Der weite Weg zur Praxis – Kommunikationsforschung und Wissenschaftskommunikation #WisskomMUC #10JahreWissenschaftkommuniziert

Posted on 17. November 2021

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Vorab ein Versäumnis nachholen: Bei der Verabschiedung der Teilnehmer und der Referenten des „Treffpunkts“ habe ich versäumt, mich bei der Gastgeberin Lioba Suchenwirth, der DLR und dem Institut für Robotik und Mechatronic noch einmal herzlich für die Gastfreundschaft zu bedanken. Dafür entschuldige ich mich aufrichtig: Ganz, ganz herzlichen Dank. Wir wurden gut und aufmerksam betreut, die Einführung hat die Arbeit des Instituts wirklich lebendig gemacht.

Vier Zentren – zwei Welten: Forschung und Praxis

Der jüngste „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ präsentierte „Vier neuen Zentren für die Wissenschaftskommunikation“.

Es könnte eine ideale Ergänzung sein: Wissenschaftskommunikation unterstützt die Wissenschaft durch Kommunikation, Kommunikationswissenschaft unterstützt die Wissenschaftskommunikation durch evidenzbasierte Grundlagen, durch Forschungsergebnisse, Hinweise und Tipps zu Zielgruppen, Formaten und vielen anderen Dingen, die für die Praxis der Kommunikation wichtig sind. In manchen Ländern funktioniert das. In Deutschland dagegen scheinen Welten zu liegen zwischen der Praxis der Wissenschaftskommunikation und der Kommunikationsforschung, die sich mit diesem Feld beschäftigt.

Diesen Eindruck habe ich schon auf Tagungen der Fachgruppe Wissenschaftskommunikation der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) gewonnen und wiederholt hier im Blog darüber berichtet. Jedes Mal war ich enttäuscht ob der abgehobenen, theoretischen Filterblase, in der viele (nicht alle!) Kommunikationsforscher sich offensichtlich befinden, die über Wissenschaftskommunikation forschen. Es fehlt völlig ein Bezug zur Praxis, zur gesellschaftlichen Realität, es fehlt die Zusammenarbeit der Forscher untereinander oder gar eine gemeinsame Forschungsagenda, um die Wissenschaftskommunikation mit Hilfe der Kommunikationsforschung voran zu bringen.

Warum das so ist? Es kann keine Kulturfrage sein, wie man oft sagt, dass etwa Angelsachsen sich schon sprachlich leichter tun, über Wissenschaft zu kommunizieren. Deutsche Kommunikationswissenschaftler im Ausland leisten Herausragendes, etwa der aus Dresden stammende Mike Schäfer, Professor für Wissenschaftskommunikation an der Universität Zürich, der mit seinen Segmentationsanalysen ganz neue und praxisnahe Zielgruppen-Strukturen vorgeschlagen hat, oder der aus Stuttgart stammende Dietram Scheufele, Professor an der University of Wisconsin, der als einer der führenden Forscher zur Wissenschaftskommunikation in den USA gilt.

Umso mehr Hoffnungen weckte das Förderprogramm Wissenschaftskommunikation hoch drei“ der Volkswagenstiftung, das in vier neuen Zentren Kommunikationswissenschaften, Praxis der Wissenschaftskommunikation und Fachwissenschaft zusammenbringen möchte. 15 Millionen Euro werden dafür eingesetzt. Hier wird klug geklotzt und nicht gekleckert. Auch dieses Programm wurde in diesem Blog wiederholt dargestellt, samt der Hoffnungen, die es beim Förderer und in der Wissenschaftskommunikation weckte. Doch der Weg von der deutschen Forschung zur Wissenschaftskommunikation bis zur Praxis ist sehr weit. Das zeigte sich auch beim jüngsten „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“, bei dem sich die vier neuen Zentren, im Juni ausgewählt, zum ersten Mal gemeinsam öffentlich präsentierten. So weit, dass man Zweifel bekommen mag, ob er überhaupt mit diesem Ansatz zu bewältigen ist.

