Ein Blog nackt – 2014 ein Jahr des Aufbruchs allerorten

Posted on 20. Januar 2015

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Stichworte aus einem Jahr „Wissenschaft kommuniziert“

Reiner_Blog_miniGute Traditionen soll man beibehalten. Und es ist inzwischen gute Tradition auf diesem Blog, unter der etwas reißerischen Überschrift „Ein Blog nackt“ zu Beginn des Jahres eine Bilanz zu ziehen, Zahlen und Themen offenzulegen, kurz Transparenz zu schaffen, was von dem hier Geschriebenen in den vergangenen zwölf Monaten auf welches Interesse gestoßen ist.

2014 war für die Wissenschaftskommunikation ein Jahr des Aufbruchs. 15 Jahre war es her, seitdem die großen Wissenschaftsorganisationen die PUSH-Initiative gestartet haben, der Startschuss für eine systematische Kommunikation der Wissenschaft mit der Gesellschaft in Deutschland. Doch nie vorher wurde soviel über Wissenschaftskommunikation diskutiert – bis in höchste Kreise der Wissenschaft und der Politik – wie 2014.

Unfähig zum Kontakt? - Wie schafft es Wissenschaft, die Gesellschaft zu erreichen? (Foto: Speedy's Mama/Pixelio

Wissenschaft und Gesellschaft – Das Schlüsselwort des Jahres 2014. (Foto: Speedy’s Mama/Pixelio

Einen „heißen Sommer der Wissenschaftskommunikation“ haben wir dies hier genannt. Er begann mit einem Schock, mit der Veröffentlichung einer Studie der Wissenschaftsakademien, die so rückwärts gewandt war, dass man sie getrost als „Anti-PUSH“ bezeichnen konnte. Daneben machte der Siggener Kreis Vorschläge für Qualitätskriterien der Wissenschaftskommunikation, natürlich gab es auch typisch deutsche Diskussionen um die Definition des Begriffs  „Wissenschaftskommunikation“, den großen Schritt nach vorn aber brachte eine Provokation: Zwei Kommunikationswissenschaftler stellten sich vor eine Konferenz von Wissenschaftskommunikatoren und behauptete: Kommunikation mit der Gesellschaft ist schädlich für die Wissenschaft. Ein Aufschrei ging durch die Gemeinde, und plötzlich waren sich alle Kollegen in der Zielsetzung einig: Ganz im Gegenteil!

Recherche zwischen Zeitdruck und Sorgfalt - Wie finden Journalisten seriöse Quellen?

Tipps für die Praxis – Wie finden mich Journalisten?

Es blieb nicht beim „heißen Sommer“, glücklicherweise. Kurz vor Jahresende folgte vor allem noch eines: das Forum Wissenschaftskommunikation in Potsdam, wo ein hochrangiger Politiker (erstmals) und ein deutscher Sozialwissenschaftler, der sich in den USA eingehend mit dem Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft befasst, sich einig waren: Es kann bei der Wissenschaftskommunikation nicht um Akzeptanzbeschaffung oder um Belehrung der Bürger gehen, sondern nur um einen offenen Dialog mit den Bürgern für eine sachorientierte, gemeinsame Entwicklung der Gesellschaft. Den Vortrag des Politikers Stefan Müller (Vier Thesen – Impulse für die Wissenschaftskommunikation) haben wir gerade leicht gekürzt als Gastbeitrag in diesem Blog veröffentlicht, über die Ansichten des Wissenschaftlers Prof. Dietram Scheufele haben wir wiederholt berichtet (z.B. Warum brauchen wir Wissenschaftskommunikation?; Forum Wissenschaftskommunikation – Wo bleiben die Akteure?). Und noch in einem zweiten Punkt waren sich die beiden einig: Am wenigsten Interesse für die Wissenschaftskommunikation haben bisher die wichtigsten Akteure gezeigt – die Wissenschaftler. Und das darf nicht so bleiben. Das wird sicher eines der großen Themen dieses Jahres.

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Provokation und Anregung – Berichte von Tagungen, die jeden Forschungssprecher angehen.

Sie werden sich fragen, verehrte Leserin oder Leser, was dies alles mit der Bilanz dieses Blogs zu tun hat. Nun, dieser spürbare Aufbruch der Wissenschaftskommunikation hatte unmittelbare Auswirkungen auf diesen Blog. Wie schon die vielen Links oben zeigen, haben wir hier kontinuierlich über die Debatten berichtet, zusätzliche Informationen geliefert (z.B. Für wen machen wir Wissenschaftskommunikation?; Wo lernt man Wissenschaftskommunikation? – Zwei interessante Versuche), zusätzliche Argumente in die Debatte geworfen (z.B. Was ist ein Wissenschafts-Blog? – Da gibt es viele Perspektiven!); Aktionen initiiert, die neue Diskussionen auslösten (z.B. Die Forschungssprecher des Jahres 2014; Wählen Sie den Wissenschafts-Blog des Jahres 2014), Debatten dokumentiert (z.B. „Wissenschaftskommunikation im Wandel“ – Ein aktuelles Storify; Image durch Inhalt! – Ein Storify für eine bessere Wissenschaftskommunikation #wowk14; Wissenswerte 2014 – Im Spiegel der Gedankensplitter); interessante Beispiele der Wissenschaftskommunikation präsentiert (z.B. Genial für die Wissenschaftskommunikation – Die spannendsten Forscher-Blogs), den Kollegen Tipps für ihre Arbeit gegeben (z.B. „Statistik für die Praxis – Wie finden mich Journalisten?“; „Tipps für die Wissenschaft – aus der Wirtschaft“; „Ungewöhnliche Wege – Poesie und Wissenschaft“) und externe Experten in Gastbeiträgen zu Wort kommen lassen (z.B. Franz Miller: Was wir aus dem Fall ADAC lernen können; Wolfgang Goede: Schluss mit dem Dornröschenschlaf! – Forschung und Gesellschaft). Und das gestiegene Interesse an der Wissenschaftskommunikation führte zu einem enorm gesteigerten Interesse an diesem Blog, sichtbar an den Zugriffszahlen, die um über 90 Prozent zulegten: Von 27.760 im Jahr 2013 auf 53.080 im Jahr 2014.

