtung – dagegen schon, da entsprechende Unterschiede hier auffallen und das visuelle Erscheinungsbild stören können.

Sollen LEDs für indirekte Beleuchtungszwecke eingesetzt werden, hat man ziemlich genau vier Möglichkeiten:

  • Man konzentriert sich auf Farben, bei denen die Farbort-Unterschiede weniger stark auffallen,
  • man findet sich damit ab, dass man einigen Ausschuss produziert,
  • man verkauft die Beleuchtungselemente trotz der auftretenden Qualitätsmängel
  • oder – und hier kommt HarzOptics ins Spiel – man vermisst im Vorfeld der Produktion jede einzelne LED und sortiert diese in Gruppen von LEDs ein, die in ihrer Abstrahlung (zumindest für den menschlichen Betrachter) homogen sind und die daher gemeinsam verbaut werden können, ohne dass es zu Schwankungen im visuellen Erscheinungsbild kommt.

Derartige Messdienste bietet unser An-Institut bereits seit seiner Gründung in 2006 an, seit 2009 können wir solche Messungen teilautomatisiert durchführen und sind damit in der Lage, auch größere Mengen an LEDs (bis zu 400 Stück pro Stunde bzw. 16.000 LEDs pro Woche) zu vermessen. Die genauen technischen Hintergründe lassen sich in diesem Blogpost bei den ScienceBlogs nachlesen, einige Fotos und eine detailliertere Beschreibung des Messsystems finden sich auf unserer Messtechnik-Webseite.

Derartige LED-Farbort-Selektionen werden nur von sehr wenigen anderen Instituten und Dienstleistern angeboten, automatisierte Vermessungen in derart großen Stückzahlen beherrschen unseres Wissens nach derzeit tatsächlich nur wir. Das Messsystem sowie natürlich das darin steckende messtechnische Know-How sind meinem Erachten nach daher als eines von vier wesentlichen Alleinstellungsmerkmalen unseres An-Instituts zu verbuchen. Im Bereich der optischen Messtechnik werden derzeit etwa 30 Prozent unserer Gesamtumsätze generiert.

2. Eines von drei zertifizierten Breitband-Beratungsunternehmen in Sachsen-Anhalt

Bereits seit mehreren Jahren fördert das Land Sachsen-Anhalt – federführend sind hierbei das Landwirtschaftsministerium und die Staatskanzlei – den Ausbau leistungsfähiger Breitband-Infrastrukturen vor allem in ländlichen und suburbanen Gebieten. Politisches Ziel ist es, eine Grundversorgung mit mindestens 2Mbit/s sicherzustellen um auf dieser Basis dann künftig den Aufbau zukunftssicherer HighSpeed-Netze unterstützen zu können. Die Staatskanzlei Sachsen-Anhalts hat zu diesem Zweck im Jahr 2009 drei Unternehmen als Breitband-Berater zertifiziert und ihnen damit die Aufgabe übertragen, die Städte und Kommunen vor Ort bei der Bedarfsermittlung, der Projektplanung, der Ausschreibung und der Beschaffung von Fördermitteln zu unterstützen – eine Sonderstellung, die mit Sicherheit als landesweites Alleinstellungsmerkmal gewertet werden kann. Die Breitband-Beratung macht derzeit etwa 50 Prozent unserer Gesamtumsätze aus.

3. Direkte Anbindung des Unternehmens als An-Institut an die Hochschule Harz

Ein knappes Jahr nach Gründung der HarzOptics GmbH im Jahr 2006 avancierte das Unternehmen 2007 zum An-Institut der Wernigeröder Hochschule Harz. Die direkte Anbindung an die Hochschule ermöglicht uns den potentiellen Zugriff auf hochqualifizierte Fachexperten, modernste Labore und – auch das sollte ehrlicherweise natürlich nicht verschwiegen werden – auch auf spezielle Fördermittel (wie etwa ZIM-KF-Gelder), auch wenn dies natürlich niemals der primäre oder gar einzige Grund für eine F&E-Kooperation sein kann und darf. All das macht uns zu einem potentiell attraktiven Partner für Unternehmen mit F&E-Bedarf, wobei dieses Alleinstellungsmerkmal von den vier genannten sicherlich das schwächste ist, da es natürlich zahlreiche forschende An-Institute mit oft besserer personeller und technischer Ausstattung gibt, die ebenfalls F&E-Dienste anbieten. Dieses Alleinstellungsmerkmal ist also allenfalls von regionaler Bedeutung. F&E-Vorhaben tragen derzeit etwa 20 Prozent zu unseren Gesamtumsätzen bei.

Seitenlichtfasern bei HarzOptics.