Referenten und Teilnehmer beim „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation am 9. November 2021.

Die vier Sprecher der Zentren waren darauf vorbereitet, dass vor allem auch Praktiker der Wissenschaftskommunikation ihnen – per Online-Konferenz – zuhören. Dennoch blieben die Darstellungen weitgehend theoretisch. Zwar waren alle stolz auf die Praktiker, die sie für ihr Team gewinnen konnten – vom Norddeutschen Rundfunk über das ScienceMediaCenter bis zum entstehenden Biotopia-Museum in München – doch kaum ein Wort dazu, welchen Rolle sie bei den bevorstehenden Forschungsarbeiten spielen sollen, welche neuen Aspekte die Wissenschaftler sich aus der ungewöhnlichen Partnerschaft erhoffen. Noch nicht einmal ein konkretes Beispiel tauchte auf, welche Vorteile die Wissenschaftskommunikations-Praxis aus der transdisziplinären Arbeit der vier Forschungszentren gewinnen könnte. Die Zuhörer zogen in der anschließenden Diskussion daraus eine ganz praktische Konsequenz: Kein einziger stellte eine Frage an die Referenten.

Das „RHET AI-Center Tübingen“: Wissenschaft wirkt in die Gesellschaft

Prof. Olaf Kramer, Sprecher des „RHET-AI-Centers“ in Tübingen.

Doch der Reihe nach, und auch weniger pauschal als dies in einer kritischen Zusammenfassung möglich ist: Da sprach zunächst Prof. Olaf Kramer, Rhetorikprofessor an der Universität Tübingen, für das Zentrum „Rhetorical Science Communication Research on Artificial Intelligence“ (RHET AI). Er war von den Vortragenden eigentlich noch am nächsten und konkretesten dran an den Zielen der praktischen Wissenschaftskommunikation, vor allem was das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft betrifft. Künstliche Intelligenz, so Prof. Kramer, hat heute in der Gesellschaft ein durchaus ambivalentes Image: Von nützlichem Helfer, wie Robotern oder dem automatischen Fahren, bis zu einem Schöpfermythos, der die Dominanz des Menschen bedroht.Ein Thema, das große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit hat und emotional hoch aufgeladen ist, aber über viele wichtige Themen werde kaum diskutiert: Etwa über Künstliche Intelligenz in der Medizin, über ethische Fragen, über die Wirkung von Künstlicher Intelligenz auf das öffentliche Meinungsbild oder über die Auswirkungen von KI auf die gesellschaftliche Kontrolle, Beispiel Gesichtserkennung.

Für Prof. Kramer stellt Künstliche Intelligenz ein „Black-Box-Szenario“ dar, denn auch die Fachwissenschaftler sind kaum in der Lage, alle Wirkungen ihrer Algorithmen vorauszusehen. Damit wird die Kommunikation über KI aber zugleich auch zur Herausforderung für die Gesellschaft, wie sie sich zu gleichzeitigem Wissen und Nichtwissen verhält. Zugleich aber, so der Rhetoriker, wird die Kommunikation zu KI zu einem Beispiel für viele andere Bereiche der Wissenschaft mit erheblichen Wirkungen auf die Gesellschaft, etwa Pandemiebekämpfung oder Klimawandel.

Partner der Tübinger Rhetoriker im „RHET AI Center“, wie sie ihr Projekt nennen, sind die Medienwissenschaftler der Universität Tübingen, die Wissenschaftskommunikationsforscher des KIT in Karlruhe, die KI-Forscher des Tübinger Konsortiums „Cyber Valley“, heute größter KI-Forschungsverbund Europas, und „Wissenschaft im Dialog“ (WiD) in Berlin. Sie wollen zunächst die bestehende Kommunikation zur Künstlichen Intelligenz analysieren, zusammen mit Wissenschaftlern kommunikative Kompetenz entwickeln, Events organisieren besonders für spezielle Zielgruppen, etwa Schulen. Sie wollen aber auch die Frage stellen, was Künstliche Intelligenz zur Wissenschaftskommunikations-Forschung beitragen kann, im Rahmen einer „Future Strategy“.