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Gastautor Franz Miller berichtete vom alten Nachbarn: Was wir aus der ADAC-Krise lernen können.

Damit von den Inhalten zu den Zahlen: Die 53.080 Aufrufe dieses Blogs kamen aus insgesamt 96 Ländern, vor allem natürlich aus den deutschsprachigen Nationen Deutschland, Österreich und Schweiz. Immerhin fast acht Prozent (3.921) aus dem Nicht-deutschsprachigen Ausland, fast doppelt so viele wie ein Jahr vorher. Die meisten Zugriffe kommen über Suchmaschinen, doch auch Links in Sozialen Netzwerken, wie Twitter, Facebook, Google+ oder Linkedin brachten 3245 Interessenten zu „Wissenschaft kommuniziert“.

Insgesamt 46 Beiträge wurden auf „Wissenschaft kommuniziert“ im Jahr 2014 gepostet, drei weniger als 2013. Die beliebtesten Blogposts waren: „Wählen Sie den Wissenschafts-Blog des Jahres 2014“ mit 6.437 Aufrufen, Franz Millers Gastbeitrag „Die Krise und der Plan – Was wir aus dem Fall ADAC lernen können“ mit 1.229 Klicks, der Aufruf zur Online-Wahl der Forschungssprecher des Jahres mit 787 Aufrufen, die „Vier Zurufe zur Konferenz der VolkswagenStiftung „Image statt Inhalt? – Warum wir eine bessere Wissenschaftskommunikation brauchen“ mit 664 Lesern und der erste Teil unserer offenen Reihe „Die spannendsten Forscher-Blogs“ (501). Am meisten kommentiert wurde der Wahlaufruf zur Wahl der Wissenschafts-Blogs 2014 mit 35 Kommentaren und der Beitrag „Wissenschaft! Wissenschaft?“ mit 27 Kommentaren.

Auszeichnung und Ehre durch die Blogleser: Der Wissenschafts-Block in Gold für "Primaklima".

Aktionen, die Anregungen geben sollen – Die Kokarde des „Wissenschafts-Blog des Jahres 2014“.

Eine interessante Form, aktuell über Ereignisse zu berichten, haben wir in diesem Jahr getestet und für gut befunden: 3.853 Leser haben auf unsere Storifys zugegriffen. Das ist eine Publikationsform, die das Internet erfunden hat: Eine Sammlung von allen zu einem Thema veröffentlichten Tweets oder Blogposts (gekennzeichnet durch einen Hashtag „#“). Spitzenreiter war das Storify zur Tagung der VolkswagenStiftung „Image durch Inhalt! – Ein Storify für eine bessere Wissenschaftskommunikation #wowk14“ mit 447 Zugriffen, weit mehr als Kollegen in Hannover anwesend waren. Als zweites Storify folgte „Wissenschaftskommunikation im Wandel“ (256) zur gleichnamigen Tagung der Ad-hoc-Gruppe „Wissenschaftskommunikation“  der Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaften im Februar in Zürich. Da ein privater Blogger wie ich nicht bei allen Events dabei sein kann, bieten Storifys die Möglichkeit, die live getweeteten Gedankensplitter von vielen Teilnehmern aufzugreifen, zuzuordnen, in einen Zusammenhang zu stellen und so die Leser aktuell über Inhalte und Reaktionen zu informieren. Viel Arbeit für den, der zu Hause am Computer sitzt, aber interessante Informationen: Wir werden sie weiter bieten.

Die drei Forshungssprecher 2014 bei der Auszeichnung: v.l. Rolf Hömke, Monika Landgraf, Cristian Walther, dahinter der Verleiher Reiner Korbmann. (Foto: Alexander Gerber)

Auszeichnung und Vorbilder: Die drei Forshungssprecher 2014 bei der Auszeichnung in Magdeburg (Foto: Alexander Gerber)

Es geht in diesem Blog nicht um möglichst hohe Zugriffszahlen. Es geht darum, die Debatte um professionelle Wissenschaftskommunikation lebendig zu halten. Ein Nischenthema, bei dem in dieser Republik nicht Zehntausende zu den Insidern gehören. Doch die Reaktionen machen Mut. Und vor wenigen Tagen erfuhr ich noch eine Zahl, die weiter Mut macht: Es gibt ein Ranking, das  anhand von Links und Nennungen in den Sozialen Netzwerken monatlich versucht, den Einfluss von Blogs zu messen – sicher kein eindeutig statistisches Unterfangen, schließlich lässt sich Einfluss ohnehin nicht wissenschaftlich exakt messen. In diesem Ranking, das sogenannte Teads-Ranking (ehemals ebuzzing) steht „Wissenschaft kommuniziert“ im Januar zum ersten Mal auf Platz drei der einflussreichsten Wissenschaftsblogs, um 23 Plätze verbessert. Vor einem Jahr waren wir schon einmal auf Rang 14 und damals sehr überrascht. Schöne Erfolge – sicher, aber man sollte Zahlen nicht zu ernst nehmen. Uns geht es darum, in den Köpfen etwas zu verändern, vor allem in den Köpfen der Menschen, die etwas dafür tun müssen, dass Wissenschaft kommuniziert. Und daran arbeiten wir weiter.

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