4. Fachwissen in der Beleuchtungstechnik und in der Lichtsmog-Vermeidung

Bei HarzOptics befassen wir uns sowohl mit der Entwicklung von Außenbeleuchtung (etwa im Rahmen unseres aktuellen Projekts AUBELE) sowie der Beleuchtungsplanung als auch mit der Minimierung der „Lichtverschmutzung„, einer speziellen Form der Umweltverschmutzung durch übermäßige und falsch ausgerichtete Beleuchtung. Damit liegen wir in einem interessanten Dauerkonfliktfeld zwischen Lampenherstellern (Interesse: Verkauf möglichst vieler Lampen, Beleuchtung soll optisch ansprechend sein) und Umweltschützern (Interesse: Beleuchtung nur dort, wo sie wirklich erforderlich ist, Beleuchtung soll Umfeld möglichst wenig beeinträchtigen). Aus dieser eher ungewöhnlichen Kombination machen wir meinem Erachten nach derzeit – noch – zu wenig, wollen unser Engagement etwa auf dem Gebiet der umweltfreundlichen Beleuchtungsplanung für Städte und Kommunen zukünftig aber deutlich ausdehnen.

Unsere wichtigsten Zielgruppen

Im Gegensatz zur ersten Frage gelingt mir hier die Begrenzung auf drei Antworten, die sich im Grunde auch an den ersten drei Alleinstellungsmerkmalen orientieren.

1. Unternehmen mit Bedarf an messtechnischen Dienstleistungen im Bereich der Optik

Neben den LED-Farbort-Messungen bietet HarzOptics noch eine ganze Reihe weiterer messtechnischer Dienstleistungen aus dem Bereich der Optik an, darunter Modenfeld-Messungen, Seitenlichtfaser-Messungen oder auch die Erfassung der wesentlichen Abstrahlungs-Charakteristika von Straßenlampen mittels eines Goniometers. Eine für uns besonders wichtige Zielgruppe sind daher Unternehmen und forschende Einrichtungen mit Bedarf an derartigen messtechnischen Dienstleistungen. Diese können beispielsweise aus dem Bereich Luftfahrt (Beleuchtung von Handlaufleisten in Flugzeugen), Automotive (Beleuchtung von Fahrzeugarmaturen), aus dem Bereich der Architektur (Konturbeleuchtung an Treppen oder Türen) oder auch aus der Pflege (Verbesserung der Schlafrhythmen über angepasstes Licht in Seniorenheimen) stammen. Mit unserer derzeitigen Öffentlichkeitsarbeit – die primär im Internet sowie auf Fachmessen und Konferenzen stattfindet – erreichen wir definitiv nur einen Teil dieser Zielgruppe, was uns angesichts unserer freien technischen Kapazitäten in diesem Bereich besonders umtreibt.

2. Landes- und Kommunalpolitik

Wie schon zum Breitband-Thema erwähnt, sind die Entscheidungsträger vor Ort in vielen Fällen noch unzureichend über die Bedeutung des Themas bzw. über die Möglichkeiten der Förderung informiert. Wichtige Ansprechpartner für uns sind in diesem Bereich insbesondere Ober- und Ortsbürgermeister sowie Stadt- und Ortschaftsräte. Da Landespolitiker häufig auch in den Kreis- und Kommunalparlamenten ihrer jeweiligen Wahlbezirke vertreten sind und dort in aller Regel viel Gehör finden, sind auch sie für uns wichtige Ansprechpartner, wenn es um das Thema Breitband-Ausbau geht.

3. Potentielle Forschungspartner

Diese Kategorie lässt sich erwartungsgemäß deutlich schlechter eingrenzen und beschreiben als die beiden vorausgegangenen. Wie erläutert, verfügt HarzOptics über größere fachliche und technische Kapazitäten primär in den Bereichen Optik und Feinoptik, optische Messtechnik, Außenbeleuchtung und Gebäudevernetzung. Damit stehen wir grundsätzlich gerne jedem Interessenten zur Verfügung, der ein spannendes Problem zu lösen oder eine interessante F&E-Aufgabe zu vergeben hat oder aber der gezielt nach Möglichkeiten für F&E-Kooperationen mit Fachhochschulen oder An-Instituten sucht.

4. „die Öffentlichkeit“

Selbstverständlich haben wir bei HarzOptics auch ein Interesse an einem guten öffentlichen Image, weshalb wir auch Pressearbeit in eigener Sache betreiben und etwa regelmäßig für die regionale Kulturförderung und den Naturschutz spenden. Unser Dienstleistungs- und Produktportfolio beinhaltet allerdings keine Angebote, die sich an den Endverbraucher richten, weshalb die „breite Öffentlichkeit“ für uns eher keine Zielgruppe darstellt.

Eine Ausnahme ist die transparente Darstellung unserer Forschungsarbeit, da wir für deren Finanzierung – teilweise – auch öffentliche Fördertöpfe in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund sehen wir uns in der Pflicht, allen (interessierten) Mitgliedern der Öffentlichkeit umfassend Einblick in unsere Arbeit zu gewähren. Dies schließt auch ein, dass wir – wenn möglich – versuchen, wissenschaftliche Publikationen in OpenAccess-Outlets zu platzieren.

Soweit erst einmal für heute.

Im zweiten Zug dann meine Antworten auf die noch offenen Fragen:

  •  die Botschaften, die wir an die Zielgruppen senden wollen
  •  und das, was wir schon bisher in der Öffentlichkeitsarbeit tun.