„Uns interessiert, wie eine gesellschaftliche Debatte rund um KI gelingen kann“, zog Prof. Kramer das Fazit. „Letztendlich geht es darum, welche Rolle spielt Wissenschaft in der Gesellschaft.“ Und er unterstrich, gerade auch aus Perspektive der Künstlichen Intelligenz: „Wissenschaft wirkt unmittelbar in die Gesellschaft hinein, sie ist Teil der Gesellschaft. Wir glauben, dass bei einem Thema, das so starke gesellschaftliche Konsequenzen hat wie Künstlichen Intelligenz, dieser Austausch und dieses Zusammendenken außerordentlich wichtig sind.“

Link: Präsentation des RHET AI-Centers

Das „Kieler Network KSCN“: Wissenschaft in Bildern entwickeln

Prof. Tom Duscher, Muthesius Kunsthochschule Kiel, Sprecher des „Kiel Science Communication Network“.

Eine ganz andere Stoßrichtung als die südwestdeutschen Forscher hat das „Kiel Science Communication Network“ (KSCN), von dem Prof. Tom Duscher berichtete. Hier geht es um Bilder, um Visualisierung oft abstrakter Daten aus den Bereichen Medizin und Lebenswissenschaften. Oft übersehen, haben Bilder, auch bewegte Bilder, in den letzten Jahrzehnten eine wichtige Rolle in der Wissenschaft gewonnen, um Daten in einen Zusammenhang zu bringen, Dinge besser zu verstehen, Vorgänge in beliebiger Geschwindigkeit nachverfolgen zu können. Diese Entwicklung hat die Wissenschaftskommunikation noch kaum erreicht: Hier dominieren Worte und Köpfe, selbst in den meisten Youtube-Kanälen zu Wissenschaft. Ausnahmen lassen sich bestenfalls beim Kurzfilm-Wettbewerb „Fast forward Science“ finden. Aber Bilder, vor allem bewegte Bilder, wecken Emotionen, und die sind eine Voraussetzung für funktionierende Kommunikation.

Hier will das KSCN die Wissenschaftskommunikation voranbringen. Prof. Duscher selbst ist Professor für interaktive Medien an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Seine Partner sind das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik (IPN), die Universität Kiel mit ihrer Forschungswerkstatt und der Leibniz WissenschaftsCampus KiSOC, Praxispartner sind der Norddeutsche Rundfunk, die Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“, der Youtube-Kanal „Kurz gesagt“ und das Bildungsangebot opencampus.sh. Ziel des Projektes KSCN, so Prof. Duscher, ist es, Kompetenz in Design zu kombinieren mit Wahrnemhungsforschung, Emotions- und Experience-Forschung. Und dabei interaktive und partizipatorische Formate für die Wissenschaftskommunikation, aber auch Lernplattformen zu entwickeln. „Wir wollen Wissenschaftler mit Tools ausstatten, um diese visuellen Formate für ihr Fach zu entwickeln und den Unterricht über Wissenschaft in den Schulen interessanter zu gestalten“, fasste Prof. Duscher die Intentionen zusammen.

Ziel der Forschungen sei es, Künstler als Experten des Bildes, auch des Bewegtbildes, mit Wissenschaftlern zusammen zu bringen, Design- und Forschungsexpertise multidisziplinär zu verknüpfen und in Kooperation gemeinsam visuelle Darstellungen der Forschung entstehen zu lassen. Und schließlich sollen diese Darstellungen auch von den Nutzern, seien sie in Schulen oder Medien, weiterentwickelt werden. „Collaborative Design“ lautet das Stichwort. Daraus sollen neue, transdisziplinäre Masterstudiengänge entstehen und Lernprogramme für Schulen. „Wir wollen die Gesellschaft in einen neuen Diskurs über Gesundheit und Weiterentwicklung bringen“, zog Prof. Duscher das Fazit.

