Die Wünsche der Wissenschaftler – sehr bescheiden

Posted on 7. Dezember 2011

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Äußerst bescheidene Wünsche: Chemiker Schüth

Er ist ein ausgezeichneter Wissenschaftler. Er ist einer von denen, die nicht nur auf die eigene Arbeit schauen, sondern das Umfeld von Forschung erkennen, die wissen, das Kommunikation ein wichtiges Mittel ist, um in dieser Gesellschaft Ziele zu verwirklichen. Und dennoch war er auf dem 4. Forum Wissenschaftskommunikation der Initiative Wissenschaft im Dialog (WID) eine bittere Enttäuschung. Denn als er „die Wünsche eine Wissenschaftlers an die Wissenschaftskommunikation“ in Köln präsentierte, da war nicht das Geringste von seiner Weltsicht zu erkennen. Es ging ihm bei seinen Wünschen vor allem um Eines: Dass die eigenen Forschungsergebnisse möglichst gut dargestellt werden.

Die Rede ist von Ferdi Schüth, einem brillianten Chemiker und Direktor am Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr. Er war vom WiD eingeladen, den 350 versammelten Wissenschaftskommunikatoren zu erklären, wofür sie eigentlich arbeiten: Warum braucht Wissenschaft Forschungssprecher, warum braucht sie in dieser Gesellschaft Kommunikation, was wil sie von ihnen?

Da hätten große Wünsche und Herausforderungen kommen können, etwa eine besondere Wahrnehmbarkeit der Wissenschaft im Wettbewerb um Aufmerksamkeit, der unsere Informationsgesellschaft beherrscht, etwa mehr Einfluss auf gesellschaftliche Entscheidungen, etwa eine breite Unterstützung für die öffentlichen Ressourcen, die Forschung benötigt, etwa die Faszination des Nachwuchses, etwa Transparenz für Nachbarn und Interessengruppen und … und … und… Da wären Forderungen an die Wissenschaftskommunikatoren am Platz gewesen, etwa ebenso professionell zu handeln wie Kommunikatoren aus den Feldern Wirtschaft. Politik, Sport oder Kultur, sich um anerkannte Aus- und Fortbildung für das komplexe Feld der Kommunikation zu bemühen, bis hin zur Anerkennung der Forschungssprecher als Berater und Wegweiser im Mediendschungel, in arbeitsteiliger Partnerschaft mit den Forschern. Und … und … und …

Nichts von all dem. Die Wünsche blieben bescheiden – und vor allem auf die Darstellung des eigenen Tuns beschränkt. Kein Wort zur Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft, kein Gespür für die rasanten Veränderungen in ihren Strukturen und Präferenzen, keinen Blick dafür, dass es in dieser Gesellschaft einen immer härteren Wettbewerb um Ressourcen und Privilegien gibt (da steht für die Wissenschaft viel auf dem Spiel), kein Auge dafür, dass auch Forschung Sensoren braucht, die gesellschaftliche Strömungen registrieren und Reaktionen darauf triggern. In unserer informationsbestimmten Gesellschaft gilt das, was von jemandem wahrgenommen wird, mehr als das, was er tut. Das aber bedeutet: Wer nicht wettbewerbsfähig kommuniziert, verliert.

Aber nicht nur in Schüths unglücklichem Vortrag, auch sonst fehlte beim Auftakt des Forums Wissenschaftskommunikation die dringend benötigte Vision: Wofür arbeiten wir eigentlich, zwischen allen Stühlen der Politik, der Gesellschaft und der Wissenschaft? Fernsehstar Ranga Yogeshwar gab in seinem Vortrag zur Reaktorkatastrophe Fukushima den Forschungssprechern bestenfalls praktische Tipps. Von den Wünschen der Politik, vorgetragen von der zuständigen Abteilungsleiterin im Bundesforschungsministerium, Susanna Schmidt, blieben auch nur die drei Schlagworte Diskurs, Partizipation und Nachhaltigkeit hängen. Und die Wünsche der Gesellschaft konnten wegen Erkrankung des Referenten gar nicht erst präsentiert werden. Pech für die Veranstalter, enttäuschend für die Zuhörer.

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