Link: Präsentation des “Kiel Science Communication Networks” (PDF 4MB zum Download)

Das „Munich Lab“: Das Verzwickte der „wicked problems“

Dr. Bernhard Goodwin, Projektkoordinator des „Munic Science Communication Lab“.

Geht es in Kiel um das eine, vielseitige Medium Bild, geht es für die Münchner Projektgruppe „Munich Science Communication Lab“ (MSCL) gleich um unseren ganzen Planeten. Ihr Thema ist die Kommunikation des Konzepts „Planetary Health“, bei dem es um die Zusammenhänge zwischen der Gesundheit der Menschen und der Gesundheit seiner ganzen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwelt geht. „Planetary Health“ ist eher eine wissenschaftliche Utopie, als ein wissenschaftliches Fachgebiet. Es geht um alle Zusammenhänge der menschlichen Gesundheit mit der Gesundheit der Ökosysteme, und umgekehrt um die Auswirkungen von gefährdeten Umweltsystemen auf das menschliche Wohlbefinden. Wissenschaftler aus Natur-, Lebens-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften spielen ebenso eine Rolle wie politische Aktivisten. Gute Kommunikation nach Außen ist hier ebenso wichtig, wie die Kommunikation unter den Beteiligten innerhalb der „Planetary Health“.

Dr. Bernhard Goodwin, Projektkoordinator des MSCL, sieht in „Planetary Health“ ein bislang wenig diskutiertes Beispiel für ein „wicked problem“, ein verzwicktes Problem von der Art, mit der sich die Wissenschaftskommunikation immer häufiger herumschlagen muss: Themen aus der Wissenschaft, die weit über die Forschung hinaus direkt in die Gesellschaft hineinwirken – äußerst komplex und voller widerstreitender Zielstellungen, je nachdem aus welcher Perspektive man sie betrachtet. Als aktuelle Beispiele dafür können durchaus die Corona-Krise herhalten, wo die Erkenntnisse der Virologen zur Infektionsverhütung ständig den Erkenntnissen von Soziologen und Jugenpsychologen zu Lockdowns und Schulschließungen wiedersprechen – oder aber die Klimaforschung, wo die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen sozialen und wirtschaftlichen Zielstellungen widerspricht.

Entsprechend der Komplexität des Themas hat Dr. Goodwin vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität München (IfKW), besonders viele Partner aus Wissenschaft und Praxis im Projekt versammelt: Mediziner, Geowissenschaftler, Physiker und Biologen der Universität München, das Rachel Carson Center für Umwelt und Gesellschaft der Universität, das Helmholtz-Zentrum München, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KluG) und demnächst auch die Technische Universität München. Aus der Praxis gehören zu den Partnern das Deutsche Museum und das entstehende Museum „Biotopia“, zwei Journalismus-Ausbildungsstätten (Mediaschool Bayern, Deutsche Journalistenschule) und zwei „öffentlich sichtbare Wissenschaftler“, wie Goodwin sie nennt: die Umweltmedizinerin Prof. Claudia Traidl-Hoffmann und der durch das Fernsehen gut bekannte Physiker und Philosoph Prof. Harald Lesch.

Mit dem „Munich Science Communication Lab” zieht Wissenschaftskommunikation als ein neuer Schwerpunkt am IfKW der Universität München ein, das sich bisher eher um Gesundheitskommunikation, politische Kommunikation und Risikokommunikation gekümmert hat. Dr. Goodwin hofft, von den Ergebnissen und Erfahrungen in diesen Bereichen für die „wicked Problems“ der „Planetary Health“ zu profitieren. Immerhin hat das MSCL bereits mit seinen Aktivitäten gestartet, drei Workshops zu Themen um „Planetary Health“ haben bereits stattgefunden, sowie erste Lehrveranstaltungen in den Masterstudiengängen Biologie und Journalismus. Ganz aktuell, meint er, werde auch die Debatte um den Klimawandel von den Münchner Aktivitäten profitieren: „Planetary Health ist auch ein spannender Medienframe, um der Diskussion um den Klimawandel eine neue Perspektive zu geben.“

Link: Präsentation des MSCL (PDF 0,5 MB zum Download)

Das Rhine-Ruhr-Center: Wie Wissen über Wissenschaft vermitteln?

Prof. Holger Wormer, Sprecher des „Rhine-Ruhr-Centre for Scienvce Communication“.

Die Medien stehen wiederum im Mittelpunkt der Arbeit des „Rhine-Ruhr-Centre for Science Communication Research“, das Prof. Holger Wormer vorstellte, seines Zeichens Professor für Wissenschaftsjournalismus an der TU Dortmund. Dieses Zentrum mit regionaler Streuung bis nach Bonn und Essen, will sich vor allem zwei Themen widmen: Der Kommunikation über das Wissenschaftssystem selbst „was ist Wissenschaft, wie arbeitet sie“; und der Wissenschaftskommunikation zu den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Partner der TU Dortmund im Rhine-Ruhr-Centre sind das Forum Internationale Wissenschaft der Universität Bonn, das Institut für Medienentwicklung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen. Aus der Praxis kommen die Wissenschaftspressekonferenz (WPK) und das Science Media Center Germany in Köln hinzu. Mit ihnen, so heißt es in der Ankündigung, sollen „Infrstrukturen für den Austausch zwischen Wissenschaft, Journalismus, Politik und weiteren Zielgruppen entwickelt werden.“

Schon vor der Pandemie, so Pof. Wormer, hat sich gezeigt, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften sowohl von Wissenschaftskommunikation als auch von Wissenschaftsjournalismus vernachlässigt werden. In Corona-Zeiten sei dies dann besonders deutlich geworden. Sie kommen zwar in den Medien vor, aber meist über direkte Kontakte, nicht durch journalistische Aufarbeitung. Dazu gibt es aber bislang in der Kommunikationswissenschaft wenig Forschungsergebnisse. Hier will das Rhine-Ruhr-Centre ansetzen: Im Science Media Center soll ein „Scientist in Residence“ etabliert werden, der eine geistes- und sozialwissenschaftliche Redaktion aufbaut, denn im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, Medizin und Technik sei dieses Feld bei der Vermittlung von Wissenschaftler-Statements in die Medien durch das Science Media Center eher schwach ausgeprägt.

Das Wissen über das Wissenschaftssystem wollen die Kommunikationswissenschaftler an Rhein und Ruhr durch die Entwicklung neuer Formate stärker in den Medien verankern. Die Methodik der Wissenschaft, so Prof. Wormer, sei nicht so schön zu kommunizieren, wie spektakuläre Ergebnisse, die daraus entspringen. Dafür brauche es neue Konzepte. Er sei beispielsweise überzeugt, dass 90 Prozent aller Journalisten in Fernsehen, Hörfunk oder Presse noch nicht einmal die Funktion von Preprint-Servern kennen, was zu problematischen Darstellungen während der Pandemie geführt habe. „Insgesamt geht es uns darum: Wie lässt sich Wissenschaft besser transportieren, auch sperrige Themen, wie die Geistes- und Sozialwissenschaften“, zog Prof. Wormer das Fazit.

Mein Fazit: Mein Problem, ob, wann und wie tatsächlich die geschilderten Forschungsansätze die Praxis der Wissenschaftskommunikation verändern, habe ich schon am Anfang geschildert. Doch ganz unabhängig davon hat die VolkswagenStiftung mit ihrer Förderinitiative „Wissenschaftskommunikation hoch drei“ einiges bewegt: Allein an den 27 Förderanträgen waren 500 Wissenschaftler und Praktiker aus 300 verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen in 22 Ländern beteiligt, haben sich den Kopf zerbrochen, auf welchen Wegen Wissenschaftskommunikation voran gebracht werden kann. Wichtiger aber noch: Andere Stiftungen und auch das Bundesforschungsministerium sind dabei Förderprogramme für die Forschung zur Wissenschaftskommunikation aufzulegen. Und diese Forschungsergebnisse brauchen die Praktiker der Wissenschaftskommunikation dringend.

Und ein zweiter Aspekt dieses „Treffpunkts Wissenschaftskommunikation“ ist mir wichtig: Zum ersten Mal haben sich die vier Zentren gemeinsam vorgestellt, haben dadurch vor allem auch untereinander mehr zu den Konzepten und Forschungsvorhaben der anderen Auserwählten in diesem Förderprogramm erfahren. Mir ist aufgefallen, wie oft sie in ihren Präsentationen untereinander auf die anderen Bezug genommen haben. Hier deuten sich Wege zur Zusammenarbeit an, möglicherweise sogar ein Networking. Der „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ ist vor allem auch als Networking-Event gedacht. Die Zuhörer waren vielleicht dieses Mal überfordert, bei den Referenten aber scheint ein wenig Networking in Gang gekommen zu sein: Ein zartes, aber für die deutsche Forschung zur Wissenschaftskommunikation wertvolles Pflänzchen, das sich weiter entwickeln sollte.

Vier Jahre – zehn Jahre: Zwei Jahrestage für „Wissenschaft kommuniziert“

Dieser Blog „Wissenschaft kommuniziert“ und der „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ hatten mit dem „Treffpunkt“ zu den vier neuen Zentren für die Wissenschaftskommunikation zwei Jahrestage zu „feiern“:

  • Am 8. Dezember 2017, also vor vier Jahren, fand der erste „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ in Präsenz in München statt, in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft. Sprecher war der deutsche, in den USA arbeitende Wissenschaftskommunikationsforscher Prof. Dietram Scheufele. Der Abend mit den vier Zentren war der 13. „Treffpunkt“, der fünfte online. Die Zahl der angemeldeten Teilnehmer ist von ca. 30 in Präsenz in München auf fast 200 aus ganz Deutschland und auch aus angrenzenden europäischen Ländern gestiegen.
  • Am 4. November 2011, also vor zehn Jahren, ging der Blog zur Wissenschaftskommunikation „Wissenschaft kommuniziert“ zum ersten Mal online mit dem Beitrag „Mein Gott – Es ist Freitag!“ zur Flut der Pressemitteilungen am ungünstigsten Tag der Woche. Inzwischen sind 364 Blogposts erschienen, die 370.000 Mal aufgerufen wurden. Rund 2.000 Insider folgen „Wissenschaft kommuniziert“ direkt, auf Twitter, Facebook oder Linkedin.

Der „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ #WisskomMUC

Der „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ #WisskomMUC ist eine Initiative dieses Blogs „Wissenschaft kommuniziert“. Er soll Aktive in der Wissenschaftskommunikation zusammenführen zum Erfahrungsaustausch, zum Vernetzen, zum Diskutieren über das eigene Tun, aber auch Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten mit einbeziehen. Der „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ ist in München entstanden und wandert jedes Mal zu einer anderen der vielen Münchner Wissenschaftsinstitutionen – Gelegenheit, andere Umgebungen kennenzulernen, andererseits das eigene Haus den Kollegen zu präsentieren.

Gastgeber dieses „Treffpunkts“ war das Institut für Robotik und Mechatronik der DLR in Oberpfaffenhofen, das auch die Technik für die online-Veranstaltung bereitstellte.

Für Interessierte: Wenn Sie interessiert sind, beim nächsten „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ dabei zu sein, dann senden Sie uns an die Mailadresse dieses Blogs eine kurze E-Mail. Wir nehmen gern neue Interessenten in den Verteiler auf.

Näheres zu den bisherigen zwölf Abenden des „Treffpunkts Wissenschaftskommunikation“ #WisskomMUC finden Sie in diesen Beiträgen